Hansestadt Anklam

Marienkirche Anklam

Marienkirche Anklam


Die Wunden, welche die Bombenangriffe des Zweiten Weltkriegs im Anklamer Stadtbild hinterlassen haben, sind heute noch gut sichtbar. Das übrigens schon von Weitem, denn solange der Turm der wiederaufgebauten Nikolaikirche keine Spitze trägt, ist die mittelalterliche Backsteinkirche, in der einst der Flugpionier Otto Lilienthal getauft wurde, ein steinernes Zeugnis der dramatischen Zerstörungen dieses Krieges. Sie und die Marienkirche sind das erste was man am Horizont sehen kann, wenn man sich der Stadt mit einem Boot auf der Peene nähert, denn so wie in früheren Zeiten kann man noch heute die Kirchtürme als Landmarken nutzen, um sich in der naturbelassenen Landschaft des Peenetals orientieren zu können. Nur wenige Kilometer westlich vom heutigen Anklam gründeten im Jahre 1153 Herzog Ratibor I. und Bischof Adalbert von Pommern das Kloster Stolpe, dessen Ruine der einstigen Klosterkirch übrigens das älteste Bauwerk Pommerns ist.

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Viel ist wahrlich nicht erhalten, da Stolpe aber sehr idyllisch gelegen ist, lohnt es sich hier eine Pause einzulegen. Durch die Klostergründung in Gang gesetzte Christianisierung begannen sich im 12. Jahrhundert flämische Siedler in einer slawischen Siedlung niederzulassen, die um den heutigen Pferdemarkt herum gelegen war. Hier sollte die Keimzelle der späteren Stadt sein, der Herzog Barnim I. von Pommern das Lübische Stadtrecht verlieh. Nach dem Verlust größerer Ländereien an die Brandenburger durch den Vertrag von Kremmen begannen die pommerschen Herzöge Städte zu gründen, um ihr dünnbesiedeltes Land aufzubauen, mit entsprechenden Privilegien, wie der Zollfreiheit und Fischereirechten, wurden auch die Anklamer ausgestattet, die ihre Stadt im Jahre 1264 noch Tanchlim nannten.

Mit der Stadtgründung entstanden zwei Siedlungskerne mit je einer Kirche und einem Markt, die später zusammenwuchsen. Während im Westen der Stadt die Handwerker ansässig waren, die Wollweberstraße zeugt noch heute von ihren einstigen Bewohnern, wirkten die Händler im Ostteil der Stadt, weshalb letztendlich ihr Marktplatz das Zentrum der Stadt wurde, auf dem bis zum Jahre 1842 ein gotischen Rathaus zu finden war, welches zu dem Zeitpunkt abgerissen wurde. Vom einstigen Markt der Wollweber und seiner späteren Nutzung zeugt heutzutage nur noch der Name Pferdemarkt, denn zum Handeln nutzt er schon lange nicht mehr.

Heute findet man am Pferdemarkt aber das älteste Haus der Stadt Anklam. Die erste urkundliche Erwähnung dieses ehemaligen Speichergebäudes stammt aus dem Jahre 1404, also aus der Blütezeit des mittelalterlichen Hansebundes. Der Giebel des Gebäudes weist in Richtung des Pferdemarktes und ist mit einigen gotischen Stilelementen verziert. Da es sich bei diesem Haus eigentlich nur um einen gewöhnlichen Speicher handelt, zeugt die aufwendige Gestaltung der Fassade von dem damaligen Reichtum, welchen die Hansestadt Anklam durch den Handel während der Blütezeit der Hanse erlangen konnte. Heutzutage befinden sich in dem aufwendig sanierten gotischen Giebelhaus unter anderem das Standesamt der Stadt Anklam und der Sitzungssaal der örtlichen Gemeindevertretung.

Gleich gegenüber dem Haus befindet sich mit der Marienkirche eine der beiden große Kirchen der Stadt, mit deren Errichtung schon in der Mitte des 13. Jahrhunderts begonnen wurde. Die dreischiffige Hallenkirche im Stil der norddeutschen Backsteingotik besitzt einen spätromanischen Chor und Sakristei, da der im romanischen Stil begonnene Bau später gotisch überbaut wurde. Ursprünglich war für die Marienkirche eine gotische Doppelturmanlage geplant, so wie sie auch bei vielen andere Kirchen in Norddeutschland finden kann. Dass der Turm der Kirche nicht zentrisch positioniert ist, verdankt die Kirche einem finanziellen Engpass, welcher die Bauherren bewog, nur den einen Kirchturm fertig zu stellen und an der Stelle des geplanten zweiten Turms eine kleine Kapelle zu errichten. Ende des 15. Jahrhunderts wurde die Kirche in der heute sichtbaren Form fertig gestellt.

Verändert hat sich in dieser Zeit nur das Aussehen des Kirchturmes, welcher nach einem Brand im Jahre 1887 eine gotische Spitze bekam, welcher die Höhe der Kirche auf gut einhundert Meter wachsen ließ. Das Innere der Marienkirche ist voll mit mittelalterlichen Malereien welche nicht nur die Pfeiler schmücken. Während der Jahrhunderte litt die Marienkirche an Zerstörungen durch kriegerische Einflüsse. So gab es während des Krieges um die Herrschaft mit Schweden über Vorpommern größere Beschädigungen der Bausubstanz. Während der Besetzung durch Napoleon diente auch diese Kirche als Heulager für die französischen Truppen. Aber auch während des zweiten Weltkrieges wurde die Marienkirche in Anklam durch Bombenangriffe im Jahre 1943 schwer beschädigt.

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Die in das Schloss Schwerinsburg ausgelagerten Kunstschätze der Kirche gingen leider auch verloren, da in dem Schloss, in dem man die verwahrten Kunstwerke sicher glaubte, ein verheerender Brand ausbrach, welcher auch die wertvollen Kunstwerke zerstörte. Nach diesem Krieg wurde die im Verhältnis zur Nikolaikirche nicht so schwer beschädigte Marienkirche wieder instandgesetzt und konnte schon wieder im Jahre 1947 eingeweiht werden. Die Marienkirche wurde bei der Rekonstruktion mit einem Hochaltar ausgestattet, welcher ursprünglich aus der völlig zerstörten Nikolaikirche stammt. Bei dem Wiederaufbau erhielt der vierstöckige Kirchturm aber seinen vergleichbaren Turmhelm nicht wieder, sonder nur ein relativ einfaches Satteldach.

Mit dem Warmbad findet man westlich von der Marienkirche, aber außerhalb der eigentlichen Altstadt, welches die kriegerischen Zeiten überdauert hat und heutzutage ein kleines Hotel beherbergt, ein weiteres kulturhistorisch höchst interessantes Gebäude, denn das erste Warmbad in der gesamten Provinz Pommern wurde, nicht wie vielleicht anzunehmen wäre in der pulsierenden Provinzhauptstadt Stettin eröffnet, sondern im eher beschaulichen Städtchen Anklam. Zu dieser Zeit verfügten die allerwenigsten Wohnungen über eigene Bäder, so dass man seine Körperpflege in öffentlichen Badestuben verrichten musste. Aufgrund dieser Tatsache beschloss man ein für diese Zeit neumodisches Warmbad zu errichten. Am 20. Dezember 1895 öffnete das Warmbad in Anklam zum ersten Mal seine Pforten und bot seinen Besuchern außer den vorhandenen vierzehn Badewannen, sowie weiteren vier Duschen auch ein großes Dampfbad und eine Sauna. Da später die Wohnungen in der Stadt mit einem eigenen Bad ausgestattet wurden, sank die Notwendigkeit für das Warmbad, welches dann schließlich in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts seine Türen für immer schloss.

Freunde der moderneren Architektur sollten den Weg weiter in Richtung Westen einschlagen, denn Bauhaus gibt es nicht nur in Weimar, sondern auch in Anklam zu bewundern, zumindest von außen. Etwas weiter abseits befindet sich ein im Jahre 1929 errichtetes Fabrikgebäude, welches in früheren Zeiten die größte Möbelfabrik Norddeutschlands beherbergte. Nach der Wende wurden in der ehemaligen Fabrik zwar keine Möbel mehr hergestellt, dafür aber kreativere Dinge, denn den Jahren von 1996 bis 2011 beherbergte das vierstöckige Gebäude die Grafik Design Schule Anklam.

Nicht zu übersehen ist auch der Wasserturm, der im Jahre 1906 in Betrieb genommen und erst 1997 von der städtischen Wasserversorgung genommen wurde. Damit war dieses Bauwerk, welches heutzutage unter Denkmalschutz steht, einer der letzten Wassertürme, welche in der Region Vorpommern in Betrieb waren. Das Fassungsvermögen des Wasserreservoirs betrug damals gut vierhundert Kubikmeter. Der im Grundriss runde und fünfunddreißig Meter hohe Wasserturm weist eine für einen solchen Zweckbau recht aufwendige Fassadengestaltung auf, welche im neogotischen Stil umgesetzt wurde. So findet man unter anderem einige gotische Spitzbogenfenster in der Fassade des Gebäudes.

Einige Überreste der mittelalterlichen Stadtmauer findet man noch im Südwesten der Altstadt. Die erste Befestigung der Stadt Anklam seit ihrer Gründung stellte bis etwa um das Jahr 1400 herum eine Palisade mit Gräben davor dar. Da dieser Schutz für die aufblühende Stadt und ihren wachsenden Wohlstand aber nicht ausreichte, begann man eine Stadtmauer aus Backstein zu errichten. Die damals errichtete Mauer war etwa fünf Meter hoch und besaß zudem sechs Stadttore sowie mehrere Wieckhäuser. Im Jahre 1517 wurde die Stadtmauer auf acht Meter erhöht und wurde mit Hornwerken und Ravelinen ergänzt. Von dieser einstigen imposanten Befestigungsanlage ist nicht mehr viel übrig geblieben, da nach dem siebenjährigen Krieg diese geschleift werden musste. Erhalten blieb aber auch der Pulverturm. Der heute etwa 20 Meter hohe Turm wurde in der Mitte des 15. Jahrhundert errichtet und wurde im Mittelalter noch als Fangenturm betitelt, da er noch bis in das 16. Jahrhundert als Gefängnis der Stadt diente, bis dann das Steintor für diesen Zweck genutzt wurde.

Der Turm diente dann als Pulvermagazin, was ihm den heutigen Namen verlieh, sowie auch einige Jahre im 19. Jahrhundert als Sternwarte. Von seiner ursprünglichen Form ist heutzutage nicht mehr alles zu sehen, da der Pulverturm seinen einstigen Zinnenkranz und die hohe Spitze im Laufe der Zeit verlor. Vom Aufbau her war er etwa wie der Hohen Stein gestaltet, den man vor den Toren der Stadt Anklam findet und der als Überbleibsel der mittelalterlichen Landwehr eine bauliche Besonderheit in Mecklenburg-Vorpommern darstellt. Der Hohe Stein ist ein runder Wartturm aus Backstein mit Zinnenkranz, den man zu Gesicht bekommt, wenn man sich aus südlicher Richtung Anklam nähert. Auf der Nordseite war Anklam durch die Peene geschützt, welche zu dieser Zeit ein natürliches Hindernis darstellte, nur das Land im Süden war von den Stadttoren schlecht einsehbar. Daher errichtete man eine Landwehr mit Wällen und Gräben.

Solche mittelalterlichen Landwehren gab es zu der damaligen Zeit recht viele, die Besonderheit an der Anklamer Landwehr ist aber die Ausstattung mit einem Wachtturm, welche sonst nur noch die Stadt Parchim vorzuweisen hatte. Der Graben der Landwehr war damals gut zwei Meter tief. Der Erdwall dieser Wehranlage hatte etwa eine Höhe von 2,5 bis 3 Metern vorzuweisen und war mit einer dichten Dornenhecke bepflanzt. Er erstreckte sich insgesamt über eine Länge von ungefähr 1700 Metern. Der Hohe Stein wurde im Jahre 1458 errichtet und diente vor allem für den Schutz gegen marodierende Raubritter. Sollten sich diese damals recht lästigen Zeitgenossen der Stadt nähern, konnte die Wache durch ein Feuer auf dem Turm Alarm geben und sich dadurch die Bewohner der Stadt auf die herannahende Gefahr einstellen, sich in rechtzeitig in Sicherheit bringen und die schützenden Stadttore schließen.

Das Wahrzeichen von Anklam ist zweifelsfrei das 32 Meter hohe Steintor. Ursprünglich besaß die Stadt Anklam sechs Stadttore, von welchen aber nur noch das Steintor erhalten blieb.Das Aussehen des Stadttores verändere sich mehrfach im Laufe der Jahrhunderte. Erbaut wurde das Steintor schon in der Mitte des 13. Jahrhunderts. Im Jahr 1450, also etwa 100 Jahre später, stockte man das Bauwerk auf die Höhe auf, welche es noch heute besitzt. An den Farben der Backsteine des Mauerwerks kann man noch die Dimension des ursprünglichen Bauwerks erkennen. Man kann auch die Stellen erkennen, an der sich während des Mittelalters noch ein hölzerner Wehrgang befand. Dort nämlich besitzt das Mauerwerk nicht nur eine einfacher ausgeführte Gestaltung, man sieht darin auch einige Aussparrungen, in welchem damals die Balken des Wehrgangs befestigt waren.

Im Jahre 1570 erhielt das Steintor ein Vortor, welches aber nach dem siebenjährigen Krieg geschliffen wurde. Von der einstigen Toranlage blieb nur das Steintor in seiner heutigen Form erhalten. Da das Stadttor seinen ursprünglichen Zweck nicht mehr erfüllen konnte, wurde das Gebäude bis etwa 1900 als Gefängnis genutzt. Im Jahre 1986 begann man das bis dahin leerstehende Gebäude zu sanieren und nach einer dreijährigen Bauphase bekam im ehemaligen Torhaus das Anklamer Heimatmuseum neue repräsentative Räumlichkeiten für ihre Ausstellung über die Geschichte der Hansestadt Anklam und der Region. Wenn man im Tor die hundertelf Stufen des Steintors hinauf gestiegen ist, welches übrigens auch das älteste erhaltene Bauwerk der Hansestadt Anklam ist, hat man von dort oben einen guten Blick über die Stadt und die nähere Umgebung.

Die Ausstellung des Museums beschäftigt sich mit einer Vielzahl von Themen aus der regionalen Geschichte. Sie beginnt mit der Frühgeschichte des Peenetales und der anschließenden Besiedlung durch slawische Stämme sowie den Winkingern, welche eine bedeutende Handelsstadt im nahegelegenen Menzlin gegründet hatten. Die Spuren der Wikinger kann man im sogenannten Alten Lager besichtigen, wo sich eine große Grabanlage mit zahlreichen Schiffssetzungen befindet. Eine weiterer Schwerpunkt der ständigen Ausstellung ist die Geschichte der Hansestadt Anklam seit ihrer Gründung. Man findet zahlreiche Exponate aus dem Mittelalter und der Hansezeit vor, wobei als Höhepunkt wohl der Anklamer Münzschatz zu bezeichnen wäre. Dieser Schatzfund besteht aus 2579 Münzen und weiteren Wertgegenständen aus Edelmetallen. Aufgrund der Zusammenstellung des Hortes gehen die Wissenschaftler davon aus, dass es sich dabei um versteckt Diebesbeute handelt, welche in den Wirren des Krieges nicht wieder gehoben wurde.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Zeit der Schwedenherrschaft, denn nach dem Dreißigjährigen Krieg gelangte Anklam erst zu Schweden und früher als der Rest von Vorpommern zum Königreich Preußen, wobei in dieser Zeit die Peene die Grenze bildete. Anklam wurde so zur geteilten Stadt und zu einer Festungsstadt ausgebaut. Den Abschluss der geschichtlichen Ausstellung des Museums behandelt die schwere Zerstörung im zweiten Weltkrieg durch amerikanische Bombenangriffe. Ergänzt wird die ständige Ausstellung des Heimatmuseums mit verschiedensten thematischen Sammlungen, wobei die Sammlung von historischen Bügeleisen besonders hervorzuheben wäre. Die Räumlichkeiten des Museums sind nicht barrierefrei, denn die in den fünf Etagen des Torhauses befindlichen Ausstellungsräume sind nur über eine Treppe zu erreichen.

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Der wohl bekannteste Sohn der Hansestadt Anklam ist zweifelsfrei der deutsche Flugpionier Otto Lilienthal. Zu seinen Ehren wurde an seinem hundertsten Todestag ein Museum eröffnet, welches sich nicht nur mit der Geschichte des Menschenfluges, sondern auch der Persönlichkeit und dem Lebenswerk von Otto Lilienthal beschäftigt. Was viele Leute wohl nicht wissen, ist die Tatsache, dass er sich zu Lebzeiten nicht nur mit Flugversuchen beschäftigte, sondern auch zusammen mit seinem Bruder ein recht erfolgreicher Unternehmer in Berlin war. Dort verfolgte er schon sehr moderne Konzepte der Mitarbeiterbeteiligung, viele Jahre bevor es gesetzliche Regelungen dafür gab. Eine seiner Erfindungen war übrigens der Modellbaukasten, mit welchem sich viele Kinder spielerisch für die Technik begeistern konnten.

Den Schwerpunkt der Ausstellung des Lilienthal-Museums bildet aber die Geschichte des Menschenfluges, ür den Otto Lilienthal den wichtigsten Grundstein gelegt hat, denn die Tragflächen moderner Flugzeuge besitzen immer noch die grundlegende Form, welche Otto Lilienthal bei seinen gefährlichen Selbstversuchen erforscht hat. Zu sehen sind in diesem Bereich des Museums zahlreiche Modelle und Nachbauten von Flugapparaten, mit welchem er seine Flüge unternommen hat. Diese Modelle hängen unter der Decke, wo sie am besten zur Geltung kommen. Die Ausstellung des Museums ist auch für größere Kinder interessant, denn man selbst spielerisch einige Experimente durchführen, welche sich mit den Grundlagen der Aerodynamik beschäftigen. Die Räumlichkeiten der ständigen Ausstellung des Museums sind barierrefrei gestaltet, die Sonderausstellungen sind aber nur über eine Treppe erreichbar.

Mit der Errichtung der das Stadtbild von Anklam prägenden Nikolaikirche wurde um das Jahre 1280 herum begonnen. Diese Kirche wurde, so wie es auch in vielen Kirchen in den anderen Hansestädten üblich war, dem heiligen Nikolaus geweiht, welcher für die Seefahrer, Fischer und Kaufleute der Schutzpatron war. Im Gegensatz zur älteren Marienkirche, welche einige romanische Elemente vorzuweisen hat, wurde der Bau der Nikolaikirche völlig im Stil der norddeutschen Backsteingotik ausgeführt. Etwa um das Jahr 1400 herum, also gut hundert Jahre vor der kompletten Fertigstellung der Kirche, wurde schon der Kirchturm errichtet, welcher da er vom Oderhaff aus sichtbar war, auch als ein Lotsenturm für die Schifffahrt auf der Peene diente.

Rein optisch ähnelten sich auch die Formen der gotischen Spitzen der beiden Kirchen, welche bei der Nikolaikirche aber eine leichte Drehung im Turmhelm vorzuweisen hatte. Im Jahre 1498 war das Bauwerk schließlich vollendet. Der im Jahre 1336 von Thedericus Nordow gestifteten Altar, sowie einige Leuchter und die Apostelglocke befinden sich heute in der Marienkirche von Anklam. Einige Teile der historischen Einrichtung der Nikolaikirche findet man in der Sammlung des kulturhistorischen Museums in Stralsund wieder. Der Großteil der mittelalterlichen Ausmalung der Kirche, welche die Bögen und Pfeiler schmückte, ging durch den negativen Einfluss der Naturgewalten verloren, den das Bauwerk für viele Jahrzehnte ausgesetzt war.

Während bei den starken Bombenangriffen am 9. Oktober des Jahres 1943 die Marienkirche von Anklam stark beschädigt wurde,gingen bei der Nikolaikirche nur die Kirchenfenster zu Bruch, wobei die Kirche selbst von direkten Treffern verschont wurde. Die Zerstörung der Kirchenfenster ist den starken Druckwellen und Splittern der Bomben zu verdanken, welche in der unmittelbaren Nachbarschaft einschlugen und fast die gesamte Umgebung der Nikolaikirche in Schutt und Asche legte. Zerstört wurde sie erst am 29. April 1945 durch den massiven Beschuss mit Granaten, welche von der deutschen Wehrmacht auf die schon von der Roten Armee besetzte Stadt Anklam abgefeuert wurden. Der hohe Turmhelm stürzte auf das Kirchenschiff und verursachte ein Feuer wodurch die Kirche völlig ausgebrannte. Stehen blieb letztendlich nur die Außenmauern des Schiffes und der Stumpf des Kirchturms.

Da die Ruine nur notdürftig gesichert wurde, waren die Überreste der einst so stolzen Kirche über fünfzig Jahre lang Wind und Wetter ausgesetzt, was der Bausubstanz des Gebäudes nicht gut bekam. Erst im Jahre 1995 wurde die Kirche baulich gesichert und bekam ein schützendes Notdach. Seitdem wurde das noch vorhandene Mauerwerk der Nikolaikirche gründlich saniert. Inzwischen kann man auch schon wieder den fünfzig Meter hohen Kirchturm besteigen. Die Räumlichkeiten der Nikolaikirche sollen für das geplante Ikareum genutzt werden, welches als eine Ausstellung über die Geschichte der Menschenflüge geplant ist. Dafür erhalten unter anderem das Kirchenschiff ein neues Dach und der Turm einen neuen aber futuristisch gestalteten Turmhelm, in dessen Spitze auch eine Aussichtsplattform zu finden sein wird.

Die barocke Garnisionskirche steht im Norden der Altstadt. An der Stelle stand im Mittelalter die gotische Heilig-Geist-Kirche, die zum gleichnamigen Spital gehörte. Da sie im Jahre 1659 durch ein Feuer völlig zerstört wurde, beschloss man einige Jahre später an derselben Stelle für die Soldaten der in der Stadt stationierten Garnison der preußischen Armee eine neue Kirche zu errichten. Das im Stil das Barock gestaltete Gotteshaus wurde 1741 fertig gestellt und geweiht. Lange diente das Gebäude aber nicht für kirchliche Zwecke, schon im Jahre 1806 musste sie als Feldbäckerei der napoleonischen Truppen herhalten. Im Jahre 1854 wurde die Kirche aufgegeben und das Gebäude als Wohnhaus die älteren Bürger der Stadt Anklam umgebaut. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude stark zerstört, aber schon im Jahre 1955 mit einem vom ursprünglichen Bau abweichenden Turmhelm wiederaufgebaut.

Eine bauliche Seltenheit ist die auch unter dem Namen Wesselsche Mühle bekannte Holländerwindmühle in Anklam. Sie hat die sehr seltene Unterart eines Hausholländers vorzuweisen. Erbaut wurde diese Mühle im Jahre 1728 auf dem Peenedamm. Zu dieser Zeit war Anklam eine geteilte Stadt. Während die Altstadt, welche sich südlich der Peene liegt zum Königreich Preußen gehörte, war der Teil der Stadt Anklam, welcher sich nördlich der Peene befand noch unter schwedischer Herrschaft geblieben. Aufgrund der nichtvorhandenen Infrastruktur im schwedischen Teil von Anklam, dienten die Räumlichkeiten in der Mühle bis zum Jahre 1806 auch als Sitz für das Peendammsche Niedergericht. Bis zum Jahre 1922 arbeitete die Schwedenmühle noch mittels Windkraft, später wurde das Mahlwerk mit Motoren betrieben. Leider mussten die Flügel der Mühle im Jahre 1958 entfernt werden.

Um hierher zu gelangen muss man die Peene-Tor-Brücke überqueren, an deren Stelle schon im Mittelalter eine hölzerne Brücke über die Peene führte. Ebenso wie der südlich der Altstadt gelegene Stadtpark mit seinen Tiergehegen, zählt das neben der Brücke befindliche Peeneufer zu den beliebtesten Treffpunkten der Stadt. Mit dem Mitte August gefeierten Hansefest Anklam und dem Open-Air-Theater Die Peene brennt im September hat die Stadt gleich mehrere Veranstaltungen zu bieten, welche zahlreiche Besucher in die Hansestadt lockt. Aber auch die Vorpommersche Landesbühne Anklam kann mit ihrer Theaterbühne das kulturelle Leben der Stadt bereichern. Das von der Geschichte gebeutelte Anklam befindet sich zwar abseits der großen Touristenpfade, kann aber mit der landschaftlichen Schönheit des Peenetals aufwarten, welches man am besten bei einer Wasserwanderung entdecken kann.

Impressionen

Bauhaus Anklam

Bauhaus Anklam

Marienkirche Anklam

Marienkirche Anklam

Garnisionskirche Anklam

Garnisionskirche Anklam

Warmbad Anklam

Warmbad Anklam

Lilienthal-Museum Anklam

Lilienthal-Museum Anklam

Pulverturm Anklam

Pulverturm Anklam

Gotisches Giebelhaus Anklam

Gotisches Giebelhaus Anklam

Stadtmauer Anklam

Stadtmauer Anklam

Wasserturm Anklam

Wasserturm Anklam

Steintor Anklam

Steintor Anklam

Schwedenmühle Anklam

Schwedenmühle Anklam

Nikolaikirche Anklam

Nikolaikirche Anklam

Nikolaikirche Anklam

Nikolaikirche Anklam

Hoher Stein Anklam

Hoher Stein Anklam

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