Ostseebad Binz

Eines der beliebtesten Seebäder der Insel Rügen ist das Ostseebad Binz, welches im Unterschied zu den im Mönchgut oder Wittow gelegenen Seebädern eine deutlich bessere Verkehrsanbindung zu bieten hat. Die erste Erwähnung fand der Ort Binz im Jahre 1318, welches aber jahrhundertelang nur ein kleines Dörfchen blieb. Die Entwicklung zu einem Seebad erfolgte erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Im Jahre 1816 gründete Fürst Malte I. Zu Putbus südlich seiner neu angelegten Residenzstadt Putbus mit Lauerterbach das erste Seebad auf der Insel Rügen. Mit der Zeit wurden es immer mehr Besucher, welche die schöne Insel besuchten um sich hier zu erholen und im Meerwasser zu baden. Damals wurde aber ausschließlich in Badewannen gebadet, welche mit Meereswasser gefüllt waren. Etwa ein halbes Jahrhundert änderte sich das aber rapide und die Leute badeten direkt in der Ostsee. So kam es dass etwa um das Jahr 1875 herum die ersten Leute den Strand von Binz für sich entdeckten und langsam stiegen die Besucherzahlen in dem kleinen Ort. Ende es 19. Jahrhunderts kam es dann zu einer regen Bautätigkeit, bei welcher zahlreiche Hotels und Pensionen, die Strandpromenade mit dem großen Kurhaus und die Seebrücke errichtet wurden. Während dieser Zeit wurde auch eine Kleinbahnverbindung zwischen Putbus und Binz errichtet, welche heute der Rasende Roland bedient.

Anzeige

In den dreißiger Jahren begann man mit dem Bau des KdF-Bades Prora, welches sich nördlich von Binz befindet, aber nie fertiggestellt wurde. Während dieser Zeit bekam Binz auch einen Anschluss an das Eisenbahnnetz und einen Bahnhof. Während der DDR wurden die Besitzer der Hotels enteignet und vom FDGB genutzt, sowie zahlreiche neue Ferienheime errichtet. Nach der Wende wurden die alten Häuser zurück übertragen und aufwendig saniert, so dass sich das Ostseebad Binz wieder als eines der schönsten Bäder der deutschen Ostseeküste präsentieren kann. Mit der Fertigstellung der neuen Seebrücke im Jahre 1994 hat Binz wieder einen weiteren Anziehungspunkt bekommen, auf welchem sich das Leben in diesem Ostseebad abspielt.

Alle großen Seebäder in Mecklenburg-Vorpommern besitzen eine Seebrücke, so auch das Ostseebad Binz. Die Seebrücke in Binz ist etwa 370 Meter lang und von der Ausführung her recht schlicht ausgefallen. Die erste Seebrücke von Binz, welche im Jahre 1902 eingeweiht wurde, war damals deutlich protziger gestaltet und mit einer Länge von ungefähr 560 Metern deutlich größer ausgefallen. Diese Seebrücke wurde aber schon ein drei Jahre später durch einen Sturm zerstört, aber anschließend wieder aufgebaut, bis sie im Winter des Jahres 1942 ein Opfer der Eismassen wurde, welche die schon etwas in die Jahre gekommene Brücke wieder zerstörte. Mit dem Bau einer neuen Seebrücke ließ man sich aber etwas Zeit, denn erst im Jahre 1994 wurde ein neuer Bau eingeweiht. Dieser orientierte sich in der Ausführung nicht am historischen Original, sondern eher an praktischen Gesichtspunkten. Seebrücken sind für gewöhnlich der Mittelpunkt eines Ostseebades, so auch hier in Binz. Vom Anleger an der Spitze der Seebrücke fahren viele Fährschiffe ab, welche nicht nur zu anderen Seebädern der Insel Rügen fahren, sondern auch verschiedene Ausflugsfahrten anbieten, wie beispielsweise Fahrten zu den berühmten Kreidefelsen vom Nationalpark Jasmund. Am anderen Ende der Seebrücke beginnt die schöne Strandpromenade von Binz, welche mit zahlreichen guten Restaurants und Hotels mit Meerblick aufwarten kann.

Im Ostseebad Binz findet man einige der interessanten Museen und Ausstellungen der Insel Rügen. Das schönste Museum von Binz dürfte zweifelsfrei das Jagdschloss Granitz sein, welches sich im Süden des Seebades befindet. In diesem Museum findet man eine Ausstellung über die Geschichte des Schlosses und der Fürsten zu Putbus. Das Highlight des Schlosses ist der hohe Turm, von welchem man eine tolle Aussicht über den Süden der Insel Rügen hat, vorausgesetzt man hat kein Problem mit Höhenangst, denn der Turm mit seinem Treppenturm mit seinem durchsichtigen Treppenstufen aus Gusseisen ist eine kleine Herausforderung. Weitere Museen findet man im ehemalgen KDF-Bad in Prora. Mit MACHTUrlaub findet man dort eine interessante Ausstellung über die Geschichte des Seebades und der politischen Organisationen, welche damals den Bau dieses riesigen Kolosses an der Ostseeküste der Insel Rügen veranlassten. Die KulturKunstStatt beherbergt insgesamt sechs Museen, darunter auch das NVA-Museum, in welchem man eine Ausstellung über die Geschichte der Truppen finden kann, welche zur Zeiten der DDR in den Kasernen untergebracht waren, welche den südlichen Teil der Anlage nutzten. In der Nähe des Bahnhofs von Prora findet man das Eisenbahn & Technikmuseum, in welchem unter anderem alte Eisenbahnen und Oldtimer präsentiert werden.

Auf der Schmalen Heide findet man die Überreste eines der gewaltigsten Bauvorhaben, welches durch die nationalsozialistische Organisation Kraft durch Freude auf der Insel Rügen errichtet wurde. Auf dieser Nehrung befindet sich einer der schönsten Strände von Rügen, weshalb man damals die für den Bau benötigten Ländereien vom Fürsten zu Putbus erwarb, welcher einer der größten Landbesitzer auf der Insel war. Die Ausmaße der Anlage sind auch noch heutzutage imposant. Die Gesamtlänge des Komplexes betrug viereinhalb Kilometer. Da das Bauwerk aber aus acht Blöcken bestand, welche jeweils fünfhundertfünfzig Meter lang sind, gilt das KdF-Bad Prora nur als längster Gebäudekomplex und nicht als längstes Gebäude der Welt.

Anzeige

Für heutige Verhältnisse waren die Zimmergrößen von 2,5 mal 5 Metern nicht gerade groß, eigene Bäder gab es auch keine, sondern nur Gemeinschaftsduschen. Dafür hätte sich keiner der potentiellen Besucher über einen fehlenden Meerblick beschweren können, denn allse Zimmer waren zur Seeseite, während die Gemeinschaftsräume auf der Westseite des Gebäudes lagen. Mit dem Beginn des zweiten Weltkrieges wurden die Bauarbeiten eingestellt und daher der Gebäudekomplex nie fertiggestellt. Nach dem Krieg nutzte die Rote Armee die nördlichen Blöcke für Sprengübungen, weshalb diese nur noch als Ruinen existieren. Die südlichen Blöcke nutze die Truppen der Armee der DDR, später auch die Bundeswehr, als Kasernen, weshalb das gesamte Gelände bis 1993 Sperrgebiet war. Heute kann man die Anlage wieder besichtigen, welche sich aber teilweise in einem schlechten Zustand befindet. Im Block 3 befindet sich die Museumsmeile, in welcher es auch mehrere Ausstellungen über die Geschichte des Seebades gibt.

Begibt man sich von der Seebrücke von Binz aus in südöstlicher Richtung die Strandpromenade entlang, dann wird man man auf der Seeseite ein kleines Bauwerk erblicken, welches rein optisch sehr stark an ein UFO erinnert. Dieses ist aber kein solches, sondern eine ehemalige Rettungsstation, welche der aus dem Ostseebad Binz stammende ostdeutschen Ausnahmebaumeister Ulrich Müther. Viele seiner Bauwerke waren architektonisch seiner Zeit weit voraus, so auch dieses Kleinod, welches er schon im Jahre 1968 errichtete und im Jahre 2004 das stark baufällige Bauwerk sogar auf eigene Kosten sanierte, um es vor einem Abriss zu bewahren. Die Rettungsstation Binz ist wie die meisten seiner Bauwerke in einer Schalenbauweise errichtet worden. Heutzutage dient das Gebäude nicht mehr seinen ursprünglichen Zweck, sondern beherbergt eine Außenstelle des Standesamtes von Binz. Wer seinen Bund fürs Leben in unmittelbarer Nähe der Ostsee schließen möchte, ist in diesem architektonischen Kleinod, welches sich direkt am Strand von Binz befindet, bestens aufgehoben.

Wenn man aus dem Bahnhof von Binz kommt und in Richtung Süden geht, steht in einem Kreisverkehr eine auf den ersten Blick etwas merkwürdig aussehende Konstruktion. Dieses ist sie aber nicht, sondern eines der ersten Bauwerke von Ulrich Müther. Ursprünglich war dieses kunstvolle Gebilde nur ein Versuchsobjekt für die im Jahre 1968 in Rostock-Lütten Klein errichtete Mehrzweckhalle und diente hauptsächlich für Tests und Berechnungen der neuen Bauweise der Hyparschalen, welche er in den folgenden Jahren zur Perfektion bringen sollte. Später wurde der ehemalige Versuchbau im Zentrum von Binz aufgestellt und jahrelang als Wartehäuschen genutzt. Die Besonderheit dieses Wartehäuschens ist das Dach, welches hyperbolisch geschwungen ist und nur eine Dicke von 5,5 Zentimetern besitzt.

Wenn man im Ostseebad sich kulinarisch verwöhnen möchte, ist die Strandpromenade der erste Anlaufpunkt. Hier findet man zahlreiche Restaurants, welche während der Saison auch eine Außengastronomie anbieten. Von den Tischen, welche direkt an der Promenade stehen, hat man einen tollen Blick auf den Strand und die Ostsee. Wer nur eine Kleinigkeit zu sich nehmen oder nicht soiviel Geld ausgeben möchte, für den sind die Imbissstände etwas, welche sich meistens in der Nähe der Strandzugänge befinden und Bratwürste oder Fischbrötchen im Angebot haben.

Einen der schönsten Strände auf der Insel Rügen findet man im Ostseebad Binz. Der Strand besitzt nicht nur einen feinen Strandsand und klares Wasser, sondern auch eine Länge von etwas über fünf Kilometer und eine durchschnittliche Breite von etwa vierzig Metern. Im Westen schließt sich der Strand von Prora an, welcher sich fast bis zum Fährhafen Mukran erstreckt. Während man am Strand in Binz viele Badegäste finden kann, ist im Verhältnis dazu der Strand von Prora relativ leer. Es gibt dort aber auch keinerlei sanitären und gastronomischen Einrichtungen oder Rettungsschimmer, dafür findet man hier größere Bereiche welche für die Anhänger der Freikörperkultur ausgewiesen sind. Am Strand von Binz findet man zwar auch solche Bereiche, diese sind aber nicht so groß.

Anzeige

Nordwestlich von Prora liegt in der Schmalen Heide das Steinerne Meer, wie man auch die Feuersteinfelder der Insel Rügen bezeichnet. Diese Feuersteinfelder sind Ablagerungen, welche durch die Kraft des Meeres aus den Kreidefelsen der Insel heraus gespült und bei einigen größeren Sturmfluten an diese Stelle abgelagert wurden. Die Größe der Fläche der Feuersteinfelder beträgt etwa 2000 mal 200 Meter, was in etwa vierzig Hektar sind. Im Jahre 1840 wurde die Schmale Heide mit Kiefern bepflanzt, welche aber aufgrund der massiven Ablagerungen an Steinen nur um die Steinhaufen herum wachsen konnte. 1935 wurde das Gebiet unter Naturschutz gestellt. Erreichen kann die Feuersteinfelder nur über Wanderwege. Sollte man mit dem auto anreisen, muss man von Prora aus die L29 in Richtung Norden fahren. Auf der linken Seite befindet sich dann ein kleiner Parkplatz, von dem aus einer der möglichen Wanderwege beginnt. Die Länge der Strecke, welche man bis zum Ziel zurücklegen muss, beträgt in etwa 3 Kilometer.

Ein auf der Insel Rügen ohne eine Fahrt mit dem Rasenden Roland ist eigentlich kein richtiger Urlaub. Nicht nur eingefleischte Freunde historischer Eisenbahnen kommen bei einer solchen Fahrt ins Schwärmen, auch für kleine Kinder ist eine Fahrt in den teilweise schon über hundert Jahren alten historischen Eisenbahnwagen ein großes Erlebnis. Die Strecke der Eisenbahn verläuft von Putbus aus über das Ostseebad Binz, dem Jagdschloss Granitz und dem Ostseebad Sellin bis zum Ostseebad Göhren. Die Bahnstation befindet sich im Süden von Binz. Während der Tagesstunden fährt im Zweistundentakt von Putbus aus ein Zug nach Göhren und wieder zurück. In den Sommermonaten wird der Abschnitt zwischen dem Ostseebad Binz und dem Ostseebad Göhren sogar stündlich bedient. Sollte man während seines Aufenthalts bestimmte Abschnitte der Bahnstrecke öfters fahren wollen, so sollte man sich eine Wochenkarte kaufen, bei welcher man schon mit der dritten Fahrt Geld sparen kann.

Mit dem Auto erreicht man das Ostseebad Binz sehr gut, von gelegentlichen staus einmal abgesehen. Von der Hansestadt Stralsund aus kommend fährt man auf der B196 und biegt dann in Serams auf die L29 ab. Die Anreise mit der Bahn erweist sich meistens etwas stressfreier. Sogar ein ICE fährt von Stuttgart aus bis direkt nach Binz. Alle zwei Stunden fährt der Hanse-Express von Rostock nach Sassnitz, mit welchem man bis Bahnhof Lietzow fahren und dann in den Zug in Richtung Binz umsteigen muss. Zusätzlich gibt es eine Verbindung von Stralsund aus, welche jeweils eine Stunde später direkt zum Ostseebad Binz fährt. Die Buslinien des RPNV sind sind zumindest während der Saison sehr gut ausgebaut, so dass man auch ohne ein eigenes Auto an fast jeden Ort der Insel gelangen kann. Bei einer intensiven Nutzung der Verkehrsmittel bietet sich der Kauf einer Tageskarte oder einem Bernsteinticket an, dem Fall dass man zusätzlich auch die Zugverbindungen auf der Insel nutzen möchte.