Burg Nehringen

Burg Nehringen

Burg Nehringen


Mehrere hundert Turmhügel zeugen noch heutzutage von der einstigen Ostexpansion deutscher Ritter in die zu dieser Zeit von Slawen besiedelten Gebiete welche sich östlich der Elbe befanden. Ein Problem mit dem sich die neuen Landbesitzer konfrontiert sahen, war der Schutz vor Räubern und feindlich gesinnten Nachbarn. Ein in diese Zeit verbreiteter Burgentyp bot ihnen eine preiswerte Lösung. Ähnlich wie schon die Slawen zuvor begannen sie die landschaftlichen Gegebenheiten für ihre Verteidigung zu nutzen oder künstlich zu schaffen. Eine Turmhügelburg zu errichten war relativ einfach und schnell zu bewerkstelligen. Hierfür hob man einen ringförmigen Graben aus und schütte den Aushub auf einen in diesem befindlichen künstlichen Hügel auf, in dem oft auch ein aus Feldsteinen gemauerter Keller zu finden war. Auf diesem Berg befand sich ein mehrgeschossiger Turm, der entweder aus Holz oder aus Fachwerk errichtet wurde. Größere Anlagen besaßen eine oder mehrere Vorburgen, ärmere Ritter wiederum konnten sich nur eine einfache Turmhügelburg leisten, auf der nur ein einfacher Turm stand.

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Wie relativ schlicht diese Gebäude ausfielen zeigt die Rekonstruktion einem bei Wodarg gefundenen Wehrspeicher, den als Nachbau in der Nähe der Burg Klempenow sehen kann. Dieser befand sich auf einem See, weshalb er ansonsten nicht viel mit einem Wohnturm gemein hat. Bei diesem befand sich der Eingang in mehreren Metern Höhe und war nur mittels einer Leiter erreichbar, welche im Angriffsfall entfernt wurde. Allzu angenehm wohnte es sich wohl nicht in solchen Türmen die ihren Bewohnern nicht viel Platz geboten haben können. Die Größe der erhalten gebliebenen Turmhügel weist auf ihren Grundriss hin, der bei den kleineren Burgen nur Abmaße von wenigen Metern Seitenlänge hatte. Aufgrund ihrer einfachen Bauweise und der Aufgabe zugunsten bequemerer Herrschaftssitze, die man in unmittelbarer Nähe errichtete, sind zumeist nur die Turmhügel übriggeblieben, welche in den die Schlösser und Gutshäuser umgebenden Landschaftsparks an vergangene Zeiten erinnern sollten.

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Eine eindrucksvolle Ausnahme findet man an der einstigen Grenze von Pommern und Mecklenburg. Hier residierte die Familie von Buggenhagen, welche das erbliche Amt des Landmarschalls im Herzogtum Pommern-Wolgast innehatte. Dank dieser zusätzlichen Einnahmen konnten sie sich eine Turm bauen, der auch noch heutzutage als imposant zu bezeichnen wäre. Bis zu anderthalb Meter sind die Wände dick, welche mittels Schalenbauweise errichtet wurden. Zwischen die backsteinerne Mauern, welche auf einem von außen gut sichtbaren Fundament aus Feldsteinen stehen, schüttete man unter anderem Feldsteine und verfestigte diese. Der einstige Eingang zum Turm ist auch heute noch gut erkennbar. Die sich in mehreren Metern Höhe befindliche Türöffnung lässt auch von Weitem die Dicke der wehrhaften Mauern erahnen. Etwa siebzehn Meter Gesamthöhe hatte der Turm einst zu bieten, der aus Ziegeln im Klosterformat erbaut wurde. Im Inneren des Turmes finden sich bauliche Hinweise, dass die beiden unteren Geschosse über eine Gewölbedecke verfügten, während die darüber befindlichen Geschosse offensichtlich nur einfache Holzdecken besaßen.

Der massive Turm, der im vierten Geschoss einst einen Aborterker besaß, ein erhalten gebliebenes Exemplar kann man in der Burg Klempenow bewundern, diente offensichtlich nur zur Verteidigung. An der Nord- und Südseite vorhandene Mauerreste belegen in Fachwerkbauweise ausgeführte und mit Ziegeln gedeckte Wohngebäude, von denen das im Norden gelegene deutlich größer war. Auf der Nordseite befand sich auch der Zugang über eine Zugbrücke, der durch einen Turm mit etwa drei Meter Durchmesser gesichert wurde, dessen Fundamente erhalten geblieben sind. Den Gebäudekomplex auf dem künstlichen Hügel umgab eine Palisade welche die Burg vor Angreifern schützte. Durch ihre grenznahe Lage an der Trebel dürfte die Burg Nehringen des Öfteren in kämpferische Auseinandersetzungen zwischen Pommern und Mecklenburgern verwickelt gewesen sein. Im 16. Jahrhundert verließen auch die Herren von Nehringen ihre enge Burg und zogen in das unmittelbarer Nähe errichtete komfortablere Gutshaus, in dessen Park die steinernen Überreste des Turms von den alten Zeiten zeugen.