Burg Plau

der Burgturm in Plau am See

der Burgturm in Plau am See


Im Gegensatz zu anderen Städten geht die in Plau am See zu findende Burg nicht auf einen slawischen Ursprung zurück, denn die einst mächtige slawische Burganlage des Stammes der Warnower befand sich auf der Kohlinsel im Plauer See. Aufgrund ihrer Größe war die Burg Quetzin eine der Hauptburgen des Stammes und zugleich auch Namensgeber des Sees, in welchem sie sich befand. Das Ende der Burg fiel in die Zeit der Christianisierung der ostelbischen Gebiete durch Heinrich den Löwen, der im Jahre 1164 die Burg einnahm und dem Erdboden gleichmachte. Dieser Umstand war es, der es der etwas südlicher liegenden Siedlung Plau ermöglichte, statt des neben der Burg befindlichen Siedlung Quetzin sich zu einer Stadt zu entwickeln. Während Quetzin allein aufgrund der Tatsache der Existenz einer mächtigen Burg eine gewisse Bedeutung erlangte, welche durch die Zerstörung obsolet war, sprach für die Ortschaft Plawe, wie die Stadt Plau noch in früheren Jahrhunderten bezeichnet wurde, eine deutlich bessere Lage an den wichtigsten Handelsstraßen. Zudem lag der Ort direkt an der Elde, was den Transport der Waren über das Wasser vereinfachte. Schon allein der Name, dessen slawischer Ursprung auf einen Ort am Wasser hinweist, belegt die Wichtigkeit der vorhandenen Wasserwege für die früheren Bewohner.

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Die nach der Eroberung der Burg von den Landesherren angeworbenen Siedler kamen zumeist aus Lauenburg und Westfalen. Sichtbar ist dieses bei der Marienkirche, mit deren Bau um das Jahr 1225 begonnen wurde. Diese Hallenkirche ist vom sogenannten westfälischen Typ, der aus einer Mischung aus romanischen und gotischen Elementen besteht. Durch den Handel blühte Plawe auf, sodass der Ortschaft im Jahre 1235 das Stadtrecht verliehen wurde. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt wurde sie auch für die Fürsten von Werle interessanter, denn Fürst Nikolaus II. zu Werle beschloss sich hier ein Schloss zu errichten. Das in den Jahren von 1285 bis 1287 errichtete Gebäude fiel zu dieser Zeit noch relativ klein aus und war nicht mehr als ein sogenanntes Burghaus. Dieses genügte im 15. Jahrhundert aber nicht mehr um die Sicherheit im südlichen Mecklenburg sicherzustellen. Zu dieser Zeit waren Fehden und Überfälle brandenburgischer Raubritter an der Tagesordnung, so dass der mecklenburgische Herzog Heinrich IV. beschloss die Grenze zu Brandenburg besser zu sichern. Im Jahre 1448 erteilte er den Auftrag, das vorhandene Schloss zu einer Burg auszubauen. Da das bisherigie Schloss auf ebener Ebene stand, war es notwendig für den neuen Bau einen Burggraben auszuheben sowie einen schützenden Burgwall aufzuschütten. Die Bauarbeiten waren im Jahre 1463 abgeschlossen.

Zu diesem Zeitpunkt existierte aber der Bergfried noch nicht, denn das markante Wahrzeichen der Stadt Plau am See ist ein Überbleibsel des Festungsbaus durch Heinrich V. von Mecklenburg-Schwerin. Seine Regentschaft fiel in die Zeit der Reformation, welche ein Mecklenburg einführte. Aufgrund der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Protestanten war es für ihn notwendiger geworden, seine Ländereien in Kriegsfällen besser verteidigen zu können. Er hielt sich zwar aus den religiösen Streitereien heraus, nicht umsonst trug er den Namen der Friedfertige, was ihn aber nicht abhielt, die Burg Plau zu einer großen Festung auszubauen. Und zwar in einer Größenordnung, dass sie während ihrer Existenz als die größte Festungsanlage im norddeutschen Raum galt. Neben einem neuen Torhaus, tieferen Gräben und stärkeren Wällen entstand auch zu dieser Zeit der Bergfried mit seinen bis zu drei Meter dicken Mauern. Er sah zu diesem Zeitpunkt etwas anders aus, statt des heute vorzufindenden Kegeldaches krönte ihn damals noch ein Zinnenkranz, in der Art wie man ihn beispielsweise am Bergfried der Burg Stargard vorfinden kann.

Die Existenz der Festungsanlage, welche in früheren Zeiten noch für eine hohe Sicherheit der Stadt sorgen konnte, war während des Dreißigjährigen Krieges für diese katastrophal. In den Chroniken der Stadt finden sich insgesamt acht Belagerungen während dieser Zeit wieder, bei der nicht nur die Festung in Mitleidenschaft gezogen wurde, sondern auch die benachbarte Stadt Plau mit ihren Bewohnern. Neben den Kriegseinwirkungen sorgten auch zwei Pestepidemien für die spürbare Minimierung der Bevölkerung. Kein Wunder, dass diese nach Beendigung des Krieges der Festung Plau ein Ende bereiten wollten. So ist es belegt, dass diese ab dem Jahre 1660 das Machtvakuum nutzten, welches sich durch die kriegsbedingte Schwächung der Landesherren ergeben hatte, und anfingen die Festung zu schleifen. Übrig blieben allein die Wallanlage, einige wenige Mauerreste und der markante Bergfried. Vom einstigen Schloss soll nur der Gewölbekeller erhalten geblieben sein.

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Bei einem Besuch in Plau am See sollte man sich ruhig einmal im Burgmuseum umschauen, zu diesem auch der erhaltene Bergfried gehört, welches von den Mitgliedern des Plauer Heimatvereins e.V. ehrenamtlich betrieben wird. In Inneren des Burgturms befindet sich ein elf Meter tiefes Verlies. Hier wurden die Gefangenen an Seilen hinabgelassen, wo sie im Dunkeln ausharren mussten, bis das für ihre Freilassung notwendige Lösegeld gezahlt wurde. Kein schöner Gedanke, wenn man dann noch die Tatsache bedenkt, dass in den Fällen wo der Platz für die Gefangenen nicht ausreichte, eine Zwischendecke aus Holz eingezogen werden konnte, diese in gewisser Art und Weise im Verlies gestapelt wurden. Ein Blick hinab in das Verlies, welches heutzutage durch ein Gitter gesichert ist, ist daher auch ein Blick in die Geschichte der Burg. Alle weiteren Informationen über die Geschichte der Stadt Plau und ihrer Burg bekommt man in der kleinen Ausstellung, welche man im Inneren des Burgturmes besichtigen kann.

Ein Höhepunkt für technikbegeisterte Besucher dürfte aber die aus der Plauener Marienkirche stammende Turmuhr sein, die im Jahre 1581 gefertigt wurde und immer noch funktionstüchtig ist. Im Burgmuseum selbst findet man eine Ausstellung über Technik und Handwerkstechniken von Handwerkern, welche einst in Plau ihren Lebensunterhalt erarbeitet haben. Aber auch den bekanntesten Persönlichkeiten aus der Stadt wird in der Ausstellung gedacht, so beispielsweise Dr. Ernst Alban, der als Erfinder und Pionier des Dampfmaschinenbaus in die Technikgeschichte einging. Das Museum ist wie der Burgturm nur während der Saison von April bis Oktober geöffnet. Sollte man in den anderen Monaten des Jahres das Museum und den Turm besichtigen wollen, geht das im Übrigen nur, wenn man sich vorher beim Plauer Heimatvereins e.V. angemeldet hat.