Burg Wredenhagen

Burg Wredenhagen

Burg Wredenhagen


Das brennende Schmiedefeuer trieb im Jahre 1697 einem gewissen Peter Michailow den Schweiß auf die Stirn, der das vor ihm auf dem Amboss liegende glühende Stück Eisen in eine neue Form brachte. Der großgewachsene junge Mann mit dem schwingenden Hammer dürfte der wohl bekannteste Schmiedelehrling der Welt gewesen sein, denn eigentlich hieß er Pjotr Alexejewitsch Romanow und trug als Zar Peter I. die Krone Russlands auf seinem Haupte. Laut einer Legende soll er im Rahmen seiner Großen Gesandtschaft auch in Wredenhagen Station gemacht haben, wo er sich in der Schmiede der Burg das Schmiedehandwerk hat beibringen lassen. Wahrscheinlich dürfte das eine der interessantesten Momente in der langen Geschichte der Burganlage gewesen sein, die einst mit einem Sitz der Herren von Werle begann. Die Burg wurde erstmals im Jahre 1284 als Novum Castrum Wenden in einer Urkunde erwähnt, sie dürfte aber deutlich älter sein.

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Für die Errichtung der Burg nutzte man einen am Ufer der Elde gelegenen Hügel, umgab ihn mit einem Wassergraben und verwendete den dabei angefallen Aushub um den Hügel zu vergrößern. Auf diesem errichtete man eine über dreihundert Meter lange Ringmauer, in dessen Zentrum sich der Bergfried befand. Über das Torhaus, welches als Besonderheit eine Wippbrücke vorzuweisen hatte, betrat man dereinst die Burg, eine im Nordwesten gelegene Vorburg sicherte den einzigen Zugangsweg zusätzlich. Keine dreißig Jahre nach der Erwähnung der Burg auf der besagten Urkunde waren die Herren von Werle nicht mehr Herren im eigenen Hause, denn gegen Ende des Norddeutschen Markgrafenkriegs, durch den das Königreich Dänemark langfristig seine Vorherrschaft über die norddeutschen Gebiete an der Ostsee verlor, besetzten die Markgrafen von Brandenburg auch das Novum Castrum Wenden.

Ein Zeugnis dieses Krieges ist übrigens die Eldenburg in Lübz, welche die Brandenburger seinerzeit errichteten, um ihre Eroberungen zu sichern, die sie aber schon ein paar Jahre später nach dem Frieden von Templin wieder verlassen mussten. Aber auch die Burg in Wredenhagen wollten sie nicht freiwillig räumen, so dass es im Jahre 1316 schließlich zur Schlacht bei Gransee kam, in der sich das überlegene Reiterheer der Brandenburger schon als Sieger sah, sich letztendlich dem hauptsächlich aus Fußtruppen bestehenden Heer der Mecklenburger und Dänen geschlagen geben musste. Heinrich II. von Mecklenburg erhielt die eroberte Burg als Lehnen der brandenburgischen Markgrafen, übergab den Herren von Werle die wichtige Grenzburg aber erst im Jahre 1329, aber ebenfalls nur als Lehnen der Brandenburger. Da die Herren von Werle ebenso wie die Mecklenburger oft knapp bei Kasse waren, mussten sie die Burg verpfändeten, unter anderem an die Herren von Flotow, die auf der Burg Stuer residierte.

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Später ging erst ein Teil des Eigentums an der Burg an die Mecklenburger, ab dem Jahre 1416 sollte ihnen die Burg ganz gehören. Mit dem Aussterben des Hauses Werle im Jahre 1436 wurden die Mecklenburgischen Herzöge zu den Fürsten zu Wenden, die ebenso wie ihre Vorgänger die Burg verpfändeten. Einer der letzten mecklenburgischen Herzöge die in Wredenhagen residierten war Karl I. zu Mecklenburg-Güstrow. Dessen Wappen schmückt das Torhaus der Schlossinsel Mirow, wo er als Administrator der Johanniterkomturei wirkte, bevor er seinem Bruder Ulrich auf den Thron folgte. Danach zeigten die mecklenburgischen Herzöge aber kein Interesse mehr, die Burg als Residenz zu nutzen. Anfang des 17. Jahrhunderts errichtete man auf dem einstigen Burghof Ställe, Scheunen und andere Wirtschaftsgebäude, die einst wichtige Burganlage verwandelte ich im Laufe der Zeit in einen gewöhnlichen Pachthof. Einer der bekanntesten Pächter dürfte Christian Ludwig von Kaphengst gewesen sein, der zuvor Adjutant von Prinz Heinrich von Preußen war und sich in den Jahren von 1802 bis 1812 für die Geschicke des Gutes Wredenhagen verantwortlich zeigte.

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Dieses hörte auf zu existieren, als nach der Aufgabe des letzten Pächters, das Gut mit zahlreichen kleinen Bauernhöfen aufgesiedelt wurde. In das einstige Gutshaus, ein Fachwerkbau aus dem 18. Jahrhundert, zog im Jahre 1927 eine Schule ein. Auch heutzutage hat sich an der Nutzung des Gebäudes nichts geändert, denn dieses beherbergt die Grundschule des Ortes. Bei der Umgestaltung der Burganlage Anfang der 1990er Jahre riss man die maroden Wirtschaftsgebäude ab und sanierte die Burgmauer. Von der mittelalterlichen Bausubstanz ist das aus dem 13. Jahrhundert stammende Torhaus erhalten geblieben, welches sich äußerlich aber stark verändert hat, zeigen die historischen Abbildungen dieses noch mit einem Staffelgiebel, wird das Torhaus nun von einem Krüppelwalmdach abgeschlossen. Die heutige Dachform soll es nach einem Brand erhalten haben, der Mitte des 18. Jahrhunderts die gotische Dachkonstruktion zerstörte.

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Mit der Nutzung der Burg als Gutshof veränderte sich auch die Aufgabe des Torhauses, dessen einstigen Durchgang man zumauerte. Stattdessen gelangt man seitdem neben dem einstigen Eingang, auf den Burghof, indem man die Mauer durchbrach. Wer sich aufmerksam die Struktur des Mauerwerks anschaut, wird im oberen Bereich das Vorhandensein eines ehemaligen Durchgangs erkennen, mit der die obere Etage des Torhauses mit dem benachbarten mittelalterlichen Wohnhaus einmal verbunden war. Von diesem existieren nur noch die Grundmauern, auf denen später das einstige Amtshaus errichtet wurde, das heutzutage die Heimatstube von Wredenhagen beherbergt. Nördlich des Torhauses befanden sich schon zur Zeit des Mittelalters mehrere an der Mauer errichtete Häuser, diese wurden rekonstruiert und werden von der Gemeinde Wredenhagen genutzt. Anders verhält es sich mit den ehemaligen Wieckhäusern, deren Positionen im Mauerverlauf erkennbar sind. Diese hat man nur etwa auf Höhe des übrigen Mauerwerks saniert und mit etwas Phantasie kann man sich das einstige Aussehen der Befestigungsanlage vorstellen.

Für die Situation vor der Hauptburg braucht man davon schon deutlich mehr, denn über die Jahrhunderte wuchsen die Burg und das sie umgebende Dorf zusammen, die Vorburg verschwand völlig und die schützenden Wassergräben wurden zugeschüttet. Die an dieser Stelle noch recht schmale Elde fließt heutzutage fast einhundert Meter von der Burg entfernt entlang und vermittelt recht wenig den Eindruck, die einstige Wasserburg umflossen zu haben. Für die öffentlichkeitswirksame Darstellung einer stolzen Ritterburg ist dann doch eher das alljährliche Burghoffest verantwortlich, welches traditionell Ende Juli gefeiert wird. Zur einstigen Burganlage gehörte übrigens auch die Kirche des Ortes, die im Mittelalter hinter den schützenden Mauern der Vorburg stand. Diese weist äußerlich zwar eine barocke Gestaltung auf, was einem späteren Umbau geschuldet ist, im Inneren sind aber einige Stücke der alten Inneneinrichtung erhalten geblieben.

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