Burgwall Wrangelsburg

Burgwall Wrangelsburg

Burgwall Wrangelsburg


Wenn man sich auf dem Holzweg befindet, dann meint man für gewöhnlich, dass man sich verlaufen hat. Wenn man aber zu der großen slawischen Burganlage wandern möchte, welche sich nordöstlich in den Wäldern von Wrangelsburg befindet, muss man sich aber notwendigerweise auf den Holzweg begeben, um am eigentlichen Ziel der Wanderung anzukommen. Wenn man den Wanderweg entlang läuft, welcher nördlich von Wrangelsburg vorbei in Richtung Jägerhof führt und in Wolgast endet, kommt man nachdem man den Schlosssee und den Schwarzen See passiert hat, an einem steinernen Wegweiser vorbei, der die Wanderer buchstäblich auf den Holzweg führt. Nach etwa dreihundert Metern Wegstrecke kann man dann auf der rechten Seite den hohen Wall der Vorburg erkennen, der mit zahlreichen Buchen bewachsen ist.

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Um die Dimensionen dieser slawischen Burganlage erkennen zu können, sollte man den Ausflug am besten in den Frühling legen, wenn die Bäume noch keine Blätter tragen, oder in den Herbst, nachdem die Blätter von den Bäumen gefallen sind. In diesem Zustand kann man durch die zahlreichen Buchen hindurch die noch vorhandenen Burgwälle am besten überblicken. Man kann den Burgwall bei Wrangelsburg zwar auch im Sommer besuchen, wenn die Bäume im vollen Grün stehen, die Baumkronen behindern aber etwas die Sicht, denn nicht nur auf den Burgwällen, sondern auch inmitten der Burganlage findet man heutzutage zahlreiche Buchen vor, die teilweise ein Alter von bis zu dreihundert Jahren aufweisen, weshalb der Baumbestand der Burganlage unter besonderen Naturschutz gestellt wurde.

Die slawische Doppelburg ist in der vorzufindenden Form recht selten in Mecklenburg-Vorpommern vorzufinden, wo eigentlich andere Burgentypen dominierten. Die hier befindliche Burganlage wurde in Form einer sogenannten Doppelburg konzipiert, welche recht gewaltige Ausmaße vorzuweisen hat. Die meisten Burgwälle, welche man hier in der Region noch vorfinden kann, fallen im Vergleich zu dieser Burganlage recht klein aus. Die bekanntesten Burgwälle Vorpommern sind die Herthaburg im Nationalpark Jasmund, die Jaromarsburg am Kap Arkona oder der Schlossberg in der Stadt Usedom auf der gleichnamigen Insel Usedom.

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Wenn man vor diesen Burgwällen steht, dann ist man auch heute noch beeindruckt von den Dimensionen der Anlage, die in Handarbeit von der damaligen Bevölkerung aufgeschüttet wurden. Die genannten Burgen haben im Gegensatz zu dieser Burganlage zum Teil zwar deutlich höherer Wälle aufzuweisen, dafür sind die Dimensionen deutlich geringer. Nach Angaben der Wissenschaftler, welche das Gelände untersucht und dabei auch vermessen haben, beträgt die Breite der Burganlage gute hundert Meter, während die Länge sogar zweihundertfünfzig Meter beträgt. Der Burgwall der Fliehburg weist eine Höhe von bis zu fünf Metern auf, während die Wälle der Vorburg etwas flacher ausfallen.

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Um sich besser vorstellen zu können, wie es hier einmal ausgesehen habt, sollte man vorher eines der Freilichtmuseen besucht haben, in denen den Besuchern das Leben der slawischen Bevölkerung vorgestellt wird. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es gleich mehrere davon. Die bekanntesten dieser Museen sind das Archäologisches Freilichtmuseum Groß Raden und das Ukranenland bei Torgelow. Mit diesen Siedlungen vor Augen kann man sich gedanklich vorstellen, wie die wehrhafte Befestigung der Burg einmal ausgesehen hat. Auf den Wällen befanden sich hölzerne Palisaden, welche den Verteidiger Schutz boten und die Angreifer wirkungsvoll aufhalten konnten. Dazu kommen die hohen und relativ steilen Wälle an sich, welche man auch heute nicht leicht besteigen kann. Im Norden der Anlage befindet sich die Hauptburg, welche ein Ringwall vorgelagert ist.

Im Inneren der Burganlage befindet sich ein weiterer Wall, weshalb man insgesamt vier Wälle überwinden hätte müssen, wenn man in die Hauptburg erobern wollte. Bei einem Besuch der Anlage kann man dieses heutzutage noch gut nachvollziehen. Nachdem man das Tor durchschritten hat, welche den Eingang zur Vorburg darstellte, musste man einen weiteren Wall überwinden, bevor man den Ringwall, der die Hauptburg schützte, zu Gesicht bekam. Bleiben also noch zwei Wälle übrig, die den Angreifern zum Sieg fehlten. Neben den Wällen mit den Palisaden nutzten die Slawen auch die natürlichen Begebenheiten, um ihre Burganlagen zusätzlich zu schützen. Hier setzte man auf Gewässer und Moore. Wenn die Burgwälle nicht auf Inseln inmitten eines Sees errichtet wurden, nutzte man beispielsweise vorhandene Moore, welche den Weg zur Burg unmöglich machten. Diese Burganlage umgibt von mehreren Seiten ein sogenanntes Verlandungsmoor, welches man noch heute anhand der vorhandenen Unterschiede bei der Vegetation gut erkennen kann.

Über die Geschichte der Burg an sich gibt es sehr wenig Angaben. Es wurde auf dem Gelände der Anlage zwar Ausgrabungen vorgenommen, bei der man zumindest in der Vorburg Spuren der slawischen Bewohner finden konnte, durch die man die Anlage zeitlich einordnen konnte. Anhand von Funden wie Scherben von slawischen Keramiken oder Stellen, an denen man in früheren Zeiten Feuerstellen betrieben wurden, konnte man eine Besiedlung der Vorburg erkennen. Die Archäologen gehen nach den wenigen vorhandenen Angaben auf der Informationstafel vor dem Wall von einer Entstehung der Slawenburg während der Zeit des 11. und 12. Jahrhundert aus, wobei der Zeitpunkt der Zerstörung der Burganlage unklar bleibt. Die Forscher gehen von einem Zeitraum zum Ende des 12. Jahrhunderts hin aus, wobei diese Aussage plausibel ist, denn wenn man sich etwas in der Geschichte anschaut.

Im Jahre 1168 zerstörten die dänischen Krieger unter der Führung ihres Königs Waldemar I. die Jaromarsburg am Kap Arkona und festigten dadurch ihre Herrschaft über die Insel Rügen. Sein Sohn König Knut VI. von Dänemark wiederum besiegte 1185 Herzog Bogislaw I. von Pommern und wurde Lehnsherr des pommerschen Herzogshauses. Bei diesen Kämpfen könnte auch diese Burganlage zerstört woren sein, wobei alles Aussagen Spekulationen bleiben, denn es gibt keine gesicherten Nachweise über diesen Vorfall. Selbst der Name der Burg ist unbekannt. Die Bezeichnung Wrangelsburg, welche man in manchen Karten finden kann, ist nämlich fehlerhaft, denn der Ort Wrangelsburg erhielt seinen Namen erst nach dem Dreißigjährigen Krieg, als die Ländereien in den Besitz des schwedischen Generals Carl Gustav Wrangel gelangten, der sich hier ein Schloss errichten ließ.

Sollte man mit dem Auto anreisen, muss man diesen in Wrangelsburg abstellen. Hier empfiehlt es sich den Wagen vor der hiesiegen Papiermanufaktur abzustellen und den Weg durch den Schlosspark zu nehmen. Bei einer Radtour sollte man den Weg in Richtung Wrangelsburg über die Waldwege nehmen. Von der Hansestadt Greifswald aus kommend nimmt man den Radweg bis Kemnitz. Von hier aus fährt man dann in Richtung Hanshagen, von wo aus man den Waldweg in Richtung Karbow fährt. Von hier aus führt der Weg dann in Richtung Wrangelsburg, von wo aus der Weg dann leicht zu finden ist. Von Wolgast aus kommen nutzt man die vorhandenen Radwege bis nach Jägerhof, von wo es nicht mehr allzuweit bis zur Burganlage. Man könnte diesen Ausflug in die Frühgeschichte Vorpommerns auch mit einem Besuch vom Steinkreis Netzeband kombinieren, der sich in der Nähe der Stadt Wolgast befindet.