Eldenaer Klostermarkt Greifswald

Eldenaer Klostermarkt in Greifswald

Eldenaer Klostermarkt in Greifswald


Es ist eine Ironie der Geschichte, dass heutzutage die Gemäuer der mittelalterlichen Klöster die attraktivsten Kulissen für Mittelaltermärkte sind. So waren es die Zisterzienser, die ihre Klöster in völliger Abgeschiedenheit errichteten, deren einstigen Wirkungsstätten mit einem Markttreiben belebt werden, welches zu ihrer Zeit wohl nicht möglich gewesen wären. Auch Landsknechte sahen die Mönche und Nonnen am liebsten gar nicht, war es doch auch eine kriegerische Auseinandersetzung, welche das ursprüngliche Kloster in Dargun zerstörte, in dem die Zisterzienser zuvor beheimatet waren, als sie das Angebot von Fürst Jaromar I. von Rügen annahmen, an der Mündung des Flusses Hilda ein neues Kloster zu gründen. Zu den umfangreichen Schenkungen des Fürsten gehörte auch eine profitable Saline, in deren Nähe aus einer kleinen Arbeitersiedlung dereinst eine Stadt mit einem großen Marktplatz erwachsen sollte.

Anzeige

Dieser bietet zwar auch den Platz für den einen oder anderen Markt, für einen stilechten Mittelaltermarkt ist dessen Erscheinungsbild aber viel zu modern. Anders verhält es sich bei der Ruine des Klosters Eldena, welche zwar nur noch erahnen lässt, welch prächtigen Anblick es einst geboten haben muss, aber dennoch so viel Charme ausstrahlen vermag, dass von diesem Charme auch das älteste Jazzfestival Mecklenburg-Vorpommerns zehren kann. Ehrlicherweise muss man sagen, dass die Zeit des Mittelalters im öffentlichen Bewusstsein ziemlich verklärt ist, weshalb das Zeitalter, welches zumeist von Not und Elend geprägt war, auf viele Leute eine gewisse Faszination ausstrahlt. Und so ist es nicht verwunderlich, dass man im Jahre 1992 das erste Burgfest in der Alten Burg Penzlin feierte. Ein Jahr darauf wurden auch die Burg Neustadt-Glewe und die Burg Stargard zum ersten Mal Schauplätze eines Burgfestes.

Älter als diese drei Veranstaltungen sind nur die Stralsunder Wallsteintage, welche schon im Jahre 1991 wiederbelebt wurden und seitdem mit einem historischen Markttreiben aufwarten. Auf die Idee, auch die zahlreichen Klöster im Lande als Kulissen für Mittelaltermärkte zu nutzen, kam man übrigens erst ein paar Jahre später. Vorreiter waren unter anderem die Klöster in Rühn und Zarrentin, ein paar Jahre später folgten Dargun und Bad Doberan. Seit dem Jahre 2014 reiht sich Greifswald die die Reihe der Reiseziele der Mittelalterfreunde ein, als an der Klosterruine der erste Mittelaltermarkt veranstaltet wurde, der in seinem ersten Jahr noch als Klostermarkt in der Klosterruine Eldena beworben wurde. Anlässlich des ersten Klostermarktes wurde die sanierte Klosterscheune erstmalig genutzt, die zumindest einem Teil der Markthändler und Handwerker Schutz vor unwirtlicherem Wetter bietet. Die übrigen Stände verteilen sich im Park vor der Klosterruine.

Viele Anbieter sind historisch gewandet und präsentieren an ihren Ständen hauptsächlich einheimische Produkte, deren breitgefächerte Palette von Kunsthandwerk bis hin zu Lebensmitteln reicht. Um dem ganzen Markttreiben etwas mehr Authentizität zu verleihen, findet man zudem mehrere Handwerker, die sich bei ihrer Arbeit über die Schultern schauen lassen. Und so können die interessierten Besucher hautnah mitbekommen, wie einige der Produkte entstehen, die am dazugehörigen Stand angeboten werden. Für gewöhnlich ist es, wie wohl bei fast allen Mittelaltermärkten, die Zunft der Bäcker, die mit ihren im Holzbackofen gebackenen Broten auf großes Interesse bei den Kunden stößt. Und für das Brot mit dem besonders rauchigen Aroma findet man ein paar Stände weiter die passenden Beläge. Wer nicht nur zuschauen, sondern seine handwerklichen Fähigkeiten austesten möchte, kann dies gleich an mehreren Ständen bewerkstelligen.

Inmitten des Marktgeschehens sind es die Spielleute, die mit mittelalterlicher Musik und Gesang für die entsprechend passende Unterhaltung sorgen. Das Programm des Eldenaer Klostermarktes hat auch für die jüngeren Besucher so einiges zu bieten, denn diese können sich unter anderem bei einem zünftigen Rittertunier beweisen oder im Märchenzelt unterhalten lassen. Bei dieser Veranstaltung sind die Gemäuer der Klosterruine Eldena aber nicht nur ein schmückendes Beiwerk, sondern stehen bei mehreren Führungen auch selbst im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Schließlich handelt es sich bei dieser um keine gewöhnliche Ruine eines Klosters, von denen es in Deutschland einige gibt, denn dank den Gemälden des in Greifswald geborenen Malers Caspar David Friedrich, auf denen er sie für die Nachwelt verewigte, dürfte es sich wohl zweifelsfrei um das bekannteste Exemplar Deutschlands handeln.

Anzeige

Internet

www.greifswald.de

Termin

09. bis 10. Juni 2018
Samstag 10:00 – 18:00 Uhr
Sonntag 11:00 – 18:00 Uhr