Haus Demmin

Haus Demmin

Haus Demmin


Viel erinnert nicht mehr an die Zeit, als Pommern von Demmin aus regiert wurde. Die sichtbaren Überreste der einstigen Burg verschwanden hinter einem Gemäuer, welches von Gesamteindruck nicht mehr viel mit dem in ihm befindlichen Bergfried zu tun hat, der als ältestes weltliches Bauwerk Pommerns eigentlich viel zu erzählen hätte. Die Geschichte der Burg lässt sich bis in die Slawenzeit zurückverfolgen, denn hier am Zusammenfluss von Peene und Tollense sollte eine slawische Burganlage entstehen, die durch den Heinrich den Löwen im Jahre 1164 dem Erdboden gleichgemacht wurde. Zu diesem Zeitpunkt reichte das pommersche Herrschaftsgebiet noch bis an das Ufer der Müritz, denn Wartislaw I., der Stammvater der Greifen-Dynastie, nutzte die für ihn günstige Gelegenheit das Machtvakuum auszufüllen, welches nach dem Feldzug des polnischen Herzogs Boleslaw III. gegen die dort siedelnden Lutizen entstanden war.Sein Sohn Kasimir wiederum erwarb das Land Zirzipanien, so dass Pommern nicht nur bis Güstrow reichte, sondern auch die einstige Grenzburg nun eine zentrale Lage aufweisen konnte.

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Bekanntlich war Pommern zu dieser Zeit seinen Nachbarn militärisch unterlegen, so dass man nicht viel Freude an den Landerwerbungen hatte, denn im Jahre 1236 ging erst Zirzipanien an die Mecklenburger und etwas später folgte das Land Stargard, welches sich die Brandenburger mit dem Vertrag von Kremmen aneigneten. Herzog Wartislaw III., dessen Lieblingsresidenz nun am Rande seines Herrschaftsgebietes lag, musste um seine Herrschaft sichern zu können, die Wirtschaftskraft seines Landes verbessern und begann damit deutsche Siedler nach Pommern zu holen und gründete zahlreiche Städte. Unter diesen war auch die nördlich der Burg gelegenen Handelsplatz Demmin, dem er noch vor dem Jahre 1249 das Stadtrecht verliehen haben soll. Im Jahre 1236 begann die alte Burganlage, in der Otto von Bamberg im Jahre 1128 bei seiner zweiten Missionsreise nächtigte, bevor er zur Burg Usedom zog, auf der die Pommern zu Pfingsten das Christentum annahmen, ihr Gesicht zu verändern, denn Wartislaw III. ließ die recht bescheidene Burg ausbauen.

Bis dahin existierte nur ein steinerner Wehrturm aus dem Jahre 1211, der einst durch die Dänen errichtet wurde. Es entstand ein großes Wohnhaus mit Gewölbekellern, mehrere Torhäuser und verschiedene Wirtschaftsgebäude. Neben einem Kornhaus und einem Brauhaus, waren es Scheunen und Ställe, die ihren Platz in der Vorburg fanden. Prachtstück der Burganlage war der Bergfried, dessen Fassadengestaltung von der Bedeutung der Burg zeugt. Der ursprüngliche Turm hatte nämlich nicht nur einen achteckigen Grundriss vorzuweisen, sondern auch konkave Mauerzüge, wie die Archäologen bei den Ausgrabungsarbeiten vor der doch etwas merkwürdig anmutenden Sicherungsmaßnahme feststellen konnten. Da Wartislaw III. keine Söhne hatte, starb mit ihm die Linie Pommern-Demmin aus und sein Herzogtum fiel an seinen Vetter Barnim I. von Pommern-Stettin, der im Vertrag von Landin auf die Uckermark verzichtete und damit die seit dem Vertrag von Kremmen über dem Herzogshaus schwebende Eventualsukzession Brandenburgs aufheben konnte.

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Barnim I. legte in seinem nun wieder geeinten Herzogtum das Hauptaugenmerk auf die Besiedlung des Landes, welche dank der deutschsprachigen Siedler seinen Charakter veränderte. So erhielt unter anderem Stettin, Anklam und Ueckermünde unter seiner Herrschaft das Stadtrecht, die Burg von Demmin aber verlor ihren Status als Residenz. Mit der erneuten Teilung des Landes unter seinen Söhnen Bogislaw IV. und Otto I. wurde das Schicksal besiegelt, denn Bogislaw IV. wählte Wolgast als Residenz, so dass die Demminer Burg endgültig ihre Bedeutung verlor. Da die Brandenburger zu starke Gegner gewesen wären, orientierte man sich in Richtung Norden, wo der Rügische Erbfolgekrieg zugunsten Pommerns entschieden wurde. Demmin behielt seine Randlage und das Haus Demmin wurde Sitz einer herzoglichen Vogtei. Interessanterweise kam bei der im Jahre 1295 erfolgten Hauptlandesteilung die Stadt Demmin zum Herzogtum Pommern-Wolgast, während die auf der anderen Seite gelegene Burg zum Herzogtum Pommern-Stettin gehörte. Da auch die Grenze zu Mecklenburg nah war, diente die Burg auch als Zollstelle.

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Da die pommerschen Herzöge ständig Geldprobleme hatten, waren sie gezwungen das Haus Demmin zu verpfänden. So gelangten im Jahre 1495 die Burg und die dazugehörigen Ländereien in den Besitz von Peter Podewils, der eine Karriere als herzoglicher Rat vorzuweisen hatte und später zum Hofmarschall ernannt wurde. Mit der Belehnung im Jahre 1512 wurde er nun auch offiziell Eigentümer. Später erwarb er im Umland von Demmin weitere Güter, so dass die Podewills zu einem gewissen Ansehen gelangten. Der Dreißigjährige Krieg sollte das Ende der Burg einläuten, denn durch die Kampfhandlungen zwischen den kaiserlichen und schwedische Truppen brannte sie im Jahre 1631 völlig nieder, nur der durch einen Graben von der übrigen Burg getrennte Bergfried sollte stehenbleiben. Ein Besuch von Karl X. Gustav von Schweden sollte ihn aber aus der Geschichte Löschen, denn ein gewisser Erik Jönsson präsentierte dem späteren König sein Talent als Ingenieur, indem er den Turm fachgerecht sprengte.

Unter dem Namen Erik Dahlberg sollte er als schwedischer Festungsbaumeister in die Geschichte eingehen und das Haus Demmin sich in die lange Liste der Ruinen einreihen, denn seine Lehre bei Conrad Mardefelt war wohl äußerst erfolgreich. Übrig blieb ein kläglicher Rest, der die Jahrhunderte überdauerte, denn da sich die Podewils in Sanzkow niederließen, war die Burganlage endgültig verlassen. Das änderte sich erst als sie hier ein Herrenhaus errichteten in dessen Park die Ruine als Blickfang fungierte. Nach einem späteren Besitzerwechsel im Jahre 1881, durch den die Familie von Rohr Herren in Haus Demmin wurden, und einer Enteignung im Jahre 1945 überließ man die Burgruine ihrem Schicksal. In einem völlig zugewachsen und baufälligen Zustand befand sie sich, als man sich dazu entschloss, die übriggebliebenen Gebäudereste ausführlich zu erforschen und sie dann hinter einer Mauer vor Wind und Wetter zu schützen. Man benötigt nun sehr viel Phantasie oder Röntgenaugen, um bei dem sich nun bietenden Anblick aus Ziegelsteinen das älteste profane Bauwerk Pommerns zu erkennen.