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Kerkhofhaus Rostock

Reich war er und mächtig, seit 1465 Ratsherr und in den Jahren von 1474 bis 1499 sogar Bürgermeister der Stadt Rostock. Heutzutage zeugt von seinem Geschlecht nur noch der Name eines prächtigen Giebelhauses, welches sich Berthold Kerkhof in der Wasserstraße errichten ließ. Hier in der unmittelbaren Nähe zum Rostocker Rathaus wohnten die wohlhabendsten Patrizierfamilien der Stadt, entsprechend aufwendig sollten sich die die Fassaden ihrer Häuser gestalten, durch welche sie ihren Reichtum öffentlich zur Schau stellen konnten. Durch die Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg ging ein großer Teil der historischen Bausubstanz verloren, wobei das in späteren Jahren von seinen Nachkommen umgestaltete Giebelhaus zwar beschädigt wurde, letztendlich aber erhalten geblieben ist. Interessanterweise gehörte eben jener Kerkhof nicht unbedingt zu den beliebtesten Bürgermeistern seiner Stadt, stellte er sich doch während der Rostocker Domfehde auf die Seite der Landesherren und musste mit seiner Familie vor der wütenden Meute fliehen, die ihn am liebsten an den Galgen gebracht hätte.

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Nach seinem Studium an der Rostocker Universität, welches er im Jahre 1454 beendete, machte er eine beachtliche Karriere in der Stadt. Die Familie Kerkhof war mit vielen einflussreichen Rostocker Familien verwandt und verschwägert, was für seinen politischen Aufstieg nicht gerade hinderlich war. Im Jahre 1470 gönnte er sich und seiner Familie ein komfortables Wohnhaus in der Wasserstraße, welches aber noch nicht über den aufwendigen Schmuck aus Terrakotta verfügte. Dieser fand erst in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts seinen Platz an der Fassade, als das Gebäude im Stil der Renaissance umgestaltet wurde. Im 18. Jahrhunderts begann man damit die mittelalterlichen Häuser zu modernisieren, wobei auch das Kerkhofhaus davon nicht verschon blieb. Im Gegensatz zu anderen Bürgerhäusern blieb der siebenachsige Stufengiebel erhalten und wurde nicht wie bei vielen anderen Häusern dem Barockstil angepasst, sprich neu verputzt und als schwungvoller Volutengiebel ausgeführt. Verputzt wurden aber die beiden unteren Geschosse des Hauses, das Eingangsportal wurde mit einem durch Säulen getragenen Architrav mit einem dreieckigen Giebelaufsatz umgestaltet.

Bei diesem Umbau blieb zumindest der aufwendig gestaltete Giebel übrig, was sich positiv für ihn auswirken sollte, als die Hansestadt Rostock die Grundstücke zwischen Scharren- und Großer Wasserstraße erwarb, um dort mehrere Verwaltungsgebäude zu errichten. Der Giebel und ein Teil der zur Großen Wasserstraße Fassade sollten vom Abriss verschon werden und im neuen Gebäudekomplex aufgehen. Der damalige Stadtbaudirektor Gustav Dehn ging sogar einen Schritt weiter und ließ den barocken Putz von der Fassade entfernen und die Fassade mit Nachbildungen vorhandener Fayencen rekonstruieren. Auch die Fenster der oberen Etage sollten wieder eine zur Formensprache der Renaissance passendes Aussehen erhalten, so dass sich das Kerkhofhaus, beziehungsweise was von ihm noch übrig geblieben ist, seit 1907 wieder von seiner besten Seite zeigen kann. Den interessieren Besuchern bietet sich ein Blick auf eines der wenigen spätgotischen Giebelhäuser der Stadt, dass über einen aufwendig gestalteten Stufengiebel verfügt, an dem man viele Details entdecken kann. Heutzutage befinden sich hinter den historischen Mauern das Stadtarchiv und das Standesamt, welches ein schönes Motiv für die Hochzeitsbilder abgibt.