Kirche Koserow

Kirche Koserow

Kirche Koserow


Viel Leid und Elend brachten die kaiserlichen Truppen den Bewohnern der Insel Usedom, als sie diese während der Zeit des Dreißigjährigen Krieges brandschatzend plünderten. Das Gold des Meeres sollte die Not verringern, welche Maria, die junge Tochter des Koserower Pastors Abraham Schweidler, heimlich am Streckelsberg sammelt und verkauft. Seinerzeit existierte noch das sogenannte Bernsteinregal, welches den jeweiligen Landesherren das Monopol auf die Sammlung von Bernstein zusprach. Im Amtshauptmann Appelmann sollte Maria Schweidler einen Verehrer finden, an dem sie aber kein Interesse zeigte. Gekränkt von ihrer Ablehnung bezichtigt er sie der Hexerei, denn ihr plötzlicher Reichtum ist für ihn und die übrigen Dorfbewohner nicht erklärbar. Aus Maria Schweidler wird so die Bernsteinhexe, deren Geschichte der Koserower Pastor Johann Wilhelm Meinhold in den von ihn entdeckten Schriften seines Amtsvorgängers Abraham Schweidlers entdeckt haben will und zu einem Roman verarbeitete. Bekanntlich beruhte diese Geschichte nur auf der Phantasie des Autors, der dieses später auch zugab. Der Beliebtheit des Romans schadete es nicht, die als historisch angesehene Hexenverfolgung verwies man aber in das Reich der Legenden.

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Keine Legende ist aber die Kirche, in welcher Pastor Johann Wilhelm Meinhold die Grundlage für sein Roman angeblich gefunden haben wollte. Im Südwesten des heutigen Ostseebades, relativ nah an der Küste des Achterwassers, steht das alte Kirchengebäude, deren Mauern viel zu erzählen haben. Um das wahre Alter des Bauwerks erkennen zu können, welches als eines der ältesten Kirchenbauten der Insel gilt, muss man sich auf die Nordseite des Gebäudes begeben, auf der sich noch große Teile des aus Feldsteinen errichteten Mauerwerks erhalten haben, welches aus dem 13. Jahrhundert stammt. Die heutige Kirche war ursprünglich nur eine kleine Kapelle ohne Chor und Turm, diese fügte man in späteren Jahren hinzu, was man an dem unterschiedlich ausgeführten Mauerwerk ablesen kann. Auf der Nordseite der Kirche befinden sich zudem zwei zugemauerte Portale, durch welche sie einst betreten werden konnte. Die frühgotischen Fenster, die deutlich kleiner ausfallen als diejenigen auf der Südseite, stammen aus den frühen Jahren der Kirche.

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Dass die Koserower Kirche mit den Jahrhunderten ihr Aussehen verändert hat, kann man an der Ostseite des Kirchturmes erkennen, an dem sich ein Mauervorsprung erhalten hat, der auf ein etwas höheres Dach hinweist, welches das Gebäude in früheren Zeiten besessen haben muss. Am Turm selbst kann man mehrere Bauabschnitte ablesen. So führte man den unteren Teil des Kirchturms noch mit Feldsteinen aus, während der obere Teil mit Backsteinen gemauert wurde. Sein heutiges Aussehen erhielt der Kirchturm Ende des 19. Jahrhunderts als die Kirche bei einer umfassenden Sanierung umgestaltet wurde. Aus dieser Zeit stammt nicht nur die gewölbte Decke, welche die bis dahin vorhandene Holzbalkendecke ersetzte, sondern auch die an den Seiten befindlichen Emporen. Offensichtlich genügte der damalige Bau nicht mehr den Ansprüchen der im Ort weilenden Badegäste, welche seit der Mitte des 19. Jahrhunderts Koserow besuchten, weshalb diese entsprechend angepasst werden musste.

Aus dem Jahre 1897 stammt auch die in Stettin gefertigte Grüneberg-Orgel, welche sich mit ihrem schlichten Erscheinungsbild dem übrigen Innenraum anpasst. Das älteste Stück der Inneneinrichtung dürfte das Kruzifix sein, welches ursprünglich aber nicht für die Koserower Kirche bestimmt war. Dieses sollen es Fischer einst im Meer gefunden haben, weshalb es im Volksmund Vinetakreuz heißt. Aus Vineta stammt es nicht, eher aus einer schwedischen Werkstatt. Von der ursprünglichen Einrichtung ist der um das Jahr 1500 in Stralsund entstandene Flügelaltar Großteils erhalten geblieben. Im geschnitzten Mittelteil des Altars findet man eine Abbildung von Maria und Johannes, die unter dem Kreuz Jesu stehen, auf dem rechten Seitenflügel eine Anna selbdritt, welches den während des Mittelalters auch in Pommern stark verbreiteten Ahnenkult bildlich belegt. Das maritime Erbe der Kirche repräsentiert das Anfang des 19. Jahrhunderts von einem aus Seenot geretteten Fischer aus Ückeritz gestiftete Votivschiff, welches man im Inneren der Kirche bewundern kann.





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