Kirchenruine Domherrenhagen

Kirchenruine Domherrenhagen

Kirchenruine Domherrenhagen


Manchmal lohnt es sich, einen kleinen Abstecher zu machen, denn etwas abseits des Weges könnte sich ein wahres Kleinod verstecken. Auch am Wegesrand von Rambow zum Schloss Ulrichshusen versteckt sich in einem kleinen Wäldchen der einzige bauliche Hinweis eines untergegangenen Ortes, der einen Blick in die Anfänge der deutschen Ostbesiedlung zulässt, denn im Gegensatz zu anderen Ruinen wurde die Kirche keiner baulichen Veränderung unterworfen. Was die Besucher der Ruine zu sehen bekommen, ist ein aus Feldsteinen errichteter romanischer Kirchenbau, der nur an den Laibungen der Fenster und Türen Mauerwerk aus Backsteinen vorweisen kann. Schon der Name des einstigen Ortes verrät etwas über seine einstigen Besitzer, denn durch die durch Waldrodungen begründeten Orte zeugen namentlich dank ihrer Endung von ihrer Gründung.

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Der Anfang des Namens wiederum lässt einen Hinweis auf den Lokator zu, der sich mit der Benennung des Ortes auf gewisse Art und weise für die nachfolgenden Generationen unsterblich gemacht hat. Im Fall von Domherrenhagen zeugt der Name von einer Gründung von kirchlicher Seite, und hier lässt sich das verschwundene Dorf als Eigentum des Güstrower Domstiftes lokalisieren, den Herzog Heinrich Borwin II. im Jahre 1224 begründete. Das in seiner Residenzstadt Güstrow angesiedelte Kollegiatstift stattete er mit reichlich Grundbesitz aus. Zu diesem gehörte neben Domherrenhagen das südwestlich davon gelegene Dorf Marxhagen. Insgesamt waren es vierundzwanzig Waldhufen, mit denen er die Kirche im Jahre 1240 versah. Heutzutage wären das in etwa vierhundertachtzig Hektar Land. Der Domstift erwarb zusätzlich weitere zwanzig Hufen Land und begann in Domherrenhagen eine kleine Kirche zu errichten.

Mit der Anweisung an die Rambower vom 10. Juni des Jahres 1271 statt der bisher zuständigen Kirche in Schwinkendorf die neue Kirche von Domherrenhagen zu besuchen, lässt sich das wahrscheinliche Jahr der Fertigstellung der Kirche verorten, die wahrscheinlich mit einer wichtigen Reliquie ausgestattet wurde, denn in einem Rostocker Testament aus dem Jahre 1276 wurde eine Wallfahrt zur Domherrenhagener Kirche verlangt. Seitdem lag der Nebel der Geschichte auf diesem Ort, denn erst in einem Reisebericht aus dem Jahre 1458 wurde diese wieder erwähnt. Weshalb die Dörfer Domherrenhagen und Marxhagen wüst lagen, geht aus dieser Erzählung nicht hervor, so bleibt viel viel Platz für Spekulationen. Für gewöhnlich entstanden Wüstungen durch negative Ereignisse wie beispielsweise der Pest oder dem Treiben der sogenannten Raubritter, die plündernd durch fremde Ländereien zogen.

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Belegt ist nur die Tatsache, dass der Domstift später den Großteil der Ländereien von Domherrenhagen an Ulrich Moltzan verkaufte, der diese mit anderen von ihm erworbenen Ländereien verband und sein Rittergut Ulrichshusen begründete, auf dem er im Jahre 1562 den Grundstein für das heutige Wasserschloss legte, welches den Besuchern der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern eigentlich ein Begriff sein sollte. Während die einstigen Dörfer wüst lagen, sollte die Kirche von Domherrenhagen noch bis in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges genutzt werden. Erst in den Wirren des Krieges verlor sie durch einen Brand ihr Dach und verfiel mit den Jahren zur Ruine. Wie bei früheren Dorfkirchen üblich verfügte die Kirche von Domherrenhagen über keinen Glockenturm. Neben dem Hauptportal, welches sich auf der westlichen Seite befand, verfügte der Kirchenbau über Seitenportale auf der nördlichen und südlichen Seite.

Über das südliche Portal, welches eine Vorhalle besaß, betritt man noch heutzutage bei einem Besuch die Kirchenruine. Auf der östlichen Nordseite der Kirche erkennt man noch gut die Sakristei, auch die Größe des einstigen Chores kann man an den Mauerresten gut erkennen. Seit dem Jahre 1648 wird die Kirche von Domherrenhagen als Wüste Kirche bezeichnet und dem weiteren Verfall preisgegeben. Im Jahre 1839 wurde auf Veranlassung des damaligen Pastors die alte Kirchhofmauer abgetragen, die heutige Mauer stammt aus dem Jahre 1993. Mit Mitteln des Dorferneuerungsprogrammes konnte später auch die übrige Ruine baulich gesichert werden. Am Ostersonntag des Jahres 2004 feierte die Kirchengemeinde zum ersten Mal ihren Gottesdienst in der Wüsten Kirche und füllt diese seitdem wieder mit kulturellem Leben, denn neben den Gottesdiensten unter freiem Himmel bietet die romantische Kirchenruine eine schöne Kulisse für Konzerte.