Lyonel-Feininger-Tour auf Usedom

die Dorfkirche in Mellenthin

die Dorfkirche in Mellenthin


Wohl kein Künstler hat die schönsten Ecken der Insel Usedom so oft auf seinen Bildern verewigt, von Otto Niemeyer-Holstein einmal abgesehen, wie der in amerikanische Maler Lyonel Feininger. Dank seiner familiären Bindungen siedelte er in jungen Jahren nach Deutschland über, wo er unter anderem in Berlin an der Königlichen Akademie studierte. Bevor er seine Kariere als Maler einschlug, arbeitete er übrigens als Karikaturist für verschiedene Zeitungen. Eine kleine Auswahl seiner Comics findet man in der Galerie im Kloster in Ribnitz-Damgarten, wo sie im Feininger-Kabinett neben von ihm festgehaltenen Motiven aus der Stadt präsentiert werden. Hier verbrachte er schon im Jahre 1905 einen längeren Aufenthalt. Nur ein paar Jahre später begann er die Insel Usedom für sich zu entdecken, auf welcher er einige Jahre lang mit seiner Familie seinen Sommerurlaub verbrachte, bevor er etwa ab der Mitte der 20ér Jahre auch die östliche Küste Pommerns bereiste. Quartier fand er in den Orten Benz, Heringsdorf und Neppermin, von wo aus er die Insel Usedom mit dem Fahrrad bereiste. Bei diesen Radtouren entstanden zahlreiche Skizzen, deren Motive er auch noch in seinen späteren Werken verarbeiteten sollte. Nach eigenen Aussagen inspirierten ihn die Motive, die er hier vorfinden konnte, so sehr, dass er wehmütig auf die Zeit zurückblickte, in welcher er diese festhielt.

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Wenn man heutzutage in den Museen die Werke Feiningers betrachtet, der zu den wichtigsten Vertretern der Klassischen Moderne zählt, wird man häufig Motive entdecken können, welche ihren Ursprung an der Ostseeküste haben. Einige seiner Werke befinden sich übrigens auch im Besitz des Pommerschen Landesmuseum in der Hansestadt Greifswald, welches eine Alternative für einen Regentag darstellt. Bei schönem Wetter sollte man sich aber auf die Pfade begeben, welche Lyonel Feiniger mit seinem Fahrrad befahren hat. Dank einer Initiative der Gemeinde Benz, in welcher sich zahlreiche von ihm festgehaltenen Sehenswürdigkeiten zu finden sind, unter anderem zählte die Petrikirche in Benz zu seinen Lieblingsmotiven auf der Insel, entstand im Jahre 2009 mit der Feininger-Tour eine interessante Route durch den Teil der Insel Usedom, den Feininger für sich entdeckte. Die Realisierung dieses Projektes war seinerzeit sehr aufwendig, denn zahlreiche Skizzen mussten ausgewertet werden, um den ursprünglichen Standort des Künstlers zu ermitteln. Herausgekommen ist eine Radtour, welche die Reisenden auf einer gut sechsundfünfzig Kilometer langen Strecke zu mehr als vierzig Orten führt, welche man nach offiziellen Angaben auf über achtzig Bilder entdecken kann.

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Selbst wenn man kein Freund der modernen Kunst sein sollte führt einen die Feininger-Tour zu den schönsten Plätzen auf dieser Insel. Wenn man dieser Route folgt, dann wird man an der Strecke zahlreiche Sehenswürdigkeiten vorfinden, welche man bei seinem Urlaub auf der Insel Usedom gesehen haben sollte. Angefangen mit der Petrikirche von Benz, an welcher seinerzeit der Radweg offiziell eröffnet wurde. Die Motive die man auf der Radtour entdecken kann, sind so vielfältig wie die Insel selbst. Seien es die alten Kirchen und Bauernhäuser oder die beschaulichen Häfen im Hinterland, die Insel Usedom hat mehr zu bieten als die endlos langen Strände der Ostsee. Lyonel Feiniger hat zwar auch die Bäderarchitektur der Kaiserbäder festgehalten, viele seiner Motive befinden sich aber im Süden der Insel und warten nur noch darauf entdeckt zu werden. Sollte man die gesamte Strecke entlang radeln wollen, so wird man auch polnischen Teil der Insel Usedom fahren, denn auch in der Stadt Swinemünde fand Lyonel Feiniger einige schöne und prägnante Bauwerke vor.

An welcher Stelle der Route man beginnt, ist eigentlich egal, denn der Ort, in welchem man eine Unterkunft bekommen hat dürfte es für die meisten Touristen sein. Machen wir es also wie Lyonel Feininger und beginnen im Ostseebad Heringsdorf. Hier verbrachte er im Jahre 1908 in der Pension Zander seinen ersten Aufenthalt auf der Insel Usedom. Diese Pension befand sich gleich neben der Villa Oppenheim, welche neben dem Bahnhof eines seiner Lieblingsmotive im Ort werden sollte. Weitere Motive waren neben dem Strand und der Promenade mit ihren Villen im Stil der Bäderarchitektur auch die Seebrücke von Heringsdorf. Im Gegensatz zu den anderen Motiven, kann man dieses Bauwerk nicht mehr so sehen, wie sie Lyonel Feininger festgehalten hatte, denn aufgrund von Baufälligkeit wurde sie in den 50ér Jahren abgerissen. Die heutige Seebrücke stammt aus dem Jahre 1995 und hat optisch mit dem Vorgängerbau nicht mehr viel gemeinsam. Wenn man nun weiter in Richtung Westen fährt kommt man direkt ins Ostseebad Bansin. Hier malte er vom Ufer des Gotensees die Windmühle des Ortes. Wer heute aber die Bansiner Bergmühle suchen sollte, wird sie nicht vorfinden, denn nach einem Brand im Jahre 2009 ist auch dieses Motiv der Route verschwunden.

Fahren wir nun weiter in nach Sallenthin. In diesem kleinen Dorf faszinierten ihn die reetgedeckten Häuser entlang der alten Dorfstraße. Ein paar Kilometer weiter westlich befinden sich in Benz einige seiner Lieblingsmotive. Neben der Petrikirche und der Mauer des Kirchhofes, fanden auch die alten Scheunen im historischen Dorfkern ihren Platz in seinen Werken. Vergessen sollte man aber auch nicht die Benzer Windmühle, die sich im Süden des Ortes befindet. Hat man erst einmal den hohen Mühlenberg bestiegen, hat man von hier oben eine gute Aussicht, welche über Benz hinaus über den Schmollensee reicht. Die alte Holländerwindmühle kann man übrigens auch besichtigen. Neben einem Einblick in die Funktionsweise einer Mühle, findet man auch eine kleine Ausstellung mit Reproduktionen von Werken Feiningers in dieser.

die Windmühle in Benz

die Windmühle in Benz

Der Weg führt weiter in Richtung Neppermin. Beim ersten Motiv kann man schon den Spruch bringen, dass der Weg das Ziel ist, denn auch die Straße von Neppermin nach Benz hatte es im angetan. Die meisten Motive des Ortes sind heute nicht mehr vorhanden. Die Mühlen und Scheunen, welche er einst in seinen Skizzen festhielt, wurden schon vor Jahren wegen Baufälligkeit abgerissen. Aber auch das Leben der Bauern ist heutzutage auch nicht mehr so, wie er es damals erlebte. Einzig der kleine Hafen am Balmer See, den er auf seinem Bild als Hafen von Peppermint betitelte als er dieses Paul Klee schenkte, hat sich nicht so stark verändert. Der nächste Haltepunkt der Radtour ist das Dörfchen Balm, wo er den dortigen Dorfplatz skizzierte, als dort einst ein kleiner Wanderzirkus gastierte.

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Der Weg nach Mellenthin führt an einem Wald vorbei und könnte in den Sommermonaten etwas sandig sein. Wer etwas aufmerksamer ist, kann etwa einen Kilometer vor Mellenthin im Wald einen slawischen Burgwall ausmachen, welcher aber nicht zu dieser Route gehört. In Mellenthin boten für Feininger die Dorfkirche und das Wasserschloss Mellenthin interessante Motive. Das alte Renaissancegebäude beherbergt heutzutage neben einem Restaurant auch ein Hotel. Von Mellenthin aus geht es über Benz und Sallenthin wieder zurück in Richtung Norden. In Bansin Dorf angekommen nimmt man den Weg in Richtung Neuhof, wo die über den Sackkanal führende Eisenbahnbrücke ein Motiv war, welches er sehr oft in seinen Bildern verarbeiten sollte. Im nahe gelegenen Dorf Gothen sollten das dortige Gutshaus mit den umliegenden Bauernhäusern das Interesse Feiningers wecken, wobei ein nach Angaben der Initiatoren heutzutage nicht mehr existierendes Speichergebäude es ihm ganz besonders angetan haben soll. Denn dieses soll die Vorlage für sein Bild Gothen geliefert haben.

die Jacobuskirche in Zirchow

die Jacobuskirche in Zirchow

Nun geht es weiter in Richtung Süden in Richtung Zirchow. Bevor man dort ankommt, muss man aber das Dorf Korswandt mit seiner alten Dorfstraße passieren, wie könnte es anders sein, sollte diese auch eine schöne Vorlage für Feiningers Skizzenblock bilden. Die reetgedeckten Häuser von Zirchow malte er zwar auch, doch sollte die alte Jacobuskirche im Zentrum des Dorfes für ihn eine wichtigere Vorlage sein, welche er des Öfteren in seinen Gemälden verarbeitete. Die ältesten Kirche der Insel Usedom, welche im frühen Mittelalter als Wehrkirche diente, besitzt einen prägnanten achteckigen barocken Turmhelm, dessen Formgebung ihn wohl am meisten inspirierte. Die Feininger-Tour führt über Kutzow und Garz nach Kamminke. Hier sollte man den steilen Straße entlang zum Hafen gehen, von dem man aus einen schönen Blick auf das Achterwasser hat. Von Kaminke aus ist der Weg wieder etwas sandiger, auf der Höhe des Golm besteht die Strecke aus Waldwegen.

Wenn man die B 110 erreicht hat befindet man sich kurz vor dem Grenzübergang nach Polen. Inzwischen weist nur noch ein Schild auf die bestehende Landesgrenze hin, allein der stellenweise noch vorhandene Streifen unbebauter Natur lässt auf die einstigen Grenzanlagen schließen. Wenn man von der einstigen Stadtmühle absieht, existieren die meisten Motive von Swinemünde noch, welche Lyonell Feininger der Nachwelt hinterlassen hat. Unter anderem malte er das ehemalige Rathaus der Stadt, in dem sich heute ein Fischerei- und Seefahrtsmuseum beherbergt, und die markante Mühlenbake auf der Westmole. Sollte man den Leuchtturm besuchen wollen, der auf der Insel Wollin befindet, müsste man einen recht großen Umweg auf sich nehmen, denn südlich von ihm befinden sich die Hafenanlagen, welche weitläufig umfahren werden müssen. Man sollte sich lieber einen Tag für Swinemünde Zeit nehmen und an diesem auch die Festungsanlagen auf beiden Seiten der Swine erkunden.

die Mühlenbake in Swinemuende

die Mühlenbake in Swinemuende

An der Westmole mit der Mühlenbake beginnt die mit etwa zwölf Kilometern längste Strandpromenade von Europa, welche bis ins Ostssebad Bansin führt. Auf dieser passiert man auch den sogenannten Grenzplatz, auf dem eine Skulptur künstlerisch an die einst trennende Grenze erinnert. Der weitere Weg ins Ostseebad Ahlbeck führt auf einem kombinierten Rad- und Wanderweg durch ein Waldstück. Mit den historischen Villen der Bäderarchitektur, der alten Seebrücke und der neogotischen Kirche strahlt das Ostseebad Ahlbeck auch heutzutage noch viel von dem Charme aus, dem Feininger einst erlegen war, als er dieses bei seinen Aufenthalten auf der Insel Usedom besuchte. Von der Ahlbecker Seebrücke ist es nicht mehr allzu weit zum Ausgangspunkt im Ostseebad Heringsdorf. Hat man diesen erreicht, hat man dank Feiningers Aufenthalten die wohl idyllischesten Plätze dieses Teils der Insel kennengelernt.