Marienkirche Usedom

Marienkirche Usedom

Marienkirche Usedom


Schon von weitem kann man die Usedomer Marienkirche erblicken, die aber jünger ist, als der geschichtlich bedeutende Standort vermuten lassen würde, befindet sich doch fast in Sichtweite der sogenannte Schlossberg auf dem die pommerschen Herzöge im Beisein des Bischofs Otto von Bamberg am 10. Juni des Jahres 1128 das Christentum annahmen und schworen ihren neugewonnenen christlichen Glauben zu verteidigen und in ihrem Herrschaftsgebiet zu verbreiten. Während Herzog Wartislaw I. durch einen Heiden erschlagen wurde, fand sein Bruder Ratibor I. einen natürlichen Tod und seine letzte Ruhestätte in der Stadt Usedom, der Stadt von welcher aus das Herzogtum Pommern christianisiert werden sollte. Noch heute zeugt von seiner Existenz eine Grabplatte, die man bei einem Besuch der Marienkirche bewundern kann. Diese fand aber erst in späteren Jahren ihren Platz in der Kirche, die eigentlich nur die jüngste der ursprünglich drei Kirchen von Usedom war, eine Tatsache, welche man sich aufgrund der doch recht übersichtlichen Größe der Stadt heutzutage doch recht schwer vorstellen kann.

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Herzog Ratibor I. gründete nicht nur an der Stelle, an der sein Bruder Wartislaw I. erschlagen wurde, das an der Peene gelegene Kloster Stolpe, sondern zusammen mit seiner Gemahlin Pribislawa, einer polnischen Prinzessin, auch das beim der Siedlung Usedom gelegene Kloster Stolpe, in dessen Kirche er beerdigt werden sollte. Etwa ein dreiviertel Jahrhundert nach Gründung des Klosters war die Burg in der die Pommernherzöge das Christentum annahmen, eine wenn nicht sogar ihre wichtigste Residenz, bevor die Städte Stettin und Wolgast diese Rolle übernahmen. Wie er fand auch seine Frau Pribislawa und sein Neffe Bogislaw I. ihre letzte Ruhestätte in der Kirche, in welche zu dieser Zeit noch der der Sitz des pommerschen Bischofs war, der in Person von Siegfried I. im Jahre 1186 den Sitz in das weiter östlich gelegene Cammin verlegte. Da das Kloster Grobe später nach Pudagla verlegt wurde, stellt die in der Usedomer Marienkirche befindliche Grabplatte nicht nur ein frühes Zeugnis der pommerschen Christianisierung dar, sondern auch das letzte Überbleibsel der einstigen Klosterkirche.

Das erste Zeugnis der Existenz eines Vorgängerbaus des heutigen Kirchengebäudes stammt aus dem Jahre 1337. Die ursprüngliche Marienkirche fiel aber wie viele andere Gebäude dem verheerenden Stadtbrand des Jahres 1475 zum Opfer, so dass durch diese Zerstörungen das ein paar Jahre zuvor errichtete Anklamer Tor das älteste Gebäude der Stadt Usedom werden sollte. Kurz nach dem Brand begann man an derselben Stelle eine neue Kirche zu errichten, von deren Bausubstanz noch einiges erhalten geblieben ist, wie beispielsweise die nördliche Mauer des Langhauses oder der untere Teil des Kirchturms. Offensichtlich gab es in jedem Jahrhundert mehr oder weniger schwerwiegenden Pfusch am Bau, wobei sich die Qualität der Arbeit an der Usedomer Kirche als schlecht herausstellen sollte, schließlich stürzte im Jahre 1699 ein Teil des Gewölbes ein, so dass eine durchaus aufwendige Sanierung notwendig wurde. So begann man am Anfang des 18. Jahrhunderts mit der Errichtung einer schlichten Holzbalkendecke, die durch Pfeiler aus Eichenholz getragen wurde, welche die gemauerten Pfeiler ersetzten, die sich als unbrauchbar herausstellten.

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Nach Entwürfen von Ludwig Böttger, einem Mitglied der preußischen Dombau-Kommission, begann man Ende des 19. Jahrhunderts mit einem umfassenden Sanierung der damaligen Kirche, bei der sie ihr heutiges Aussehen erhalten sollte. Wobei man in diesem Fall eigentlich nicht mehr von einer Sanierung sondern eher von einem Neubau sprechen müsste, schließlich sollten die Baumaßnahmen recht drastisch ausfallen. Neben einer Verkleinerung des Altarraumes veränderte man das Aussehen des Kirchturmes dem Zeitgeschmack entsprechend. Besaß dieser bis dahin einen barocken oktogonalen Pyramidenhelm, verfügte dieser nun über eine neugotische Formensprache. Da die vorhandene Nordmauer der Kirche mit Ziegeln verblendet wurde, kann diese ihr wahres Alter nicht mehr preisgeben, einzig die Form der Kirchenfenster lässt noch einige Rückschlüsse auf das Alter des Mauerwerks zu. Das sechsjochige und dreischiffige Langhaus weist eine flache Holzbalkendecke auf, einzig im Chor findet sich noch ein Kreuzrippengewölbe vor.

Die vorhandene Inneneinrichtung wie beispielsweise das Gestühl stammt aus der Zeit des letzten Umbaus. Der mittelalterliche Marienaltar fand seinen Platz im Stettiner Landesmuseum, so dass man nicht wirklich viele historische Details entdecken kann. So bleibt die erhalten gebliebene Grabplatte von Herzog Ratibor I. und seiner Frau Pribislawa das wohl interessanteste Stück in der Kirche. Aus dem Jahre 1639 soll die vom Greifswald Glockengießer Peter Barner gefertigte Glocke stammen, dessen Glocken noch heute an jeden Sonntag in zahlreichen vorpommerschen Dorfkirchen geläutet werden. Da die einstige Paulikirche im Jahre 1816 abgetragen wurde, die man aufgrund ihrer Formgebung eher als Paulikapelle bezeichnen sollte, zeugt heutzutage nur noch die Marienkirche vom einstigen Glaubensübertritt der pommerschen Herzöge, wenn man einmal vom Schlossberg absieht, auf welchem ein markantes Kreuz an die mehr oder weniger gewaltvolle Christianisierung Pommerns erinnert.