Maritim Museum Peenemünde

U-Boot Juliett U-461

U-Boot Juliett U-461


Der Anziehungspunkt im Hafen von Peenemünde ist zweifelsfrei das U-Boot Juliett U-461, welches man im Maritim Museum Peenemünde besichtigen kann. Man liest zwar öfters, dass die Juliett das größte U-Boot-Museum der Welt sein soll, was aber nicht korrekt ist, denn diese Aussage stimmt nur dann, wenn man die verschiedenen Antriebsarten unterscheidet. Das größte der musealen U-Boote ist nämlich die atomgetriebene K-3 Leninski Komsomol, welche man im Marinemuseum in St. Petersburg besichtigen kann. Mit einer Länge von 107,4 Metern und einer Wasserverdrängung von viertausendsiebenhundertfünfzig Tonnen ist dieses Schiff nämlich nicht nur gut sieben Meter länger als das Museumsschiff in Peenemünde, sondern verdrängt auch über sechshundert Tonnen mehr Wasser.

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Im Vergleich zu den anderen konventionell betriebenen U-Booten, hat die Juliett aber deutlich die Nase vorn, denn sie ist mit ihren 85,9 Metern Länge zwar etwas kürzer als die U-434 im Marinemuseum Hamburg oder die HMS Otus im Stadthafen von Sassnitz, sie besitzt mit viertausendeinhundertsiebenundzwanzig Tonnen aber eine deutlich größere Wasserverdrängung beim Tauchen. Dieser Aspekt macht sie zum größten konventionell betriebenen U-Boot-Museum der Welt, denn die U-434 hat im Vergleich nur dreitausendsechshundert und die HMS Otus nur zweitausendvierhundert Tonnen Wasserverdrängung zu bieten. Trotz ihrer beeindruckenden Längen, sind aber alle dieser Museumsschiffe trotzdem noch Zwerge, wenn man sie mit russischen Atom-U-Booten der Typhoon-Klasse vergleicht. Diese besitzen eine Länge von gut hundertzweiundsiebzig Metern und bieten etwa hundertsechzig Besatzungsmitgliedern Platz.

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Die U-Boote der Juliett Klasse waren während des Kalten Krieges eine Antwort der Sowjetunion auf die Flugzeugträger der USA. Ursprünglich war aufgrund der mangelnden Kapazitäten für den Bau von atomgetriebenen U-Booten eine Flotte von zweiundsiebzig U-Booten der Juliett-Baureihe geplant. Gebaut wurden von der Julitt-Baureihe letztendlich aber nur sechzehn Exemplare, da in den Jahren darauf der Bau atomgetriebener U-Boote forciert wurde. Die Bezeichnung Juliett und die Nummerierung sind aber nicht russischen Ursprungs, denn diese Bezeichnungen erhielten die sowjetischen U-Boote von der NATO. In der sowjetischen Marine wurde die U-Boot-Klasse als Projekt 651 bezeichnet und das Unterseeboot unter dem Namen K-24 in Dienst genommen. Ab dem Jahre 1987 fuhr es dann unter der Bezeichnung B-124 unter den Weltmeeren. Die Bezeichnung Juliett U-461 erhielt das Schiff erst lange nach seiner offiziellen Außerbetriebnahme. Von der ursprünglich vergebenen Bezeichnung K-24 sollte man sich aber auch nicht täuschen lassen, denn dieses U-Boot war trotz der 24 im Namen das erste Exemplar der Baureihe, welches überhaupt gebaut wurde. Die Juliett U-461 war bis zum Jahre 1987 ein Teil der sowjetischen Nordflotte und wurde hauptsächlich im Nordatlantik eingesetzt. Im Jahre 1987 wurde das U-Boot der Baltikflotte unterstellt, wodurch sich auch die erste Namensänderung erklären lässt.

Dass es die Juliett U-461 noch gibt, ist einigen glücklichen Umständen zu verdanken, denn eigentlich wurden die sechzehn U-Boote dieser Baureihe schon Anfang der 80er Jahre außer Betrieb genommen. In der Baltischen Flotte kamen sie dann Mitte der 80er Jahre wieder für ein paar Jahre in den Einsatz, um schließlich 1988 als Reserve zu dienen. Der Zustand der Schiffe war nicht mehr allzu gut, denn die meisten der U-Boote mussten verschrottet werden. Zwei Exemplare konnten dennoch verkauft werden, nachdem sie entmilitarisiert wurden und dienten seitdem als Museumsschiffe. Da die K-77, welche im Hafen von Providence in Rhode Island im Jahre 2007 bei einem Sturm sank und seitdem kein Museum mehr ist, ist die U-461 das einzige der beiden noch existierenden Exemplare der Juliett-Baureihe, welches man heutzutage besichtigen kann. Wenn man von der fehlenden Waffentechnologie absieht, welche einst bei der Demilitarisierung des U-Bootes ausgebaut wurde, bietet die Juliett U-461 noch einen guten Einblick in das Leben früherer Beatzungen unter Deck.

Und das Leben im U-Boot muss seinerzeit anscheinend alles andere als angenehm gewesen sein, denn hier herrschte eine ziemliche Enge, schließlich mussten bis zu zweiundachtzig Besatzungsmitglieder unter Deck leben und arbeiten. Hier gab es keinen Platz für eine Privatsphäre, während ein Teil der Besatzung Dienst hatte, schlief der andere Teil in den wenigen Kojen, die sich zudem noch mit den diensthabenden Mannschaftsmitgliedern teilen mussten. Um den Museumsbesuchern eine anschauliche Vorstellung der Lebensverhältnisse zu vermitteln zu können, hat man im Maritim Museum Peenemünde eine Reihe von Szenen mit Hilfe von lebensgroßen Puppen nachgestellt, die die ehemalige Besatzung bei der täglichen Arbeit zeigen. Sei es in den Mannschaftsräumen, in den Kajüten, der Kombüse oder den Maschinenräumen, dank den figürlichen Darstellungen, die zudem noch mit jeweils passenden Geräuschkulissen untermalt wurden, bekommt man eine viel bessere Vorstellung von der Enge die unter Deck herrschte. Viel Komfort gab es auf diesen U-Booten nicht, die Mannschaftsräume waren sehr eng, die Kajüten waren noch viel enger. Es gab zwar drei Toiletten, dafür existierte aber auch nur eine einzige Dusche in dem U-Boot, welche alle Mannschaftsmitglieder nutzen mussten. Es war an Bord an sich recht laut und an die hier herrschenden Gerüche musste man sich auch gewöhnen. Man kann als Besucher eigentlich auch froh sein, dass das Maritim Museum Peenemünde auf die Umsetzung dieses Detail verzichtet hat.

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Um die Juliett U-461 zu besichtigen, sollte man etwas sportlich sein, denn während des Rundganges durch das U-Boot muss man einige Leitern hinauf- beziehungsweise hinabsteigen und einige Luken in den Schotten passieren. Der Eingang und der Ausgang befindet sich im oberen Teil des des U-Bootes. Die ins Innere führenden Leitern sind sehr steil. Es ist nicht verwunderlich, dass die Marine kleinere Leute als Matrosen eingesetzt hat, denn aufgrund der vorherrschenden Enge der Räumlichkeiten sollten größere Besucher aufpassen, dass sie sich nicht an den Apparaturen und Leitungen die Köpfe stoßen, welche unterhalb der Decke verlaufen. Da die Juliett U-461 auch mehrere Schotten besitzt, die bei einem potentiellen Wassereindringen geschlossen werden konnten, muss man bei einem Rundgang durch das Museum auch diese relativ engen und kreisrunden Luken passieren, durch die man von einer der insgesamt aucht Sektionen des Schiffes in die andere gelangt.

Die Juliett U-461 wurde zwar schon im Jahre 1961 gebaut, die technischen Daten des U-Bootes sind aber auch schon in dieser Zeit beachtlich gewesen. Die vorhandenen Tanks konnten bis zu sechshundertsiebzig Tonnen Dieseltreibstoff und vierundvierzig Tonnen Frischwasser aufnehmen. Zusammen mit dem geladenen Proviant war das U-Boot bis zu drei Monate lang autonom und konnte eine Strecke von bis zu achtzehntausend Seemeilen zurücklegen. Die Juliett wurde aber nicht wie anzunehmen mit Hilfe der Dieselmotoren angetrieben, sondern mit Elektromotoren. Die Dieselmotoren waren nur da, um den elektrischen Strom zu erzeugen, der für die Tauchfahrten benötigt und in tonnenschweren Bleiakkumulatoren gespeichert wurde. Aufgrund des geringeren Wasserwiderstandes war das U-Boot mit 18 Knoten deutlich schneller unterwegs, als wenn es sich an der Wasseroberfläche bewegt hätte. Tauchen konnte man übrigens bis in Tiefen von dreihundert Metern und das bis zu einem Monat lang. Die für einen solch langen Tauchgang benötigte Atemluft wurde übrigens mit einem Druck von bis zu zweihundert Kilogramm pro Kubikmeter in Tanks verdichtet. Ein Rundgang durch die U-461 bietet daher nicht nur einen Einblick in die Geschichte, sondern auch in den Stand der russischen Militärtechnik der sechziger Jahre.

Wenn man Peenemünde fährt und sich dort das Historisch-Technische Informationszentrum anschaut, welches die Besucher über die Entwicklung der Raketentechnologie informiert, dann wäre ein Besuch des hiesigen U-Bootsmuseums eine thematisch passende Ergänzung für diesen Ausflug. Da Peenemünde an des Streckennetz der Usedomer Bäderbahn angeschlossen ist, kann man die hier befindlichen Museen und Ausstellungen auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen. Das Maritim Museum Peenemünde ist aber aufgrund der baulichen Gestaltung des U-Bootes absolut nicht barrierefrei.

Adresse: Haupthafen – 17449 Peenemünde
Öffnungszeiten: 10:00 – 18:00 Uhr (von April bis Juni) 9:00 – 21:00 Uhr (von Juli bis Mitte September) 10: 00 – 18:00 Uhr (von Mitte September bis Oktober) 10:00 – 16:00 Uhr (von November bis März)