Mecklenburgische Bäderbahn Molli

Mecklenburgische Bäderbahn Molli

Mecklenburgische Bäderbahn Molli


Schon seit dem frühen Mittelalter verband das Grabgelege im Doberaner Münster die mecklenburgischen Herzöge mit der kleinen Stadt Doberan, die sie im 18. Jahrhundert zu ihrer Sommerresidenz auserkoren hatten. Bekanntlich war es Herzog Friedrich Franz I. der im Jahre 1793 am Heiligendamm in der Ostsee badete und damit das erste Seebad Deutschlands begründete. Otto von Bismarck behauptete angeblich, dass in Mecklenburg alles fünfzig Jahre später passiert, zumindest was den Badetourismus betrifft, dürfte er sich wohl mehr als offensichtlich geirrt haben. Mecklenburgische Baumeister wie beispielsweise Georg Adolph Demmler, der auch beim Schweriner Schloss mitwirkte, prägten mit ihrer Architektur das Bild der weißen Stadt am Meer, einem mondänen Badeort, der den europäischen Hochadel für sich einnehmen sollte. Im Jahre 1884 erhielt das zum Bad aufgestiegene Doberan, mit der Inbetriebnahme der Bahnstrecke Wismar-Rostock, einen eigenen Bahnanschluss. Nach Heiligendamm gelangte man aber immer noch nur mittels Pferdekutschen, was sich ein paar Jahre später ändern sollte.

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Der 19. Juni des Jahres 1886 sollte die Geburtsstunde der Mecklenburgischen Bäderbahn werden, als Großherzog Friedrich Franz III. die Konzession für eine Schmalspurbahn erteilte, welche von Bad Doberan in das von seinen Urgroßvater gegründete Seebad Heiligendamm führen sollte. Die etwa sechseinhalb Kilometer lange Strecke wurde seinerzeit von Lenz & Co., derselben Firma errichtet, welche nur ein paar Jahre später die Gleise des Rasenden Rolands auf der Insel Rügen verlegen sollte. Offensichtlich hatte die Firma gute Erfahrungen bei der Errichtung von Eisenbahntrassen, denn schon am 9. Juli des Jahres 1886 sollte die Doberan-Heiligendammer-Eisenbahn zum ersten Mal fahren. Nur wenige Jahre sollte die Bahnlinie unter privater Regie geführt werden, im März des Jahres 1890 wurde die Doberan-Heiligendammer-Eisenbahn verstaatlich und in die Großherzoglich Mecklenburgische Friedrich-Franz-Eisenbahn integriert, welche ein paar Jahre später beschlossen, die Bahnstrecke zu verlängern.

Das Ostseebad Arendsee sollte das Ziel werden, ein weiterer Bahnhof entstand im benachbarten Brunshaupten, zwei Bahnhöfe die heutzutage unter den Namen Kühlungsborn-West und Kühlungsborn-Ost die Züge der Mecklenburgischen Bäderbahn Molli zum Anhalten animieren. Mit der Verlängerung der Bahnstrecke im Mai des Jahres 1910 verkehrten die Züge nicht mehr nur im Sommer, sondern beförderten ganzjährig Urlauber in die im Jahre 1938 zum Ostseebad Kühlungsborn zusammengeschlossenen Ostseebädern, was diesem nicht nur einen deutlichen Aufschwung bescherte, sondern auch zum größten Ostseebad Mecklenburgs werden ließ. Da Schmalspurbahnen für den Güterverkehr unrentabel wurden, verstärkte sich die Nutzung der Mecklenburgischen Bäderbahn auf den Tourismus, eine Tatsache, welche in späteren Jahren die Existenz der Schmalspurbahn sichern sollte. Wurden in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts der Betrieb der Schmalspurbahnen eingestellt, konnten sich im Gebiet des heutigen Mecklenburg-Vorpommern nur zwei Bahnstrecken ernsthaft behaupten: die Rügensche Bäderbahn Rasender Roland und die Mecklenburgische Bäderbahn Molli.

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Der Ruf Molli, bliev stahn! galt eigentlich einem Mops, der vor über einhundert Jahren seinem älteren Frauchen nicht gehorchen und partout nicht in den Zug einsteigen wollte. Doch statt dem Ausreißer blieb der Zug stehen, dessen Fahrer sich gemeint fühlte. Ob diese Geschichte der wahre Ursprung des Namens Molli ist, kann nicht eindeutig beantwortet werden, dafür gibt es zu viele Anekdoten. Mit der Gründung der Deutschen Bahn AG gelangte Mecklenburgische Bäderbahn in deren Besitz. Da diese aber nichts mit den Kleinbahnen anfangen konnte, privatisierte sie diese, wobei die größten Anteilseigner der neugegründete Gesellschaft der damalige Landkreis Bad Doberan, die Stadt Bad Doberan und das Ostseebad Kühlungsborn wurden, welche mit dem Erwerb Schmalspurbahn einen wahren Tourismusmagneten in ihre Händen bekamen, welche jedes Jahr über eine halbe Million Fahrgäste transportiert. Das liegt unter anderen auch an der aufwendigen Sanierung, von welche die Gleisanlagen, Gebäude und Fahrzeuge ab dem Jahre 1995 profitieren konnten.

Auf der fünfzehneinhalb Kilometer langen und über eine Spurweite von neunhundert Millimetern verfügende Strecke zwischen Bad Doberan und Kühlungsborn-West verkehren Züge, die zumeist aus dem Jahre 1932 stammen. Eine Ausnahme bildet ein im Dampflokwerk Meiningen gefertigter Nachbau einer historischen Dampflok, der im Jahre 2009 in Betrieb genommen wurde. Aus dem früheren 20. Jahrhundert stammen auch die Passagierwagen, in denen man mit einer maximalen Geschwindigkeit von 40 Km/h durch die mecklenburgische Landschaft reisen kann, so wie es auch schon frühere Generationen von Urlaubern es taten. Während der Sommerssaison verkehrt die Mecklenburgische Bäderbahn Molli mit zwei Zügen im Stundentakt, welche sich im Bahnhof von Heiligendamm begegnen. Für Eisenbahnfreunde ist auch ein Besuch im Molli-Museum interessant, welches sich im Bahnhof Bad Kühlungsborn West befindet. In diesem erhält man einen guten Einblick in die Geschichte der Kleinbahn und bekommt auch die Möglichkeit einige historische Fahrzeuge zu begutachten.