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Michaeliskirche Krummin

Michaeliskirche Krummin

Michaeliskirche Krummin


Wenn man vom Turm der Wolgaster Petrikirche in Richtung Wolgaster Ort schaut, wird man am Horizont den Turm der Michaeliskirche von Krummin erblicken. Auf den ersten Blick erscheint sie wie eine gewöhnliche Dorfkirche, von denen es noch einige auf der Insel Usedom gibt, auf dem zweiten Blick hat dieses alte Gotteshaus aber deutlich mehr zu erzählen, als man vieleicht erwarten würde. Da die meisten Besucher der Insel Usedom, die Ortschaften auf dieser Halbinsel rechts liegen lassen, wenn sie von Wolgast kommend zu ihren Urlaubsorten an der Ostseeküste fahren, werden sie von der Existenz der Kirche und deren Geschichte höchstwahrscheinlich nicht viel mitbekommen. Das ist eigentlich schade, denn die Michaeliskirche in Krummin bietet auch einen kleinen Blick in die Geschichte des pommerschen Herzogshauses, das während des dreißigjährigen Krieges erloschen ist. Da es in der Stadt Wolgast nicht mehr allzuviele Zeugnisse gibt, die von der Existenz des Greifengeschlechtes zeugen, die Petrikirche mit der Fürstengruft wäre ein schönes Beispiel, muss man eher in das Hinterland fahren, um diesen Teil der vorpommerschen Geschichte für sich entdecken zu können. Die Kirchengemeinde hat für die interessierten Besucher vor der Kirche einige aussagekräftige Schautafeln aufgestellt, welche einen Überblick in die Geschichte der Kirche bieten.

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Diese Geschichte ist eng mit dem pommerschen Herzogshaus verbunden. Schon Herzog Barnim I. stiftete im Jahre 1230 mit seiner Mutter Miroslawa ein Stückchen Land in Krummin, auf dem man eine Kirche errichtete, die dem heiligen Michael geweiht wurde. Sein Sohn Herzog Bogislaw IV. war da schon deutlich großzügiger, denn nachdem er im Jahre 1288 in Wollin ein Kloster stiftete, in das er seine Tochter Jutta zur Erziehung schickte, schenkte er dem Kloster Wollin im Jahre 1303 das Land Bukow, zu dem auch das Dorf Krummin gehörte, damit sie dort ein Tochterkloster gründen sollten, das seine Tochter Jutta später als Patronin übernehmen sollte. Bis dahin sollten aber noch zwanzig Jahre vergehen, denn erst im Jahre 1323 übernahm Jutta das Amt der Äbtissin des Krumminer Klosters, welches sie bis zum Jahre 1336 ausüben sollte. Kurz nach der Gründung des Klosters teile man die Besitzungen der beiden Klöster auf so dass das Kloster von Krummin die Ländereien auf der Insel Usedom erhielt. Dank zahlreichen Schenkungen erweiterte sich der Landbesitz des Klosters beträchtlich. Neben einigen Mühlen und wichtigen Fischereirechten gehörte auch die Wolgaster Fähre zum Besitz des Klosters.

Dank der zahlreichen Spenden des Herzogshauses und adliger Familien, die ihre Töchter in das Kloster schickten, konnten die Nonnen von Krummin ihre Klosterkirche repränsentativer ausbauen, welche einst nur als eine einfache Hallenkirche ohne Chor und Turm errichtet worden war. Um das Jahr 1440 herum begann man die Kirche mit einem Chor zu versehen, der zu dieser Zeit aber andere Fensterformen aufzuweisen hatte, die aus doppelten Spitzbögen bestanden. Wenn man sich von außen das Gemäuer anschaut, wird man die baulichen Veränderungen an den Fenstern der Kirche gut erkennen, welche zu einem späteren Zeitpunkt erfolgten. Die Klausur, in welcher die einst Nonnen lebten und arbeiteten schloss sich im Süden der Kirche an. Nach der Reformation teilte das Koster Krummin das selbe Schicksal mit den übrigen Klöstern in der Region, es wurde wie diese im Jahr 1563 aufgelöst und ein herzogliches Amt umgewandelt. Während des dreißigjährigen Krieges wurde die bestehende Klosteranlage durch Kriegseinflüsse zerstört und einzig die Kirche wurde wieder aufgebaut. In diesem Zusammenhang erhielt die Michaeliskirche von Krummin auch das barocke Portal auf der Westseite, durch die man seitdem die Kirche betritt.

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Bei dieser Sanierung erhielt die Kirche auch einen Altar, der laut Aussagen der Wissenschaftler einst den Innenraum einer Kirche schmückte, die auf der Insel Rügen stand und durch den Krieg zerstört wurde. Der spätmittelalterliche Marienaltar war einst von einem aus der Hansestadt Stralsund stammenden Künstler gefertigt worden, der auch einen der Altäre in der Marienkirche in Stralsund fertigte. Diese Tatsache erkannte man in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts und schickte den Altar zur Restauration nach Stettin. Nach dem zweiten Weltkrieg blieb der Marienaltar in Stettin und kann in der Ausstellung des dortigen Nationalmuseums bewundert werden. Ein weiter erwähnenswerter Einrichtungsgegenstand der ehemaligen Klosterkirche ist der spätgotische Krumminer Abendsmahlskelch, den man heutzutage in der ständigen Ausstellung des Pommerschen Landesmuseums in der Hansestadt Greifswald sehen kann.

Dass die Michaeliskirche von Krummin im Jahre 1856 einen Kirchturm bekam, ist dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. zu verdanken, der zusammen mit seinem Sohn Wilhelm auf der Insel Usedom weilte. Wilhelm, der später als erster Kaiser auf den Thron des Deutschen Reiches gelange, gab übrigens auch dem heutigen Ostseebad Heringsdorf seinen Namen. Neben dem neogotischen Kirchturm errichtete man seitlich des Chores zwei Anbauten, welche man von außen anhand der Verputzung ausmachen kann. Dass man zu Zeiten der DDR kein großes Interesse an der Erhaltung von Kirchen hatte, sah man auch beim einsetzenden Verfall des Gebäudes, der erst durch eine Spendensammlung gestoppt werden konnte, die die Kirchengemeinde im Jahre 1979 gegen den Willen der staatlichen Behörden durchführte. Eine grundlegende Sanierung konnte man erst nach der Wende durchführen. Der heutige bauliche Zustand der über siebenhundertjährigen Kirche wurde bei dieser Sanierung hergestellt. Die Kirche erhielt ein neues Dach und im Inneren kann man an den Innenwänden die Ziegel sehen, mit denen die Kirche errichtet wurde. Da der Marienaltar in Stettin steht, errichtete man daher einen neuen Altar, der wie die Kirche selbst aus Ziegelsteinen besteht. Die Altarfenster wurden vom Stralsunder Künstler Hermann Lindner entworfen, während die Orgel noch aus der Zeit des königlichen Umbaus stammt und im Jahre 1863 von der Firma Grüneberg gefertigt wurden. Das älteste Inventarstück der Kirche ist das hölzerne Kruzifix, welches um das Jahr 1500 gefertigt sein soll. Übrigens gehört die Michaeliskirche von Krummin zu den Spielstätten des Usedomer Musikfestivals.