Museumsschiff Luise Göhren

Museumsschiff Luise Göhren

Museumsschiff Luise Göhren


Einen guten Einblick in das harte und entbehrungsreiche Leben der früheren Küstenschiffer der Insel Rügen bekommt man bei einer Besichigung des Museumsschiffes Luise, welches sich in unmittelbarer Nähe des Südstrandes des Ostseebades Göhren befindet. Vom Zentrum des Ortes kommend, muss man in südlicher Richtung die Thiessower Straße entlang fahren. Kurz bevor man das Ende der Straße erreicht hat, sieht man auf der linken Seite das Areal des Freilichtmuseums, auf dem sich neben zahlreichen maritimen Exponaten aus Seefahrt und Fischerei auch das Museumsschiff Luise befindet. Jahrhundertelang war die Insel Rügen nur mittels Schiffen zu erreichen, der Rügendamm, welcher die Insel mit dem Festland verbindet, wurde erst im Jahre 1937 fertiggestellt. Es gab zwar schon vorher Eisenbahnstrecken auf der Insel Rügen, die Verbindung mit dem Festland erfolgte über eine Eisenbahnfähre zwischen der Hansestadt Stralsund und dem auf Rügen gelegenen Ort Altefähr.

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Das Eisenbahnfährschiff Stralsund, das man bis dahin für diese Strecke einsetzte, kann man heutzutage im Museumshafen von Wolgast besichtigen. Da die Insel Rügen eine Küstenlinie besitzt, die mehr als fünfhundert Kilometer lang ist und viele Orte über das Meer erreichbar waren, setzte man bis dahin auf die Küstenschifffahrt, um den Transport der Waren von und zur Insel Rügen zu bewerkstelligen. Mit der Fertigstellung des Rügendammes besaß die Insel Rügen eine deutlich bessere Verkehrsanbindung, welche die Küstenschifffahrt letztendlich unrentabel machte, weshalb heutzutage nur noch wenige der ehemaligen Transportschiffe existieren. Dass es das Museumsschiff Luise noch gibt, ist einer Initiative von Ruth Bahls zu verdanken, welche als Gründerin der Mönchguter Museen in die Geschichte des Ostseebades Göhren eingegangen ist, die dieses Schiff als Museumsschiff für die Nachwelt erhalten wollte.

Die Geschichte des Museumsschiffes, welche in der Ausstellung im Frachtraum anschaulich dokumentiert wurde, begann in den Niederlanden, genauergesagt auf der Werft G. & H. Bodewes in Martenshoek, wo es im Jahre 1906 vom Stapel lief. Die ersten Jahre wurde das Schiff, damals noch unter einem anderem Namen, für den Transport von Waren auf der Elbe und der Weser eingesetzt. Nachdem das Schiff im Jahre 1925 in den Besitz eines gewissen Wilhelm Pretzien kam, der das Schiff nach seiner Ehefrau Luise benannte, fuhr die Luise nun in anderen Gewässern. Unter anderem wurden Ziegelsteine aus der Stadt Ueckermünde verschifft, in der zu dieser Zeit etwa fünfzig Ziegelleien existierten. Da die Luise durch ihre Bauart als Plattbodenschiff gut für die Schiffahrt in flacheren Gewässern geeignet war, konnte man mit diesem Häfen anfahren, wenn die Wasserstände niedriger waren.

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Die Ziele für die Transportrouten waren daher auch in den Boddengewässern Vorpommerns zu finden. So steuerte die Besatzung neben den Häfen der Insel Rügen, auch die Häfen auf der Insel Usedom und der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst an. Nach Angaben des Museums fasste der Laderaum des Schiffes bis zu zweiundzwanzigtausend Ziegelsteine, die zu dieser Zeit noch alle händisch ein- und wieder ausgeladen werden mussten. Da die Besatzung des Schiffes nur aus drei Leuten bestand, kann man eigentlich nur noch erahnen, wie aufwendig die Be- und Entladung dieser Schiffe gewesen sein muss. Dass man bei einem solch hohen Arbeitsaufwand gegen den Transport von Waren durch Lastkraftwagen nicht bestehen konnte, dürfte offensichtlich sein.

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Nur ein paar Jahre nachdem das Schiff nach Vorpommern kam, wechselte es 1929 erneut den Besitzer. Diesmal wurde Altwarp am Stettiner Haff der Heimathafen des heutigen Museumsschiffes. Zehn Jahre darauf erwarb es der Schiffer Erich Knuth, der die Luise für den Linienverkehr zwischen dem neuen Heimathafen im heutigen Ostseebad Baabe und der Hansestadt Stralsund einsetzte. Lange konnte er diese Route nicht bedienen, denn 1941 wurde das Schiff von der Wehrmacht beschlagnahmt und für ihre Zwecke umgebaut. Wenn man das Museumsschiff Luise, welche einst als typischer Besan-Ewer vom Stapel lief, mit anderen Schiffen vergleicht, die noch den ursprünglichen Zustand besitzen, dann fallen deutliche Unterschiede auf. So besitzt das Museumsschiff Luise seitdem ein Ruderhaus am Heck und nur noch einen Mast.

Der Besanmast, der sich am hinteren Ende des Schiffes befand, ist nicht mehr existent, genauso wie der Klüverbaum, der ursprünglich am Bug des Schiffes zu finden war. Auch die Logis befindet sich seit dem Umbau nicht mehr an der ursprünglichen Stellen, denn diese befand sich am Bug des Schiffes. Wer einen Besan-Ewer im Originalzustand sehen möchte, der muss in die Hansestadt Greifswald fahren, wo im dortigen Museumshafen mit der im Jahre 1910 gebauten Berta von Lassan ein Besan-Ewer zu sehen ist. Nach dem Krieg wurde das Schiff wieder vom rechtmäßigen Besitzer wieder in Dienst genommen und fuhr bis 1964 wieder die Route von Babbe nach Stralsund und zurück. Bis zum Jahre 1974 wurde es im Stralsunder Hafen als schwimmender Getreidespeicher genutzt, bevor ihn dann die Gemeinde Göhren von der Witwe des einstigen Eigners erwarb, nach Göhren überführte und nach einer aufwendigen Sanierung 1982 als Museumsschiff der Öffentlichkeit zugänglich machte.

Die Innenräume des fast zwanzig Meter langen Museumsschiffes erreicht man mittels einer Treppe, über die man auf Deck gelangt. Von hier aus steigt man dann hinab in den vormaligen Laderaum des Schiffes, an dessen Wände man Schaukästen angebracht hat, welche die Besucher des Museums über die Geschichte des Schiffes und der früheren Küstenschifferei der Insel Rügen informiert. Anhand zahlreicher historischer Fotografien bekommt man einen Einblick in die Arbeitsbedingungen der damaligen Zeit. Wie wenig Platz die Besatzung auf ihrem Schiff hatte, kann man anhand der kleinen Logis sehen, in welche man bei der Besichtigung des Schiffes hineinschauen kann. Ein kleiner Ofen, auf dem man auch Kochen konnte, erwärmte den kleinen Raum, in dem sich nur noch eine Bank und ein Tisch mit zwei Stühlen befinden. Neben der Ausstellung im Schiff, findet man auf dem Gelände des Freilichtmuseums weitere Ausstellungsobjekte aus der Seefahrt, wie Schiffsbojen und Fischernetzen, sowie mehreren kleineren Schiffen, welche einst in der Küstenfischerei vor Rügen eingesetzt wurden.

Da die Mönchguter Museen über zahlreiche Einrichtungen verfügen, bietet es sich an, sich ein Kombinationsticket zu erwerben, mit dem man etwas Geld sparen kann, wenn man alle Standorte des Museums besichtigen möchte. Neben dem Museumsschiff Luise befinden sich mit dem Heimatmuseum, dem Museumshof und dem Rookhus noch drei weitere Museen im Zentrum des Ostseebades. Die übrigen vier Einrichtungen des Museums sind in anderen Orten der Halbinsel Mönchgut zu finden.