Ozeaneum Stralsund

Ozeaneum Stralsund

Ozeaneum Stralsund


Wenn man heutzutage während der Saison auf der Stralsunder Hafeninsel bummelt und die lange Schlange vor dem Ozeaneum sieht, dann kann man fast nicht mehr glauben, was es so an einigen negativen Meinungen über den seinerzeit noch geplanten Museumsneubau gab. Seit der Eröffnung des Ozeaneums ist das Meinungsbild über die futuristische Architektur des Gebäudes sehr positiv, zudem sich das Museum auch zu einem großen Besuchermagneten für die Hansestadt Stralsund entwickelt hat, der die früher relativ menschenleere Hafeninsel nun auch bei schlechterem Wetter mit Leben erfüllt. Wenn man das Panorama der Hansestadt Stralsund von der Insel Rügen aus betrachtet, dann fällt einem das futuristische Gebäude ins Auge, es stört aber nicht das historisch gewachsene Panorama, welches von den hohen Türmen der drei mittelalterlichen Kirchen der Stadt dominiert wird.

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Das Gebäude des Ozeaneums wurde vom bekannten Architekturbüro Behnisch Architekten aus Stuttgart konzipiert. Laut ihrem architektonischen Konzept sollen die vier weißen runden Gebäudeteile des Ozeaneums einige Steine darstellen, welche vom Wasser des Meeres umspült werden. Das gläserne Foyer bildet somit das Wasser, welches die Steine durchfließt. Eine Besonderheit bei der Gestaltung ist die Beibehaltung der Pflasterung, welche im Foyer und auf dem Vorplatz identisch sind. Die Architekten wollten damit eine Trennung zwischen den Innen- und Außenbereichen des Museums minimieren und die Glasfassade nicht als Trennung zwischen dem neuen Museumsbau und der Hafeninsel sehen. Es ist eine offene Architektur, welche das Licht hinein lässt und einen Blick durch das Gebäude ermöglicht. Wenn man sich den Gebäudekomplex von oben herab betrachtet, dann sieht man gut, dass nur einer der vier weißen Baukörper zum Strelasund hin gelegen ist. Die anderen drei liegen dahinter, beziehungsweise werden durch die historischen Speicherbauten auf der Seeseite hin verdeckt. So passt sich das Ozeaneum gut in das Ensemble der ehemaligen Speichergebäuden ein. Die benachbarten Speicher, wie der sogenannte Türmchenspeicher, beinhalten auch Teile der technischen Ausrüstung des Museums.

Bei der Konzipierung des Ozeaneums wurde auch auf die speziellen Bedürfnisse von behinderten Menschen und Familien mit kleineren Kindern eingegangen und die Ausstellungsräume des Museums völlig barrierefrei gestaltet. Es gibt unter anderem mehrere Aufzüge, mit denen man problemlos in die höher gelegenen Etagen gelangen kann, sowie einige Wickelräume und behindertengerechte Toiletten. Die Ausstellungsräume des Ozeaneums sind sehr großzügig geschnitten und die Vitrinen in einer Höhe aufgestellt, dass man die ausgestellten Exponate auch als Kind oder aus dem Rollstuhl optimal betrachten kann. Für Kinder von sechs bis zwölf Jahren gibt es mit dem Meer für Kinder zudem einen eigenen Ausstellungsbereich, in welchem sie das Leben in den Meeren spielerisch entdecken können.

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Der Rundgang durch das Ozeaneum beginnt mit einer Fahrt auf einer Rolltreppe, übrigens dem längsten freitragenden Exemplar in Europa, mit der man in den ersten Ausstellungsbereich gelangt, in welchem es um die Weltmeere geht. Das erste große Exponat was man hier zu Gesicht bekommt, ist eine große Erdkugel, die gar nicht so kugelig ist, denn bei dieser wurde die Oberfläche der Weltmeere modelliert, welche man sehen würde, wenn man das Wasser der Ozeane einmal weglassen würde. Und die Menge an Wasser ist gewaltig, denn die Ozeane der Erde sind durchschnittlich viertausend Meter tief. Und diese tiefen Weltmeere bieten zahlreichen Lebewesen die Lebensgrundlage, welche unterschiedlicher nicht sein können. Die mit am skurrilsten wirkenden Fische sind wohl diejenigen, welche in den tiefsten Gräben der Ozeane leben und nie das Licht der Sonne sehen. Das bekannteste Beispiel ist wohl der Tiefseeangler, den man in diesem Ausstellungsbereich in einer Vitrine sehen kann. Bei dieser Tierart verbeißen sich die Männchen in die Haut des Weibchens und verwachsen schließlich mit diesem zu einer Einheit.

Wie viele unterschiedlich aussehende Arten die Evolution hervorbringen kann, zeigt eine Auswahl an Fischen, die zu den Barschartigen zählen. Übrigens wurden von diesen zu den Wirbeltieren zählenden Lebewesen schon über neuntausend verschiedene Arten entdeckt. Während der Erdgeschichte gab es eine Vielzahl an Tieren, welche die Weltmeere bevölkerten und nur noch durch ihre erhaltengebliebenen Fossilien von ihrer einstigen Existenz zeugen. Eine Auswahl an solchen Exponaten findet man auch hier, denn wenn man das Leben in den Ozeanen verstehen möchte, dann muss man wissen wie es entstanden ist und sich in den Jahrtausenden weiterentwickelt hat. Das Ozeaneum in Stralsund beschäftigt sich aber nicht nur mit dem Leben im Meer, sondern ach mit dem Meer selbst. Man erhält einen Einblick in die grundlegenden Zusammenhänge und Eigenschaften, welche in den Weltmeeren herrschen. Angefangen von der Zusammensetzung des Meerwassers, über Ebbe und Flut, den in den Ozeanen herrschenden Strömungen reichen die Themen bis hin zu den Einflüssen der Meere auf das globale Wetter der Erde.

Die Ostsee ist prägend für die Landschaft und Natur von Mecklenburg-Vorpommern, daher erhält das bei Urlaubern und einheimischen beliebte Binnenmeer einen eigenen Abschnitt in diesem Museum. Die Ostsee besteht nämlich nicht nur aus weißen Stränden an denen man seinen Urlaub verbringen kann, sondern bietet auch zahlreichen Tieren und Pflanzen die verschiedensten Lebensräumen. Da die Ostsee einen deutlich niedrigeren Salzgehalt als die Nordsee hat, findet man hier eine andere Fischpopulation, denn im sogenannten Brackwasser der südlichen Ostsee, der Greifswalder Bodden ist ein gutes Beispiel, können auch einige Süßwasserfische existieren. Neben den Fischen bevölkern auch andere Tierarten die Ostsee. Unter anderem kann man die Robben hervorheben, welche in ihrem Bestand gefährdet sind und daher unter Naturschutz stehen. Das Ozeaneum gibt seinen Besuchern in diesem Bereich der Ausstellung einen Einblick in die verschiedenen Küstenregionen und den jeweiligen Bewohnern.

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Da die Weltmeere riesig sind, wurden bisher noch nicht alle Geheimnisse entdeckt, weshalb auch der Forschungsarbeit der Wissenschaftler ein weiterer Bereich gewidmet wurde. Das größte Exponat in diesem Bereich ist das GEO, welches das erste bemannte Tauchboot war, mit dem deutsche Wissenschaftler ihre Forschungsarbeiten auf dem Meer unternahmen. Einige historische Taucheranzüge bieten einen Einblick in die Anfänge der Meeresforschung, einige ausgestellte Bohrkerne vom Grund der Meere zeigen ihre Entstehung auf. Die Weltmeere werden aber nicht nur erforscht, sondern auch intensiv genutzt, beispielsweise für den Fischfang. Daher behandelt das Stralsunder Ozeaneum diese Thematik aus der Sicht des Umweltschutzes.

Die Hauptattraktionen des Ozeaneums bilden aber die vielen Aquarien, die man bei seinem Rundgang nun zu Gesicht bekommt. Wenn das Wasser im Strelasund klarer sein würde, dann könnte man hier die Fische sehen, welche im ersten Aquarium schwimmen. Hier gestaltete man das Becken mit einer Hafenmauer im Hintergrund und einigen Fundstücken, welche man aus dem Stralsunder Hafenbecken herausgeholt hatte. Die Bewohner des Beckens sind auch diejenigen, welche die zahlreichen Angler auf der Mole am Stralsunder Hafen aus dem Strelasund fischen, wie beispielsweise Plötzen, Flundern oder Barsche. Die Reise geht weiter durch den Greifswalder Bodden. In dem sechs Meter langen Aquarium findet man als ein Gestaltungselement Teile eines Schiffswracks. Wer die Situation im Greifswalder Bodden kennt, der weiß um die Existenz einer Schiffsspere, welche der schwedische König während des Nordischen Krieges südlich vom Mönchgut hatte anlegen lassen. Hier wurden im Jahre 1715 zahlreiche Schiffe versenkt, die noch heutzutage gefährliche Untiefen bilden. Durch diese Wracks schwimmen wie bei den Originalen zahlreiche Hechte, Zander und Flundern.

Kleinere Tiere kann man in dem Aquarium sehen, welche die typischen Seegraswiesen nachbildet, welche man in den zahlreichen Bodden der Ostsee vorfinden kann. Hier leben kleinere Fische wie der Stichling oder Krabben und Garnelen. Größere Fische findet man in dem darauf folgenden Becken, welches die Küste der Insel Rügen darstellt. Hier schwimmen wie bei den Kreidefelsen der Insel Rügen Dorsche und Hornfische, während man auf dem Meeresboden verschiedene Plattfische finden kann. Die nächsten beiden Aquarien bilden das Schärenmeer und eine Flusmündung nach. Während man in den Schären Fische wie den Ostseeschnäpel oder Seehasen finden kann, schwimmen in der nachgestellten Flussmündung einige große Störe, sowie Aale und Forellen.

Nachdem man das Leben in der Ostsee gesehen hat, begibt man sich bei dem Rundgang durch die Ausstellung in Richtung Nordsee, aber nicht ohne das Kattegatt zu berücksichtigen, welches den Übergang von Nord- und Ostsee bildet. Hier ist das Wasser schon deutlich salziger und dementsprechend findet man hier andere Fische wie beispielsweise Rochen. Nachdem man die Nordsee erreicht hat, und das Becken gesehen hat, indem die Gezeiten mit Ebbe und Flut simuliert werden, kommt man zum Polarmeeraquarium, welches trotz seiner Temperaturen, die nur etwas über dem Gefrierpunkt liegen, einiges an Leben vorweisen kann. Der Höhepunkt ist aber das Aquarium mit dem bezeichnenden Namen Offener Atlantik. Dieses imposante Becken ist das größte Aquarium in Deutschland. Die Ausmaße dieses Aquariums sind gewaltig. Die gebogene Glasscheibe ist siebzehn Meter hoch und neun Meter breit. Das Fassungsvermögen des Beckens beträgt 2,6 Millionen Liter Meerwasser, in welchen neben einigen Heringshaien und Rochen ein großer Schwarm mit über zweitausend Heringen schwimmt. Wenn man das Becken von weitem betrachtet und mit den Besucher, welche davor stehen vergleicht, dann ist das Becken schon riesig. Wenn man jetzt noch bedenkt wie tief die Meere im Durchschnitt sind, es waren um die viertausend Meter, kann man sich die richtigen Dimensionen der Meere gar nicht wirklich ins Bewusstsein holen, so gewaltig sind deren Dimensionen.

Eine beliebte Attraktion ist das Pinguinbecken auf dem Dach des Ozeaneums. Wenn man durch das Meer für Kinder geht, gelangt man an den Ausgang, welcher zu diesem Becken führt. Hier wohnt seit dem 12. Juli des Jahres 2010 eine kleine Kolonie mit Humboldt-Pinguinen ein Becken mit einem Ausblick auf die historische Altstadt von Stralsund. Das Schwimmbecken besitzt zehn Scheiben, welche den Besuchern einen Blick auf die Schwimmkünste der Bewohner ermöglichen. Ein Höhepunkt bei diesem Becken ist die täglich um 11:30 Uhr stattfindende Fütterung der Pinguine, welche man sich, wenn man kleine Kinder bei sich haben sollte, nicht entgehen lassen sollte.

Der letzte Teil der Ausstellung beschäftigt sich mit den Riesen der Meere. Während im man Foyer einige Skelette verschiedener Wale sehen kann, bekommt man in der Halle, eine Vorstellung über die wahren Ausmaße dieser Säugetiere, die im Volksmund fälschlicherweise oft als Walfische betitelt werden. Die Lichtverhältnisse in dieser Halle sind recht schummerig, sie sollen die Lichtverhältnisse im Meer widerspiegeln. An der Decke befinden sich Modelle verschiedener Arten, die hier in der Originalgröße gezeigt werden. Man kann unter anderem die Modelle eines Pottwals, eines Schwertwals, eines Buckelwals sowie eines sechsundzwanzig Meter langen Blauwals sehen. Die Stimmung wird mit Aufnahmen typischer Walgesänge untermalt. Übrigens können auch viele Fischarten deutlich größer werden als man glaubt, denn dank der Überfischung der Meere geraten die Tiere schon recht jung in die Fangnetze der Fischer. Zwischen den maximal möglichen Größen der Fische und den wirklichen Fanggrößen liegen manchmal Welten, wie man in den Vitrinen anschaulich sehen kann.

Das Ozeaneum in Stralsund bietet übrigens auch verschiedene Führungen durch die Ausstellung an. Neben einer öffentlichen Führung, welche um 13:00 Uhr beginnt werden auch mehrere thematische Führungen angeboten, welche auch auf Englisch oder Polnisch gehalten werden können. Ein spezielles Angebot des Museums sind auch die sogenannten Taschenlampenführungen, bei welchem man mit einer Taschenlampe die Welt der Meere entdecken kann. Die Schautafeln des Ozeaneums sind zweisprachig gehalten, neben den Erklärungen in deutscher Sprache findet man diese auch auf Englisch. Sollte man neben dem Ozeaneum auch das Meeresmuseum oder das Nautineum besuchen wollen, empfiehlt es sich dafür ein Kombinationsticket zu kaufen.

Adresse: Hafenstraße 11 18439 Stralsund
Internet: www.ozeaneum.de
Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag: 9:30 – 19:00 Uhr (von Oktober bis Mai) ansonsten Montag
bis Sonntag: 9:30 – 21:00 Uhr (von Juni bis September), Ruhetag am 24. Dezember, am 31.12 und 1.1 nur von 10:00 – 15:00 Uhr