Petrikirche Benz

Petrikirche Benz

Petrikirche Benz


Mit seinem Fahrrad erkundete einst Lyonel Feininger die Schönheiten der Insel Usedom. Hier fand er in dem recht zentral gelegenen Dörfchen Benz gleich mehrere Motive welche einen nicht gerade unbedeutenden Platz seines Schaffens einnehmen sollten. Hierzu zählt zweifelsfrei die alte Kirche des Ortes welche er auf mehreren Bildern verewigte. Die alten Gemäuer an der deutschen Ostseeküste faszinierten den Maler, der in seiner amerikanischen Heimat solche Motive nicht fand. Seit seiner Bekanntschaft mit dem Rostocker Tor in Ribnitz sollten die Gebäude und ihre Strukturen immer mehr Aufmerksamkeit erlangen, die Menschen mit der Zeit nur noch bloßes Beiwerk werden und letztendlich gänzlich von seinen Bildern verschwinden. Viel zu erzählen hatten auch die Gemäuer der alten Kirche die seit ihrer Errichtung viel erleben mussten. Die Benzer Petrikirche ist zwar nicht die älteste Kirche der Insel Usedom, die Johanneskirche in Liepe soll etwas älter sein, die Spuren der nicht immer glücklich verlaufenen Geschichte des Kirchengebäudes lassen sich noch heutzutage gut an dessen Architektur ablesen.

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Die älten Spuren einer Kirche lassen sich für das Jahr 1229 ausmachen. Etwa zwei Jahrzehnte später, genauergesagt im Jahre 1251, sollte Herzog Barnim I. von Pommern dem bei der Stadt Usedom gelegenen Kloster Grobe das Patronatsrecht für die Benzer Kirche verleihen, was nicht nur deren Existenz belegt sondern wahrscheinlich auch die Errichtung einer aus Feldsteinen gemauerten Kirche, was durch die einsetzende deutschrechtlichen Kolonisation Pommerns anzunehmen wäre. Nachdem Pommern durch den Vertrag von Kremmen große Ländereien an Brandenburg verlor, begann Barnim I. sein Land im großen Stil zu besiedeln um so seine Herrschaft zu sichern, Städte wie Stettin, Anklam oder Ueckermünde sollten durch ihn gegründet werden. Auch die ursprüngliche Benzer Kirche, die in dem heutigen Kirchengebäude aufgegangen ist, sollte während dieser Zeit entstehen. Von den seitlichen Portalen existiert heute nur noch die im Süden gelegene, die eine frühgotische Formensprache aufzuweisen hat. Das spätromanische Nordportal wurde irgendwann zugemauert, dürfte aber das ursprüngliche Tor gewesen sein, durch welche die Kirche in früheren Jahrhunderten betreten werden konnte. Heutzutage ist es das Renaissanceportal am Turm, durch welches die Besucher in den Kirchenraum gelangen, welcher im Jahr 1740 errichtet wurde.

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Der für Usedom zuständige schwedische Amtshauptmann Peter Appelmann ließ die durch die kaiserlichen Truppen beschädigte Kirche im Jahre 1663 renovieren. Diese machten während des Dreißigjährigen Krieges aus dem Gotteshaus einen Pferdestall. Hierfür rissen sie das vorhandene Gestühl heraus und verwendeten es als Brennholz. Vom mittelalterlichen Altar blieben nur sechs geschnitzte Figuren erhalten, die einen Platz auf dem Altar gefunden haben, der aus dem Jahre 1712 stammt. Nachdem die Kirche 1740 einen Turm bekam, sollte der ursprüngliche Chor ein Jahr später umgebaut werden. Das heutige Aussehen er hielt die Petrikirche aber erst im Jahre 1836 als die ursprünglich vorhandene Balkendecke entfernt und durch ein hölzernes Tonnengewölbe ersetzt wurde. Dieses Gewölbe wurde in Form einer Kassettendecke ausgeführt, welche der aus Stettin stammende Landschaftsmaler Adolf Dittmer mit einem Sternenhimmel ausstattete, der den besonderen Charme der Benzer Kirche ausmacht.

Der Altar, die Kanzel und das Gestühl der Kirche stammen aus der Zeit des 18. Jahrhundert, die beiden vorhandenen Kronleuchter sind deutlich jünger und gelangten erst später in die Kirche. Das Altarbild könnte Kunstliebhabern bekannt vorkommen, es handelt sich schließlich um eine Kopie Anthonis van Dycks Gemälde Beweinung Christi, dessen Original man in der Gemäldegalerie am Kulturforum Berlin bewundern kann. Für den Bau der Orgel war der in Stettin ansässige Orgelbauer Emil Kaltschmidt, der diese im Jahr 1847 für die Kirche fertigte. Eine bauliche Besonderheit sind die auf jeder Längsseite im Dach des Kirchenschiffes befindlichen drei Gaubenfenster, durch welche Tageslicht in das Innere der Kirche gelangen kann, fallen doch die in den dicken Wänden befindlichen Rundbogenfenster relativ klein aus. Den wohl besten Blick auf die Petrikirche hat man von dem im Süden des Dorfes gelegenen Mühlberg. Auch Lyonel Feininger erklomm einst diese Anhöhe um von hier aus das Dorf uns seine Kirche zu porträtieren.





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