Pfingstmarkt Rostock

Riesenrad

Riesenrad


Hätten die Menschen des späten Mittelalters keinen Spaß an Vergnügungen gehabt, könnte die Hansestadt Rostock heutzutage nicht damit werben, das älteste Volksfest Mecklenburg-Vorpommerns zu veranstalten. Eigentlich ist es aber das Volksfest mit den ältesten Wurzeln, denn die Ursprünge des Rostocker Pfingstmarktes findet man in einem erstmalig im Jahre im Jahre 1390 abgehaltenen Markt. Damals beschloss der Rat der Stadt Rostock anlässlich des Pfingstfestes einen mehrtägigen Markt ins Leben zu rufen, der unter anderem auch dazu diente, die geschäftlichen Beziehungen der Rostocker Kaufleute zu festigen und weiter auszubauen. Da Rostock als schon damals größte Hansestadt Mecklenburgs attraktiv für andere Kaufleute war, reisten diese in Scharen an, um hier ihre Waren feilzubieten. Diese hatten aber zumeist kein Interesse, zwei Wochen lang nur hinter ihren Ständen zu stehen, sondern wollten sich bei ihrem Aufenthalt auch etwas vergnügen.

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Und so zog der Rostocker Pfingstmarkt nicht nur Händler und Kunden an, sondern auch zahlreiche Spielleute und Gaukler, die mit ihren Auftritten für die Unterhaltung der Marktbesucher sorgten. Auf gewisse Art und Weise sind es die auch in Mecklenburg-Vorpommern beliebten Mittelaltermärkte, welche heutzutage noch eine halbwegs vergleichbare Atmosphäre vermitteln können. Neben dem historischen Weihnachtsmarkt von Rostock sind es die Wallensteintage in Stralsund, die noch am ehesten ein mittelalterliches Marktgeschehen bieten können, der Pfingstmarkt von Rostock hat jedenfalls viele seiner historischen Wurzeln gekappt. Geblieben ist eigentlich nur der Name, der Charakter der Veranstaltung änderte sich im Laufe der Zeit massiv. Nachdem das 19. Jahrhundert seine erste Hälfte hinter sich gebracht hatte, sollte die zweite Hälfte das Ende des Rostocker Pfingstmarktes in seiner Form als Warenmarkt bringen, da sich zu dieser Zeit große Veränderungen im Einzelhandel anbahnten.

Zumindest in einer Sache hatte sich Otto von Bismarck geirrt, denn anstatt fünfzig Jahre später, wie er die Entwicklung Mecklenburgs einmal treffend beschrieb, war es ein gewisser Rudolph Karstadt aus Wismar, der dort im Jahre 1881 sein erstes Kaufhaus eröffnete. Die zu dieser Zeit aus dem Boden sprießenden Kaufhäuser machten den Einzelhandel für Markthändler langfristig unattraktiv, so dass es sich für viele Kaufleute nicht mehr lohnte, den mehr oder weniger beschwerlichen Weg nach Rostock auf sich zu nehmen. Auf diesen Weg machten sich nun die Betreiber von Fahrgeschäften, welche dank des technischen Fortschritts mehr und mehr an Attraktivität gewannen. Karussells gab es zwar schon seit mehreren Jahrhunderten, nachdem aber die fortschreitende Motorisierung größere und spektakulärere Fahrgeschäfte möglich waren, war nun auch in Rostock die Zeit für einen Jahrmarkt im heutigen Sinne angebrochen.

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Waren es anfänglich die Kaufleute, die mit ihrer Anwesenheit den Lebensunterhalt des fahrenden Volkes erst möglich machten, waren es nun die zahlreichen Jahrmarktattraktionen, welche für die anwesenden Händler die Kundschaft anlockten. Einige der damaligen Attraktionen, wie beispielsweise Hau den Lukas, findet man heutzutage nur noch auf historischen Volksfesten. Dafür wurden die Fahrgeschäfte immer größer und drehten sich immer schneller, mit historischen Kettenkarussells kann man keine Jugendlichen mehr begeistern. Breakdancer, Bayernwippe oder Looping-Karussell heißen diejenigen Fahrgeschäfte, welche heutzutage das meiste Interesse auf sich ziehen. Einen Blickfang des Rostocker Pfingstmarktes bildet natürlich auch das Riesenrad, welches auf keinem größeren Rummel fehlen darf. Und so bildet das im Rostocker Stadthafen aufgebaute Riesenrad eine Art Landmarke, die den Besuchern den Weg zum Vergnügen weist.

Dieses fällt nicht allzu klein aus, denn es sind etwa fünfzig bis sechzig Schausteller und Markthändler, die mit ihren Fahrgeschäften beziehungsweise Marktständen den Rostocker Stadthafen in eine bunte Vergnügungsmeile verwandeln. An den Ständen gibt es nicht nur die Verpflegung für hungrige Mäuler zu kaufen, die von den für den Norden typischen Fischbrötchen bis hin zu internationalen Spezialitäten reicht, sondern auch kunsthandwerkliche Produkte und andere Dinge. Aus den Gauklern und Spielleuten früherer Zeiten sind heutzutage Lautsprecher geworden, aus denen die Musik ertönt. Bekanntlich fällt der Besuch eines Rummelplatzes für Familien mit mehreren Kindern recht kostenintensiv aus, weshalb der Pfingstmontag zum Familientag erklärt wurde, an dem die Schausteller und Gastronomen ihren großen und kleinen Kunden verschiedene Vergünstigungen und Rabatte einräumen.

Ein Besuch des Rostocker Pfingstmarktes dürfte daher für Familien am Pfingstmontag wahrscheinlich am preiswertesten ausfallen. Interessanterweise gibt es sehr wenig Pfingstmärkte in Mecklenburg-Vorpommern, so dass sich der Rostocker Pfingstmarkt wahrscheinlich auch mit dem Label größter Pfingstmarkt Mecklenburg-Vorpommerns schmücken könnte. Etwa zehntausend Leute sollen es Jahr für Jahr sein, die sich auf den Weg zum Stadthafen begeben, Was zahlenmäßig zwar nicht vergleichbar mit der Hanse Sail oder dem Rostocker Weihnachtsmarkt ist, dafür können aber auch diese beiden Veranstaltungen, die für gewöhnlich eine Million beziehungsweise zwei Millionen Besucher vermelden können, auf keine Geschichte zurückblicken, die mehr als sechshundert Jahre lang ist.

Termin

Pfingstfreitag bis Pfingstmontag

Öffnungszeiten

Freitag 15:00 bis 22:00 Uhr
Samstag 11:00 bis 22:00 Uhr
Sonntag 11:30 bis 22:00 Uhr
Montag 11:30 bis 20:00 Uhr