Pommersches Bettenmuseum Karlshagen

Ab in die Kiste oder zusammen in die Kiste gehen, fast alle Leute verwenden diese Aussprüche, aber die wenigsten davon wissen woher diese eigentlich ursprünglich herkommt. Eine Lösung liefert das Pommersche Bettenmuseum im Ostseebad Karlshagen, welche sich der Präsentation der Geschichte des Bettes auf die Fahnen geschrieben hat. Erstaunlich ist, dass sich bis zur Gründung des Pommerschen Museums im Jahre 1998 bisher kein anderes Museum auf der Welt mit dieser speziellen Thematik beschäftigt hat, wo doch der Mensch durchschnittlich etwas über acht Stunden pro Tag in seinem Bett verbringt.

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Das Exponat des Museums, welches den Ursprung dieser Redewendung anschaulich erklärt, ist aber das einzige Bett der Ausstellung, welches nicht im Originalzustand erhalten geblieben, sondern nur ein Nachbau aus heutiger Zeit ist. Wenn man vor diesem Bett aus dem Mittelalter steht, dann fragt man sich zurecht, wie man in diesem, für heutige Zeit mehr als unbequemen Bett, überhaupt einen gesunden und entspannenden Schlaf hätte haben können. Dieses Bett, was optisch wie eine geschlossene Kiste ausschaut, war auf mittelalterlichen Burgen weit verbreitet. Da die damaligen Burgen nicht beheizt waren, froren die damaligen Bewohner während des Winters und bauten sich deshalb Betten, die wie ein Kasten gebaut und somit an den Seiten geschlossen waren, um die Wärme zu halten. Diese Kisten waren mit Fellen ausgelegt, was bei diesen die einzige Bequemlichkeit darstellte, denn der Adel der derzeitigen Zeit war dem Irrglauben aufgesessen, dass die Seele den Körper leichter verlassen könnte, wenn sie im Liegen Schlafen würden. Dementsprechend schliefen die Bewohner der Burgen im Sitzen und zudem noch in voller Montur, um bei einem möglichen Alarm sofort gefechtsbereit zu sein. Spätestens jetzt sollte es das mit der mittelalterlichen Romantik gewesen sein.

Seit dem Mittelalter ist viel Zeit vergangen und die verschiedensten Betten kamen und gingen. Die Entwicklung der einfachsten Betten der Menschen aus dem Mittelalter, welche seinerzeit auf einem schlichten Lager von Stroh und Fellen schliefen, bis hin zu den heutigen modernen Betten zeigt das Pommersche Bettenmuseum in seinen Ausstellungsräumen. Die ältesten Betten des Museums haben in gewisser Weise noch eine gewisse Ähnlichkeit mit den Kisten aus den mittelalterlichen Burgen, denn diese besitzen noch recht hohe Seitenwände, welche den Wärmeverlust seitlich verringern sollten. Damals besaßen die Betten keine Matratzen wie man sie heutzutage kennt, sondern Unterlagen aus Stroh. Diese Unterlagen waren im Gegensatz zu den Kisten deutlich bequemer und konnten sich jahrhundertelang behaupten. Die Wandlung vom einfachen kistenförmigen Bett mit einer einfachen Strohunterlage bis zum modernen Wasserbett kann man in diesem Museum gut nachvollziehen.

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Das Pommersches Bettenmuseum beschränkt sich in seiner Präsentation der Geschichte der Betten nicht nur auf die Region Pommern, auf der zweifelsfrei der Schwerpunkt dieser Ausstellung liegt, sondern zeigt auch einige historische Betten aus anderen Regionen Deutschlands, welche einige Besucher dem Museum gespendet haben. Anhand dieser Betten kann man die typischen regionalen Unterschiede erkennen, welche die künstlerische Gestaltung der Betten betrifft. Auch auf die speziellen Bettenformen wie den Hängematten auf den Schiffen, den militärischen Feldbetten oder platzsparenden Schrankbetten werden in der Ausstellung des Museums präsentiert. Die jeweiligen Betten waren nicht nur ein Ort zum Schlafen, sondern auch eine Vorlage für die Spielzeuge der jeweiligen Zeit, denn die jungen Mädchen benötigten für ihr Spielzugpuppen auch einen Ort wo diese sich zu Ruhe betten konnten. Dementsprechend existiert auch ein Bereich, in welchem historische und zeitgenössische Spielzeugbetten präsentiert werden.

Eine Ausstellung über die Geschichte der Betten wäre aber nicht wirklich komplett, wenn man nicht auch die Details betrachten würde, welche mit den historischen Schlafstätten zu tun haben. Und eines der heutzutage nicht mehr gebräuchlichsten Gegenstände ist der in früheren Jahrhunderten benutzte Nachttopf. Das Pommersche Bettenmuseum hat eine große Sammlung verschiedener Nachttöpfe in der Ausstellung, dass man diese nur noch als Relikte einer vergangenen Zeit ansehen muss, ist einer der Vorteile der modernen Zivilisation, denn als es noch nicht die Toiletten mit Wasserspülungen in den Wohnungen gab, waren die Nachttöpfe gang und gäbe. Für die Benutzer, welche darin ihre Notdurft verrichteten, waren sie zwar recht praktisch, da sie nicht in der kalten Nacht über den Hof mussten, um dort ihr Geschäft zu verrichten, für die ahnungslosen Passanten auf der Straße, über die diese am nächsten Morgen entleert wurden, waren die Inhalte alles andere als das Glück, was von oben kommt.

Während die einfache Bevölkerung im frühen Mittelalter noch unbekleidet in die Betten stieg und dort ihren Spaß miteinander hatte, denn nicht umsonst gab es mehr Bauern als Ritter, welche wie schon erwähnt voll bekleidet im Sitzen ihren Schlaf suchten, änderte sich dieses in späteren Jahrhunderten, als die Menschen durch die Moralpredigten der Kirche prüde würden und auch des Nachts spezielle Kleidungsstücke trugen. Die früher weit verbreiteten Nachthemden mit Zipfelmützen dürften vielen ein Begriff sein. Eine sehr spezielle Besonderheit, welche im Pommerschen Bettenmuseum zu sehen ist, dürfte das Doppelnachthemd sein, mit welchen früher frischverheiratete Paare in der Hochzeitsnacht ins Bett geschickt wurden. Dieses war übrigen ein Kleidungsstück, in welches die Braut und der Bräutigam schlüpfen konnten um darin, wenn es klappte, den Stammhalter der Familie zu zeugen.

Das Pommersche Bettenmuseum ist übrigens auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Vom Bahnhof in Zinnowitz gibt es einen Abzweig der Usedomer Bäderbahn, welcher bis nach Peenemünde führt. Um zu diesem Museum zu kommen muss man am Bahnhof vom Ostseebad Karlshagen aussteigen und dann die Peenestraße in Richtung Seglerhafen entlang laufen. Der Weg bis zum Museum ist etwa anderthalb Kilometer lang. Da sich das Pommersche Bettenmuseum in einer ehemaligen Halle befindet, sind die Ausstellungsräume des Museums ebenerdig und fallen daher auch barrierearm aus.


Adresse: Am Hafen 4 – 17449 Ostseebad Karlshagen
Homepage www.pommersches-bettenmuseum.de
Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag von 10: 00 – 17:00 Uhr (von März bis Oktober) und Montag bis Freitag 10:00 – 15:0 Uhr (von November bis März)