Putbus

Fürst Malte I. zu Putbus-Denkmal

Fürst Malte I. zu Putbus-Denkmal


Das kleine Städtchen Putbus auf der Insel Rügen wird wegen ihrer in weiß gehaltenen prägnanten klassizistischen Architektur auch als die weiße Stadt bezeichnet. Die Geschichte der Stadt Putbus ist eng mit dem Leben ihres Gründers Malte I. zu Putbus verbunden. Angeregt durch seine Reisen durch Europa beschloss er seinen Heimatort zu einer Residenzstadt auszubauen und begann mit einer regen Bautätigkeit, welche geschichtlich gesehen die Insel Rügen am stärksten prägte. Begonnen wurde die Erweiterung mit der Anlage der Alleestraße, welche den Schlosspark von der übrigen Stadt trennt, welche sich im Norden daran anschließt. Er gründete am Greifswalder Bodden den Badeort Lauterbach, welchen er nach dem Mädchennamen seiner Ehefrau benannte, nach dem Vorbild des ersten deutschen Seebades im mecklenburgischen Bad Doberan. Dort errichtete er das Badehaus Goor und einen kleinen Hafen, in welchem die Besucher mit Schiffen bequem anreisen konnten, da man zuvor mit kleinen Boot anlanden und dann zu Fuß durch das Wasser waten musste. Nach und nach komplettierte er die Anlage mit Residenztheater, Schlosskirche und Orangerie und baute das Schloss um, so dass Putbus die jüngste vollständig auf dem Reißbrett geplante Residenzstadt in Deutschland wurde.

Anzeige

Fürst Malte legte sehr viel Wert auf eine einheitliche Gestaltung der Stadt, so dass alle Häuser in einem strahlenden weiß gehalten werden mussten und vor ihnen Rosenbüsche gepflanzt werden mussten. Er bezahlte den angeworbenen Bewohnern, welche seinen Wünschen nachkamen, sogar die Schmuckelemente für ihre Gebäude, so dass selbst die ehemaligen Häuser der Handwerker über einen solchen Schmuck verfügen. Die Stadt Putbus verfiel nach der Wende in einen Dornröschenschlaf, da die Restitutionsansprüche des Fürstenhauses Investitionen behinderte. Nach einer Ablehnung der Rückgabe kam auch wieder mehr Leben in die Stadt und langsam erstrahlt sie wieder in ihrem alten Glanz und hat immer noch dieselbe Ruhe und Beschaulichkeit zu bieten, welche sich der Stadtgründer für seine neue Residenz wünschte.

Würde das Schloss in Putbus noch stehen, wäre die ursprüngliche Anlage noch komplett erhalten geblieben, aber leider wurde das Schloss Anfang der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts abgerissen, so dass man heute am ursprünglichen Standort nur noch eine Markierung des Grundrisses des verloren gegangenen Gebäudes zu sehen ist. Einzig erhalten geblieben ist ein Teil der Terrassenanlage des Schlosses, welche zum Schwanenteich ausgerichtet ist und bei einer Wanderung durch den Park zum Verweilen einlädt. Im Mittelalter stand an der Stelle ein Steinhaus, welches im 15. Jahrhundert im gotischen Stil umgebaut und im 17. Jahrhundert im Stil der Renaissance zu einen dreiflügeligen Schloss erweitert wurde. Zwischen 1827 und 1832 wurde das Schloss im Auftrag des Stadtgründers Füst Malte I. zu Putbus im klassizistischen Stil umgestaltet. Nach einem Brand im Jahre 1865 wurde der größte Teil des Schlosses zerstört und im neoklassizistischen Stil wieder aufgebaut beziehungsweise erweitert. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Schloss geplündert und litt unter der zweckentfremdeten Nutzung, welche dem Gebäude in dieser Zeit zuteil wurde. Bei der Sanierung, welche zwischen 1952 bis 1956 erfolgte, sollte das ursprüngliche klassizistische Gebäude wiederhergestellt werden und dabei die neuklassizistischen Anbauten abgerissen werden. Da das Geld zu dieser Zeit knapp war, stand das Schloss lange Zeit als Ruine da, bis es letztendlich abgerissen wurde. Es wird in diesem Zusammenhang erzählt, dass sich Walter Ulbricht, der des öfteren auf der Insel Vilm seinen Urlaub verbrachte, sich an der Schlossruine störte, und daher den Abriss angeordnet haben soll.

Orangerie Putbus

Orangerie Putbus

Von der ursprünglichen Schlossanlage ist der Park sehr gut erhalten geblieben. Er wurde im Jahre 1804 vom Stadtgründer Fürst Malte I. zu Putbus angelegt. Ursprünglich wurde der Park im französischen Stil angelegt, welcher später in einen englischen Landschaftsgarten umgestaltet wurde. Dieser naturnahe Stil passte auch besser in das Landschaftsbild der Insel Rügen. Von einigen Stellen des Parkes hat man einen schönen Blick auf den Greifswalder Bodden und die vorgelagerte Insel Vilm. Im Park selbst findet man eine Reihe exotischer Pflanzen wie beispielsweise riesige Mammutbäume und viele andere botanische Besonderheiten. Zum Schlosspark gehört auch ein großes Wildgehege, in dem ursprünglich nur weiße Hirsche gehalten wurden, heutzutage findet man aber auch gewöhnliches Rot- und Dammwild in diesem Gehege. Außer dem abgerissenen Schloss stehen noch alle Gebäude der Anlage, die den Besuchern die ursprüngliche Gestaltung der Anlage nachvollziehbar machen. Angefangen von der Orangerie, welche als Galerie genutzt wird bis zur Schlosskirche, an welche sich das große Wildgehege anschließt.

Der Circus von Putbus, ein kreisrunder Rondellplatz mit einem großen Obelisken in der Mitte, ist eines der Wahrzeichen der Stadt. Umrandet ist dieser Platz mit klassizistischen Gebäuden, welche zusammen ein geschlossenes Ensemble darstellen und wie alle Gebäude aus der Zeit der Stadtgründung in weiß gehalten sind und einige Rosenbüsche zur Zierde haben. Als Vorbild für den Circus in Putbus diente der Circus des englischen Badeortes Bath. Das größte Gebäude an diesem Platz ist das ehemalige Pädagogium, in dem sich heute das IT-College Putbus befindet. Im Süden grenzt der Cirkus direkt an den Schlosspark, so dass man von dort aus direkt zum ehemaligen Standort des Schlosses gelangen kann.

circus-putbus

circus-putbus

Im Jahr 1855 errichtete der preußische König bei den Ortschaften Neukamp und Groß Stresow jeweils ein Denkmal, welches an die Landungen preußischer Truppen auf der Insel Rügen erinnern sollten, die die Ansprüche des brandenburgischen beziehungsweise preußischen Herrscherhauses auf die Insel Rügen durchsetzen sollten. Seit dem dreißigjährigen Krieg hatte das Haus Hohenzollern Erbansprüche auf Herzogtum Pommern, welche es nach dem westfälischem Frieden nur zum Teil durchsetzen konnte, da Vorpommern an das Königreich Schweden fiel. Nach dem vollständigen Erlangen der Herrschaft über Pommern wurden die fünfzehn Meter hohen Denkmale errichtet, um den Machtanspruch von Preußen öffentlich zur Schau zu stellen. Die Denkmale waren in einem sehr schlechten Zustand und wurden deshalb demontiert um sie anschließend gründlich sanieren zu können. Der Lagerplatz befindet sich an der Alleestraße in der unmittelbaren Nähe vom Circus.

Ein zentraler Platz in Putbus ist der Marktplatz, welcher nördlich des Schlossparks an der Alleestraße zu finden ist. Er ist rechteckig angelegt und wird von klassizistischen Gebäuden umrahmt. Im Zentrum des Marktplatzes befindet sich ein Kriegerdenkmal welches an die Gefallenen aus der Grafschaft Putbus in den Kriege von 1864-1866 und 1870-1871 erinnern soll. Am Marktplatz befindet sich auch das Schlosstheater, welches zu den ältesten Theatern in Europa gehört, die noch die original Bühneneinrichtung vorzuweisen haben. Im Inneren des Gebäudes findet man einen liebevoll im skandinavischen Stil gestalteten Zuschauerraum. Das Gebäude wurde 1821 fertiggestellt und unterhielt seitdem viele Kurgäste. Heutzutage wird es vom Theater Vorpommern bespielt und hat hauptsächlich in den Sommermonaten eine Reihe von Gastspielen zu bieten, welche als recht hochkarätig zu bezeichnen sind. Wenn man auf der Insel Rügen Urlaub macht, dann sollte man die Kultur nicht zu kurz kommen lassen und ruhig einmal dieses Theater besuchen.

Anzeige

Bergen ist zwar die größte Stadt auf der Insel Rügen, das beschauliche Putbus ist aber aufgrund der Gründung als fürstliche Residenzstadt eher als das kulturelle Zentrum von Rügen zu bezeichnen. Nicht nur dass man hier vor Ort die Spielstätte des Theaters Vorpommern finden kann, man findet der ehemaligen Orangerie des Putbusser Schlosses die größte Kunstgalerie der Insel, in der hauptsächlich die Freunde der zeitgenössischen Kunst auf ihre Kosten kommen werden. Neben den staatlichen Ausstellungen findet man auch einige private initiierte Museumsgründungen. Im ehemals ersten Badehaus an der Alleestraße befindet sich heute ein familiär geführtes Museum für historische Uhren und Spielgeräte, im ehemaligen Affenhaus im Schlosspark gibt es ein Puppenmuseum und in der ehemaligen Schmiede hinter dem Marstall kann man sich in einer Dokumentation über die Geschichte des Putbusser Schlosses informieren. Zu guter Letzt kann man im Bahnhof von Putbus in einem kleinen Freilichtmuseum einige historische Schmalspureisenbahnen und Waggons bewundern.

Imposant ist das Badehaus Goor, welches sich im Ortsteil Lauterbach befindet. Als die Seebäder gegründet wurden, war es üblich nicht in der Ostsee zu baden, sondern in Wannen mit erwärmten Meerwasser. Das erste Badehaus von Putbus befand sich an der Alleestraße und beherbergt heutzutage das Historische Uhren- und Spielgerätemuseum. Mit dem Andrang von hochrangigen Gästen, welche aus dem deutschen Hochadel bestand, wurde ein größeres Badehaus notwendig. Dieses errichtete man direkt am Bodden. Die Gäste fuhren von ihren Hotelzimmern in Putbus mit Pferdekutschen dorthin, um in den Wannen zu baden. Einer der bekanntesten Kurgäste war der Reichskanzler Fürst Otto von Bismark, welcher sich hier von einer schweren Krankheit kurierte und mit seinen sogenannten Putbusser Diktaten den Grundstein für die Verfassung des Deutschen Bundes legte. Von der ursprünglichen Einrichtung des Gebäudes ist nichts mehr erhalten, nur eine original Badewanne steht im Garten hinter dem Haus, da das Haus als Ferienheim genutzt wurde. Heute befindet sich im Badehaus Goor ein 4-Sterne-Hotel mit einem sehr empfehlenswerten Restaurant.

Anzeige

Um den Tourismus anzukurbeln gründete Fürst Malte I. zu Putbus auch den kleinen Hafen Lauterbach am Greifswalder Bodden. Er war notwendig geworden um den Gästen von Putbus eine angenehme Anreise zu ermöglichen und diente zugleich auch als Fischereihafen für die ansässigen Fischer, welche aus diesem Gewässer ihren Fang holten. Heute kann man im Laden der örtlichen Fischereigenossenschaft frischen Fisch und andere Produkte erwerben. Das Treiben im Hafen von Lauterbach ist recht beschaulich und bietet den Besuchern unter anderem auch die Möglichkeit für verschiedene Boddenrundfahrten bis zum Ostseebad Baabe oder um die Insel Vilm herum. In der Saison besteht auch die Verbindung zur Hansestadt Greifswald, deren Kirchtürme man bei klarem Wetter deutlich am Horizont erkennen kann. In diesem kleinen Ortsteil von Putbus befinden sich auch die meisten Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen der Stadt. Direkt am Hafen von Lauterbach befinden sich auch einige gute Restaurants, welche hauptsächlich Fischgerichte auf der Speisekarte haben und kleine Cafés, die zum Verweilen einladen.

Eines der Attraktionen bei einem Urlaub auf der Insel Rügen ist zweifelsfrei eine Fahrt mit dem Rasenden Roland, welcher von Putbus aus in Richtung Osten fährt. Mit ihm kann man in den nostalgischen Eisenbahnwaggons, welche von einer schaufenden Dampflok gezogen werden, gemächlich die Seebäder Binz, Sellin, Baabe und Göhren erreichen. Eine Fahrt ist nicht nur etwas für Eisenbahnfans, sondern auch für kleine Kinder, für die eine solche Fahrt ein kleines Abenteuer darstellt. Die Bahn verfügt auch über einen Waggon für Fahrräder, so dass man beispielsweise mit seinem eigenen Drahtesel von Göhren aus die Halbinsel Möchgut erkunden kann. Sollte man des öfteren diese Bahn benutzen wollen, so bietet sich der Kauf einer Wochenkarte an, welche die Fahrten mit dem Rasenden Roland deutlich preiswerter macht. Schon am zweiten Tag fängt man an mit diesem Ticket Geld zu sparen.

Während des Winters sind viele der kleineren Restaurants und Cafés geschlossen, welche man in der Stadt Putbus und der näheren Umgebung finden. Zu Ostern beginnt die Feriensaison auf Rügen und die Lokalitäten öffnen wieder ihre Pforten. Da Putbus nicht so stark von den Touristen überlaufen ist, fallen die zu zahlenden Preise in den Restaurants im Verhältnis zu den Restaurants in den von Touristen überlaufenen Seebädern wie beispielsweise Binz, Gören oder Sellin etwas preiswerter aus. Einige gute Restaurants und Cafés findet man direkt in der Innenstadt, von denen die Jägerhütte, welche man direkt am Tiergehege finden kann, seit vielen Jahren einen guten Ruf hat. Im Hafen von Lauterbach findet man auch einige gute Möglichkeiten seinen Hunger zu stillen. Hier besteht nicht nur die Möglichkeit dieses mit einem Fischbrötchen mit fangfrischen Räucherfisch direkt aus dem Räucherofen zu bewerkstelligen, sondern auch in einem der Fischrestaurants einzukehren, von denen viele mit einem Blick auf den Greifswalder Bodden und die Insel Vilm aufwarten können. Besonders empfehlenswert ist hier das Restaurant des Hotels Badehause Goor, welche mit einer kreative Küche aufwarten kann. In der direkten Umgebung von Putbus sollte man sich den Wreechener Hof merken, der in einer ruhigen und idyllischen Lage eine Terrasse mit Blick auf den Wreechener See zu bieten hat. Das Restaurant Nautilus, welches im Inneren wie das U-Boot des Kapitän Nemo aus den Büchern von Jules Verne gestaltet wurde, ist bestimmt nicht nur für kleine Kinder nicht nur ein kulinarisches Erlebnis.

Große Hotelburgen gibt es in Putbus und Umgebung keine. Ganz in der Devise klein aber fein kann man hier seine Unterkunft in einem der etwas größeren Hotels direkt am Hafen von Lauterbach oder in einen der unzähligen privaten Pensionen und Ferienwohnungen finden. Die Region von Putbus gehört zu Westrügen, in der man sich eher an Gäste wendet, welche Ruhe und Erholung suchen und sie hier finden können. Während in den großen Seebäder während der Saison ein ziemlicher Trubel herrscht, steht im Westen der Insel Rügen eher das Erlebnis Natur im Vordergrund. Ein Urlaub auf der Insel Rügen muss nicht unbedingt ein Badeurlaub sein, man kann diese schöne Insel auch mit Wanderungen und Radtouren erkunden.

In der näheren Umgebung von Putbus findet man sehr viel Natur, welche für Wanderungen und Radtouren geeignet sind. So bietet sich die Wälder vom Naturschutzgebiet Goor-Muglitz, welches sich südlich von Lauterbach befindet für eine Wanderung an. Er ist gut 135 Hektar groß und verfügt über einen Eichen-Buchenwald und einer kleineren Steilküste mit einem naturbelassenem Ufer. Von Lauterbach aus kann man bei einer geführten Exkursion die kleine Insel Vilm besuchen, welche sich vor der Küste von Rügen befindet. Man findet dort sehr viele alte Eichen, so alt dass sie schon vom größten deutschen Romantiker Caspar David Friedrich auf seinen Bildern verewigt worden sind. Südwestlich von Putbus liegt mit dem Wreechener See, ein weiteres Naturschutzgebiet.

Die Stadt Putbus kann man mit öffentlichen Verkehrsmittel erreichen. Es gibt aber nicht nur Busse, sondern auch eine Bahnverbindung von Bergen über Putbus bis nach Lauterbach, welche während der Saison stündlich verkehrt. Beachten sollte man aber auch, dass sie in den späteren Abendstunden nicht mehr verkehrt, so dass man dann auf die Nutzung eines Taxis angewiesen ist. Mit dem Rasenden Roland besteht zudem auch eine Bahnverbindung in Richtung Ostseebad Binz und den Ostseebädern des Möchguts wie dem Ostseebad Sellin und Ostseebad Göhren.