Schloss Griebenow

Schloss Griebenow

Schloss Griebenow


Wahrscheinlich dürften es schwere Zerstörungen gewesen sein, welche das Kloster Eldena bewogen haben, sich von seinem im Jahre 1219 gegründeten Gut Griebenow zu trennen und die Familie von Rausche zu verkaufen. Während des Rügischen Erbfolgekrieges zogen die Mecklenburger Oktober des 1327 Jahres plündernd in Richtung Greifswald und mussten sich vor Griebenow geschlagen geben. Bekanntlich verloren sie nicht nur diese Schlacht, sondern auch den Rügischen Erbfolgekrieg, so dass die pommerschen Herzöge letztendlich in den Besitz des Fürstentum Rügen gelangen sollten. Dann legte sich der Nebel der Geschichte über den Ort, der sich erst wieder nach dem Dreißigjährigen Krieg lichten sollte, als der der Besitz vakant wurde, da die von Rausches, wie auch die pommerschen Herzöge, während des Krieges im Mannesstamm ausstarben. Der deutschstämmige schwedische Finanzbeamte Gerdt Antoniison Kewenbringk sollte es sein, dem die schwedische Krone mit der Verwaltung der herzoglichen Ämter betraute. Diese war offensichtlich mit seiner Arbeit so zufrieden, dass er später auch zum Kämmerer für die pommerschen und mecklenburgischen Besitzungen ernannt wurde.

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Die Verleihung von Adelstitel sollte unter Königin Christina von Schweden fast schon einen inflationären Charakter annehmen, was langfristig der schwedischen Staatskasse schaden sollte, schließlich war damit auch die Vergabe von Ländereien verbunden. Auch Gerdt Antoniison Kewenbringk sollte von ihrer Politik profitieren, denn als Anerkennung für seine Dienste wurde er im Jahre 1648 nicht nur mit einem Adelstitel belohnt, er nun den Namen Rehnskiöld führte, sondern auch mit mehreren Gütern, in deren Besitz die schwedische Krone gelangt war. Zu den pommerschen Besitzungen gehörten die Güter Griebenow, Hohenwarth und Willershusen, welche er später an seinen Sohn Carl Gustaf vererben sollte. Kurz nachdem in den Besitz der Ländereien gelangt war, begann er damit eine kleine Kapelle zu errichten, die auch heutzutage noch die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich zieht. In der fünfzehnseitigen Schlosskapelle, die im Jahre 1654 vollendet wurde, sollte er seine letzte Ruhestätte finden.

Schon in jungen Jahren sollte der in Stralsund geborene Carl Gustaf Rehnskiöld seinen Vater verlieren, nach Schweden gehen und dort eine militärische Laufbahn einschlagen. Zunächst als Lehrer des Kronprinzen sollte er nach dessen Krönung, nicht nur zu dessen wichtigsten Berater aufsteigen sondern auch den Rang eines Feldmarschalls erhalten. Als der Große Nordische Krieg ging der Kampf um die Vorherrschaft im Ostseeraum in die Geschichtsbücher ein, in dem Schweden seine Großmachtstellung verlor und Russland unter Zar Peter I. diese Rolle übernahm. Schweden dass durch den Westfälischen Frieden erst zur Großmacht wurde, hatte viele Feinde, die ihre Chance gekommen sahen, als mit Karl XII. ein jugendlicher und daher unerfahrener König den schwedischen Thron bestieg. Dank des militärischen Geschicks von Carl Gustaf Rehnskiöld konnte das zahlenmäßig unterlegene Schweden die Angriffe abwehren, erst mit der Schlacht bei Poltawa sollte im Jahre 1709 den Schweden das Kriegsglück abhanden gekommen und der inzwischen zum Graf aufgestiegene Carl Gustaf Rehnskiöld in russische Kriegsgefangenschaft gelangen, wo er bis zum Jahre 1718 bleiben sollte.

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Aus der Gefangenschaft zurück, zog er sich ins Privatleben auf seine pommerschen Güter zurück, wo er vor ein paar Jahren das alte baufällige Herrenhaus seines Vaters durch ein neues Schloss ersetzt hatte. In den Jahren von 1707 bis 1709 errichtete man den Bau, welcher auf einen Entwurf zurückgeht, der von Nicodemus Tessin d.J. stammt, dessen bekanntester Bau das Stockholmer Schloss sein dürfte. Auffällig ist eine starke Ähnlichkeit des Griebenower Schlosses mit dem im Linköping gelegenen Schloss Sturefors, welches Nicodemus Tessin d.J. ein paar Jahre zuvor plante. Dieses tat er übrigens für den schwedischen Staatsrat Graf Carl Piper, der einst von Karl XI. als Vormund für seinen minderjährigen Sohn eingesetzt wurde. Das Schloss, welches er für Carl Gustaf Rehnskiöld entwarf, sollte eine der größten nichtköniglichen Schlossanlagen werden, welche man zu dieser Zeit in den norddeutschen Besitzungen errichtete. Aber nicht nur der Architekt macht das Schloss Griebenow zu etwas Besonderem, sondern auch die Tatsache, dass es sich hierbei um eines der wenigen erhaltenen barocken Bauensembles aus der Schwedenzeit handelt.

Im Zentrum der heutigen Anlage befindet sich das Schloss, welches im 19. Jahrhundert teilweise klassizistisch überformt wurde. Nördlich davon schließt sich der Schlosspark an, den ein künstlicher See dominiert, in welchem man eine rechteckig ausfallende Insel vorfindet, die man über eine Brücke erreichen kann. Eine Lindenallee bildete die Hauptachse der Anlage. Nachdem Carl Gustaf Rehnskiöld kinderlos verstarb, gelangte nach einer Auseinandersetzung mit seiner Witwe das Gut in den Besitz seiner Familie, die es noch mehrere hundert Jahre als Freiherren bewohnen sollten. Viele der Gebäude der heutigen Anlage stammen aus dem früheren 19. Jahrhundert, so wie der durch eine vierreihige Kastanienallee gesäumte Ehrenhof vor dem Schloss der von einem Marstall in Osten und einem Wirtschaftsgebäude im Westen umfasst wird, die marode Vorgängerbauten ersetzten. Auch der barocke Park sollte in dieser Zeit sein Gesichts verändern, in späteren Jahren aber stark verwildern, so dass man heutzutage nur noch erahnen kann, wie er in früheren Zeiten einmal ausgesehen hat.

Das Schloss selbst ist ein zweigeschossiger dreizehnachsiger Bau, den ein dreiachsiger Mittelrisalit dominiert und ein sogenanntes Säteridach mit einem Glockenturm krönt. Ein Säteridach ist eine in Schweden verbreitete und in Pommern äußerst seltene Bauform eines abgestuften Walmdaches, die man außer in Griebenow in einer etwas anders ausgeführten Form an der Wolgaster Kaffeenühle wiederfinden kann. Das erste Geschoss befindet sich über einem recht hohen Kellergeschoss, so dass man dieses über eine Außentreppe betritt. Diese Freitreppe ist aber nicht mit der ursprünglichen Treppe identisch, welche eine geschwungene Form hatte und mit kleinen Figuren geschmückt war. Auf der Hofseite schmückt ein von Hirschen gehaltenes Wappen von Carl Gustav Rehnskiöld das Eingangsportal des Schlosses. Im Inneren des Schlosses selbst sind zahlreiche Details erhalten geblieben, die von der einstigen Pracht zeugen. So auch der zweigeschossige Festsaal des Schlosses, dessen aufwendige Gestaltung mittels Stuck und Marmorierung erfolgte.

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Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte man das Schloss als Müttergenesungsheim, später als Außenstelle der Greifswalder Universitätsklinik, bevor es ab dem Jahre 1958 als Alterheim herhalten musste. Wie bei vielen anderen Herrenhäusern und Schlössern vernachlässigte man die Bausubstanz, so dass es nach und nach verfiel, so dass es schließlich nicht mehr genutzt werden konnte. Nach der Wende besann sich der damalige Kreis Grimmen und investierte 1993 mehr als eine Million DM für die Sanierung der Fenster und des Daches, welches seitdem wieder ein markanter Glockenturm prägt. Nachdem sich im Oktober des Jahres 1998 der Barockschloss zu Griebenow e.V. gründete und die alten Gemäuer mit Leben füllte, ist dieser seit dem 1. Mai des Jahres 2003 Eigentümer des Schlosses, welches nach und nach wieder im alten Glanz erstrahlt.

Homepage www.schloss-griebenow.de