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Schwedenfest Wismar

Schwedenfest Wismar

Schwedenfest Wismar


Es war der König Gustav IV. Adolf von Schweden, der sich offenbar nicht entscheiden konnte, welche Prinzessin er vor den Traualtar führen sollte und die finanziellen Probleme seines Landes dadurch vergrößerte, dass der mecklenburgische Herzog Friedrich Franz für die Auflösung der Verlobung mit seiner Tochter Luise Charlotte eine Entschädigungssumme von 100000 Reichtalern forderte, obwohl er aber eigentlich den Wiedererbwerb der nach dem Dreißigjährigen Krieg an Schweden verloren gegangenen mecklenburgischen Gebiete im Auge hatte. Gustav IV. Adolf von Schweden hatte Probleme die jährlichen Raten aufzubringen, was ihn bewog auf den Vorschlag des Mecklenburgischen Herzogs einzugehen, der vorsah, für eine Summe von 1250000 Reichtalern die Stadt Wismar sowie die Ämter Poel und Neukloster für hundert Jahre an Mecklenburg zu verpfänden. Der im Jahre 1803 geschlossene Malmöer Pfandvertrag sah vor, dass Schweden für die Einlösung des Pfandes nicht nur die Summe zuzüglich der Zinseszinsen zu bezahlen hatte, sondern auch für sämtliche Aufwendungen aufzukommen hatte, welche bis dahin aufgelaufen wären.

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Da Schweden hundert Jahre später das Geld nicht dafür aufbringen konnte und wollte, um das Pfand einzulösen, verzichtete es auf das Recht darauf, und die schwedische Herrschaft über Teile Norddeutschlands ging endgültig in die Geschichtsbücher ein. Ganz so schwedisch war auch Wismar nicht, wie es fälschlicherweise gerne berichtet wird, denn durch den Westfälischen Frieden erhielt der schwedische König die Ländereien als Reichslehen und wurde durch diesen Besitz zu einem Reichsfürsten. Die rechtliche Stellung der schwedischen Ländereinen änderte sich erst nach der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation durch Napoleon, also erst einige Zeit nach den hundertfünfundfünfzig Jahren schwedischer Herrschaft, welche das Wismarer Schwedenfest auf seine Art und Weise thematisiert. Unter den drei Kronen, da lässt es sich gut wohnen ist eine bekannte Redewendung, die auf diese Zeit anspielt, genauer betrachtet aber nicht ganz korrekt ist, denn der deutsche Besitz der Schweden wurde in so manche kriegerische Auseinandersetzung verwickelt.

Im Nordischen Krieg wurden die Festungsmauern Wismars geschliffen, im Siebenjährigen Krieg die Stadt durch Preußen erobert. Auch für die wirtschaftliche Entwicklung waren die an den Landesgrenzen anfallenden Zölle nicht gerade förderlich, während Wismar im Mittelalter für seine Brauereien bekannt war, die neben dem Heringshandel für den Reichtum der Stadt verantwortlich waren, kostete Schweden der Unterhalt und die Verteidigung seiner mecklenburgischen Besitzungen deutlich mehr Geld als diese Steuereinnahmen generieren konnten. Die Zeiten von Schweden als europäische Großmacht waren Anfang des 19.Jahrhunderts schon lange vorbei, der Ausbau der Stadt Wismar zu einer der größte Festungen Europas lag über hundert Jahre zurück, der skandinavische Geist den die schwedische Herrschaft in den deutschen Untertanen weckte, sollte aber auch lange nach dem Verschwinden der Schweden erhalten bleiben, denn wie die Vorpommern blicken die Wismaraner gerne auf die Zeit zurück, als deren Landesherr in Stockholm residierte.

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Von der Festung Wismar sind nur noch wenige Reste erhalten, bei einem Gang durch die Altstadt von Wismar lassen sich die schwedischen Spuren aber eindrucksvoll erkunden. Grob betrachtet stammen alle barocken Bauwerke Wismars aus der Schwedenzeit, die neben den backsteinernen Kaufmannshäusern aus der Hansezeit das heutige Stadtbild prägen. Diesen Gebäuden wird man auch beim traditionellen Festumzug begegnen, der die als schwedische Soldaten und Persönlichkeiten aus der Geschichte Wismars verkleideten Akteure und die schaulustigen Gäste auf dem auf dem sogenannten Schwedenweg durch die Altstadt von Wismar führt. Allzu leise fällt dieser Marsch nicht aus, denn von Zeit zu Zeit laden die schwedischen Soldatendarsteller ihre Gewehre und schießen damit Salven in die Luft. Außerhalb des Festumzuges sind es mehr oder weniger die authentischen Schlachtdarstellungen, Wachwechsel und Aufmärsche, mit denen die extra aus Schweden angereisten Truppen an diesem Festwochenende das überwiegend schwedophile Publikum unterhalten.

Hierfür haben sie auf dem Marktplatz der Stadt ihr Feldlager errichtet, in dem selbst einige Pferde nicht fehlen dürfen. Dass es natürlich an den Imbissständen auf dem Marktplatz auch einige schwedische Spezialitäten zu kaufen gibt, ähnlich wie auf dem alljährlichen Weihnachtsmarkt von Wismar, dürfte fast schon selbstverständlich sein. Während sich der historische Teil des Volksfestes auf dem Marktplatz abspielt, bildet der sogenannte Schwedenlauf quasi das Bindeglied zwischen der Schwedenzeit und der Jetztzeit, denn dieser verläuft ähnlich wie der Festumzug durch die Straßen der Wismarer Altstadt, hat aber rein optisch nichts schwedisches an sich, wenn man einmal von eventuellen Teilnehmern absieht, welche sich in Blau und Gelb gewandet haben. Zumindest gelb sind die Enten, welche man für das bei Kindern beliebte Entenrennen erwerben kann, die durchnummeriert sich auf ein Wettschwimmen auf der Frischen Grube begeben. Mit etwas Glück gehört man zu den Besitzern einer Ente, die zuerst durch Ziel geschwommen ist, denn für einen Sieg gibt es natürlich auch eine Siegerprämie.

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Während es auf dem Marktplatz und beim Festumzug durch die Altstadt der zeitweise ohrenbetäubende Lärm durch das Abfeuern von Kanonen und Gewehren erzeugt wird, ist es am Alten Hafen von Wismar der Rummel der Vergnügungsmeile mit ihren Fahrgeschäften und sonstigen Attraktionen. Die größte Attraktion ist aber nicht unbedingt das Riesenrad, von dem man aus einen schönen Blich auf den Hafen, die Wismarbucht und die Altstadt hat, sondern das traditionell am Freitag gezündete Höhenfeuerwerk, welches den Hafen eindrucksvoll illuminiert. Rein optisch unterscheidet sich dieser Teil des Schwedenfestes von Wismar nicht unbedingt von anderen Volksfesten in Mecklenburg-Vorpommern, er wirkt auf seine Art und Weise und seinen Standort am Hafen vielleicht wie ein gewöhnliches Hafenfest, das Bühnenprogramm sorgt aber dafür, das das Schwedenfest seinen Namen verdient, denn auf der sogenannten Waterkantbühne treten während des viertägigen Festwochenende viele Bands und Formationen aus Schweden auf.

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Ob Volkstanzgruppen, Shantychöre oder Bands, unterhaltungstechnisch kann man dem Wismarer Schwedenfest wahrlich nicht vorwerfen, die schwedische Kultur zu vernachlässigen. Auch außerhalb von Wismar bekommt man übrigens etwas von diesem Volksfest mit, denn wenn in der Wismarbucht die traditionelle Schwedenkopfregatta ausgetragen wird, dominieren die weißen Segel der Segelboote das Meer vor der Hansestadt Wismar. Ob die hundertfünfundfünfzigjährige Schwedenzeit gut oder schlecht für Wismar war, sollten vielleicht besser nur die Leute bewerten, welche zu dieser Zeit unter den sogenannten Drei Kronen gelebt haben. Und unter diesen entstand einst der bekannte Ausspruch. So können die heutigen Bewohner der Hansestadt Wismar mit gutem Gewissen und Gedenken an die früheren Bewohner der Stadt, die gute alte Schwedenzeit durch ihr Volksfest zumindest wieder etwas aufleben lassen.

Internet

www.schwedenfest-wismar.de

Termin

16. bis 19. August 2018
15. bis 18. August 2019
20. bis 23. August 2020