Seebrücke Bansin

Seebrücke Bansin

Seebrücke Bansin


Vergleicht man die Architektur der Seebrücken der drei Kaiserbäder, so fällt die Bansiner Seebrücke durch ihre äußerliche Schlichtheit auf. Während die Ahlbecker Seebrücke über ein historisches Brückenhaus und die Heringsdorfer Seebrücke gleich über mehrere Aufbauten über der Ostsee verfügt, kann das im August des Jahres 1994 eingeweihte Bauwerk mit solchen Details nicht aufwarten, was übrigens nicht an dem Kostenbewusstsein der Erbauer liegt, denn schon der historische Vorgängerbau besaß solche Aufbauen nicht. Betrachtet man historische Postkarten, auf dem die zur Kaiserzeit errichtete Seebrücke zu sehen ist, sind einzig allein die am Strand befindlichen Badeanstalten aufwendig gestaltet. Bei der Seebrücke war dies offenbar nicht mehr notwendig, schließlich begann hier der Badebetrieb deutlich später als im benachbarten Heringsdorf, wo schon Mitte des 19. Jahrhunderts die ersten Badegäste Ruhe und Erholung an der Ostsee suchten. Das Seebad Bansin ist eigentlich nur entstanden, weil viele Badegäste von Heringsdorf aus hierher wanderten, weshalb mehrere Badeanstalten errichtet wurden, welche die Besucher der Insel gerne nutzten.

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Im Jahre 1901 wurde Bansin zu einem Seebad und die Entwicklung verlief schneller als bei den benachbarten Ostseebädern Ahlbeck und Heringsdorf. Schon zehn Jahre später bekamen die Kaiserbäder einen Bahnanschluss in Richtung Wolgast, was die weitere Entwicklung des Badetourismus deutlich beschleunigte. Dass die Bansiner keine aufwendig gestaltete Seebrücke bauten, lag wohl wahrscheinlich an dem sich ändernden Zeitgeschmack. Während sich die hochherrschaftlichen Villen von Heringsdorf in einer bewaldeten Umgebung befinden, verfügen die Villen an der Bansiner Strandpromenade über Meerblick. Wollte man seinerzeit flanieren gehen und dabei das Meer sehen, musste man dieses auf der Seebrücke bewerkstelligen, welche mit entsprechenden Aufbauten versehen war, in denen sich einige Cafés und Restaurants befanden. In Bansin war dieses nicht mehr notwendig, denn von der breiten Strandpromenade aus, konnte man den Blick auf die Ostsee genießen. Eine aufwendig gestaltete Seebrücke war trotz des reichen Klientel des Ostseebades nicht notwendig, beim vorhandene Exemplar war es eher der Nutzen als Anlegestelle für die Ausflugsschiffe, welcher den Besitz einer eigenen Seebrücke notwendig machte.

Nach dem zweiten Weltkrieg gehörte auch das Ostseebad Bansin zu denjenigen Ostseebädern, die durch den Einfluss von ungünstigen Wetterlagen ihre Seebrücken verloren und dank des den damaligen Regierungen, die für diese Bauwerke aus der Kaiserzeit kein Interesse zeigten, über Jahrzehnte keine neue Seebrücke errichten konnten. Bis zum August des Jahres 1994 mussten die Bansiner und ihre Gäste warten, bevor auch sie wieder über den Wellen der Ostsee flanieren konnten. Wer bis zur Spitze der Steges laufen möchte, muss eine Länge von zweihundertfünfundachtzig Metern hinter sich bringen, was im Verhältnis zum in Heringsdorf beheimateten Exemplar doch relativ bescheiden ausfällt, denn diese ist mit ihren fünfhundertacht Metern Länge deutlich größer. Trotz alledem bietet sich von der Bansiner Seebrücke ein Blick, den die übrigen nicht vorweisen können, denn dank der wassernahen Strandpromenade hat man einen wunderbaren Blick auf die Villen im Stil der Bäderarchitektur, welche diesen Weg säumen.