Seebrücke Göhren

Seebrücke Göhren

Seebrücke Göhren


Wenn man weiß dass Göhren so viel wie Berg bedeutet, kann man die Bautätigkeit der Göhrener vieleicht verstehen, welche sich zur Kaiserzeit gleich zwei Seebrücken leisteten. Der Berg auf dem sich das Ostseebad befindet, ist nicht ganz so hoch wie der in der Nähe befindliche Tempelberg, auf dem das Jagdschloss Granitz errichtet wurde, der Aufstieg fällt aber trotzdem recht anstrengend aus. Nachdem sich das einstige Fischerdorf in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts immer mehr zu einem Erholungsort entwickelte, seit dem Jahre 1878 ist Göhren offiziell ein Seebad, war es notwendig geworden, den Ort mit einer besseren Infrastruktur auszustatten, um die Anreise für die Urlaubsgäste angenehmer gestalten zu können. Da zu dieser Zeit noch der Schiffsverkehr die wichtigste Möglichkeit war, um auf die Insel Rügen zu gelangen, wurde der Bau einer Seebrücke notwendig, an der die Fahrgastschiffe sicher und bequem anlegen konnten.

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Als Standort der ersten Seebrücke wählte man den Südstrand, der aber einen entscheidenden Nachteil hatte, denn schließlich fällt dieser Teil der Ostseeküste relativ seicht aus. Man benötigte also einen relativ langen Seesteg, dessen seeseitiges Ende in ausreichend tiefes Wasser führen musste. Im Jahre 1898 war es dann soweit, die äußerlich recht schlichte Seebrücke konnte offiziell eingeweiht werden. Wer nun die Strecke vom Schiff zum Strand zurücklegen wollte, musste aber etwas mehr als tausend Meter Strecke zurücklegen, um dort hinzugelangen. Durch ihre Länge war die am Südstrand befindliche Seebrücke seinerzeit die längste Seebrücke Deutschlands, selbst heutige Seebrücken fallen deutlich kleiner aus. So kann selbst die auf der Insel Usedom befindliche Seebrücke von Heringsdorf nur fünfhundertacht Meter Länge vorweisen. Allzu lange hatten die Göhrener nichts von ihrer Seebrücke, denn aus militärischen Gründen wurden während des Ersten Weltkrieges Teile der Seebrücke abgerissen und später nicht wieder aufgebaut.

Währenddessen entstand am Nordstrand die zweite Seebrücke, welche handwerklich schlicht ausgeführt und mit ihren hundertsechsundzwanzig Metern Länge absolut kein ebenbürtiges Exemplar darstellte. Schließlich war diese zu kurz, damit Schiffe an ihr anlegen konnten, ein aufwendiges Ausbooten wurde daher notwendig. Vom Ausbooten spricht man übrigens wenn die Passagiere auf See in kleine Schiffe umsteigen, mit denen sie dann ans Ufer beziehungsweise an den Steg gerudert wurden. Da dieses nicht unbedingt den Ansprüchen der Reisenden mehr genügte, schließlich war das ein Rückschritt in die Zeiten des sich langsam entwickelnden Badetourismus der Kaiserzeit, wurde der Bau einer neuen Seebrücke notwendig. Im Jahre 1934 errichtete man eine vierhundertfünfzig Meter lange Seebrücke am Göhrener Nordstrand, übrigens in unmittelbarer Nähe des Bahnhofes. Nach dem Krieg nutzte man sie noch ein paar Jahre, bevor sie, wie fast alle Seebrücken im Osten Deutschlands, verfiel und nicht wieder aufgebaut wurde.

Nach der Wiedervereinigung besann man sich auf die Tradition und begann die alten Seebrücken wieder aufzubauen. So auch im Ostseebad Göhren, wo die neue Seebrücke 1993 eingeweiht wurde. Göhren war so das erste Ostseebad mit einer Seebrücke auf der Insel Rügen, Binz folgte im Jahr darauf, Sellin erst im Jahre 1998. Das heutige Exemplar ist mit seinen dreihundertfünfzig Metern Länge deutlich kürzer als der historische Vorgängerbau, dafür wurde sich architektonisch diesem orientiert. Auffällig ist das weiße Brückenhaus mit seinem grünen Dach, der optisch stark an das vormalige Bauwerk erinnert. Bei einem Aufenthalt in Göhren sollte man ruhig die Seebrücke besuchen, von ihr hat man einen schönen Blick auf die Steilküste der Halbinsel Mönchgut, bei klarer Sicht kann man die in nördlicher Richtung gelegenen Kreidefelsen der Halbinsel Jasmund erblicken.