Seebrücke Prerow

Seebrücke Prerow

Seebrücke Prerow


Im Vergleich zu den Ostseebädern auf den größeren Ostseeinseln entwickelte sich der Fremdenverkehr auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst deutlich maritimer. Konnten Orte wie Heringsdorf, Ahlbeck, Bansin, Binz oder Sellin mit Villen im Stil der Bäderarchitektur protzen, waren es in Prerow die zahlreichen Kapitänshäuser mit ihren aufwendig gestalteten Eingangstüren, welche das einstige Fischer- und Seefahrerdorf für Erholungssuchende attraktiv machten. Dieses lag in einer Gegend, welche aufgrund seiner recht abgeschiedenen Lage hauptsächlich Leute anzog, die ruhige Sommermonate verbringen wollten. Unter diesen waren mit Alexej von Jawlensky Erich Heckel und Marianne von Werefkin bekanntlich auch einige Künstler zu finden, welche die unberührte Natur an der Ostsee in ihren Werken festhielten. Prerow stand in diesem Bezug zwar nie auf einer Stufe mit der Insel Hiddensee oder der Künstlerkolonie im benachbarten Ahrenshoop, zog aber deutlich mehr Urlauber an, die in den ersten Jahren noch mit Schiffen anreisen mussten.

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Nach der Fertigstellung der Darßbahn am 30. November des Jahres 1910 mit der man nun bequem mit der Bahn anreisen konnte, verlor die Seebrücke ihre einstige Bedeutung für die An- und Abreise der zahlreichen Badegäste, behielt aber einen Nutzen für die Fahrten mit den Ausflugsschiffen, die entlang der Ostseeküste fuhren. Betrachtet man sich alte Ansichtskarten des Ostseebades aus der Kaiserzeit, findet man auf diesen Karten auch Abbildungen der einstigen Seebrücke, welche von mehreren Badeanstalten umgeben war. Es war eher die Funktionalität als Landungsbrücke, welche die Prerower bewog, ihre Seebrücke zu errichten und nicht der Anspruch mit einer prunkvollen Seebrücke die anreisenden Gäste zu beeindrucken, wie es die großen Ostseebäder taten. Aufgrund ihrer etwas abseits gelegenen Lage, sie befand sich hinter dem Prerowstrom, war sie auch nicht als Promenade geeignet, diese befand sich eher im Ortsinneren. Auch die Badeanstalten fielen recht schlicht aus und passten sich so dem Ortsbild an, welches auch heutzutage die Gäste sein maritimes Erbe erleben lässt.

Reetgedeckte Kapitänshäuser dominieren die Architektur des ursprünglichen Ortes, die Villen aus der Kaiserzeit fallen im Vergleich zu anderen Ostseebädern recht bescheiden aus, die schlichte Prerower Seebrücke passte daher wunderbar in das Bild des Ortes. Das sahen die Machthaber in der DDR aber etwas anders, denn sie sahen in Seebrücken ein Relikt der Kaiserzeit und für deren Erhaltung hatten sie keine Gelder übrig. So wurde die durch Witterung zerstörte Seebrücke nicht wieder aufgebaut sondern abgerissen. Prerow musste wie viele andere Ostseebäder Mecklenburg-Vorpommerns mehrere Jahrzehnte auf Ersatz warten, denn erst im Jahre 1993 konnte die neue Seebrücke offiziell eingeweiht werden. Das neue Exemplar fiel zwar recht bescheiden aus, mit seiner Länge von dreihundertfünfundneunzig Metern ist sie nicht nur die längste Seebrücke der Halbinsel Fischland-Darß Zingst, sondern auch eine der längsten Seebrücken Mecklenburg-Vorpommerns, denn nur die Seebrücke von Heringsdorf fällt deutlich länger aus. Die in Sichtweite gelegene Seebrücke von Zingst ist mit zweihundertsiebzig Metern Länge deutlich kürzer, aber etwas größer als die zweihundertdreißig Meter lange Seebrücke von Wustrow.