Seebrücke Zinnowitz

Seebrücke Zinnowitz

Seebrücke Zinnowitz


Alte Ansichtskarten können meist sehr viel erzählen, so auch diejenigen Karten mit der Zinnowitzer Seebrücke als Motiv, welche Anfang des letzten Jahrhunderts entstanden sind. Auf den früheren Abbildungen erkennt man den im Jahre 1908 errichteten Bau mit einer strandseitigen Seebrückenhalle, bei der noch der dreihundertfünfzig Meter lange Seesteg fehlt. Dieser wurde ein Jahr später ergänzt und ermöglichte den mit Dampfschiffen aus Stettin anreisenden Badegästen eine bequeme An- und Abreise. Bis dahin war der Weg in die Seebäder der Insel Usedom recht beschwerlich. Direkte Eisenbahnverbindungen gab es zu dieser Zeit noch nicht, so dass das erste Ziel einer Reise die Stadt Stettin war, von wo aus mehrere Linienverbindungen gab, mit denen die Urlaubsgäste der Kaiserzeit ihren Urlaubsort erreichen können. Vor der Errichtung der Seebrücken war diese Ankunft noch recht umständlich, denn die Passagiere mussten mittels kleiner Boote an den Strand gerudert werden, da es keine natürlichen Häfen auf der Seeseite der Insel Usedom gab. Am seeseitigen Ende der Seebrücke hatten die Passagierschiffe nun ausreichend Tiefgang, um hier sicher anlegen zu können.

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Die hölzerne Seebrücke von Zinnowitz entwickelte sich wie bei allen Ostseebädern zu einem der Mittelpunkte des Ortes, an welchem man nicht nur seinen Aufenthalt begann und leider auch beenden musste, sondern auch zum Flanieren nutzen und in den auf der Seebrücke befindlichen Restaurants einkehren konnte. Mit den Jahren wuchs auch der Urlauberverkehr, so dass die Seebrücke immer mehr Besucher anzog. Aber auch die Naturgewalten hatten sie als Ziel auserkoren. Herbstliche Stürme und eisige Winter machten auch vor ihr keinen Halt, so dass bei einer Sanierung in den 30ér Jahren aus Kostengründen auf einen Teil aufwendigen Aufbauten verzichtet werden musste. Sie blieb zwar noch immer ein beliebtes Ausflugsziel der Urlaubsgäste, machte nun aber einen optisch schlichteren Eindruck. Während die Seebrücken in Binz und Sellin den eisigen Winter des Jahres 1942 nicht überstanden, konnte die Zinnowitzer den tobenden Naturgewalten trotzen. Das sollte ihr aber auch nicht viel nützen, nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war schließlich kein Geld für die Unterhaltung des Bauwerkes vorhanden, die Substanz wurde über die Jahre maroder und musste letztendlich abgerissen werden.

Während auf der Insel Usedom nur das Brückenhaus der Ahlbecher Seebrücke die Zeit der DDR überstand, mussten die alle anderen Seebäder der Insel nach der Wende von Grund auf neue Seebrücken errichten. So auch im Ostseebad Zinnowitz, wo im Hernst des Jahres 1993 das neue Bauwerk errichtet und als Vinetabrücke eingeweiht wurde. Mit ihren dreihundertfünfzehn Metern Länge ist sie zwar etwas kleiner als das historische Vorbild aus der Kaiserzeit, zudem verfügt sie über keine markanten Aufbauten mehr, die errichtete Konstruktion aus Holz, Stahl und Beton verspricht aber eine höhere Widerstandsfähigkeit gegenüber den widrigen Wetterlagen, welche die Existenz solcher Bauwerke gefährden. Die Besonderheit der Zinnowitzer Seebrücke ist aber die am seeseitigen Ende befindliche Tauchgondel, welche am 21. Juli des Jahres 2006 in Betrieb genommen wurde. Inzwischen besitzen auch andere Seebrücken in Mecklenburg-Vorpommern, wie beispielsweise die in den Ostseebädern Sellin und Zingst über ein ebensolches Angebot, die Zinnowitzer können sich aber damit rühmen, das weltweit erste Exemplar einer Tauchglocke zu haben.