Tanzlinde Galenbeck

Tanzlinde Galenbeck

Tanzlinde Galenbeck


Für die Germanen war der Wald ein heiliger Ort. Insbesondere die Linde, welche der Göttin Freya geweiht war, hatte es ihnen angetan. Der Lindenbaum, der im Zentrum des Dorfes zu finden war, bildete das Zentrum des dörflichen Lebens. Hier traf man sich, hier wurde Gericht gehalten, hier wurde gefeiert. Wie bei vielen der mittelalterlichen Bräuche, kann man die Ursprünge der Tanzlinden bei den Germanen suchen, deren Verehrung der Linden in ihren Mythen und Legenden überlebt hat. Die Tanzlinden haben ihren Ursprung in Süddeutschland, wo sich in Thüringen, Oberfranken, Hessen und Württemberg Zentren herausbildeten, in denen der Brauch gelebt wurde. Die ersten Tanzlinden wurden nachweislich im 17. Jahrhundert errichtet, von diesen sind aber nur noch wenige Exemplare erhalten geblieben. Offensichtlich waren es die imposanten Bäume, welche die Menschen zu dieser Zeit bewog, nicht nur um die Bäume herum, sondern in ihnen zu tanzen, als sie die erste Tanzlinde nach ihren Vorstellungen formten.

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Hierzu wurde um die Linde herum ein Gerüst errichtet, unter welchen die unteren Äste entlang geleitet wurden und an Spalieren nach oben wuchsen. Für die Betrachter schien die Tanzlinde das Gewicht des in ihr befindlichen Tanzbodens zu tragen, welcher aber auf den Stützbalken ruht. Die älteste noch existierende Tanzlinde steht im thüringischen Sachsenbrunn und soll in der Mitte des 17. Jahrhunderts gepflanzt worden sein. An deren Geschichte kann man nachvollziehen, dass es für gewöhnlich mehrere Jahrzehnte dauerte, bis der gepflanzte Baum durch das Leiten der Äste und einen gezielten Baumschnitt die endgültige Form erhielt, die er benötigte, um als Tanzlinde dienen zu können. Der Tanzboden befindet sich für gewöhnlich in einer Höhe von zwei bis drei Metern und ist über eine Treppe zu erreichen. Im Gegensatz zum süddeutschen Raum, wo man beginnt, die alte Tradition wieder aufleben zu lassen, waren Tanzlinden in Norddeutschland wohl eher eine Seltenheit.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass es sich bei der Galenbecker Tanzlinde nicht nur um die einzige Tanzlinde Mecklenburg-Vorpommerns handelt, sie ist auch das einzige Exemplar im gesamten norddeutschen Raum. Auf etwa hundertfünfzig bis zweihundert Jahre wird das Alter des Baumes geschätzt, der seinen Platz im Gutspark von Galenbeck gefunden hat. Wie bei ihren süddeutschen Vorbildern wurden die Äste der Linde auf zwei Ebenen in Form gezogen, so dass die unteren als Tragäste für den Tanzboden fungierten, die oberen als Dach fungierten. Während die unteren Tragäste fast vollständig abgestorben sind, bieten die oberen Äste noch immer das Bild von einem blätterdach, welches die Tanzgesellschaft vor regnerischem Wetter oder starken Sonnenschein schützte. Allzu gut ist der Erhaltungszustand des Baumes nicht, dessen Stamm inzwischen völlig hohl ist. Aufgrund dessen wurde nicht nur die Baumkrone massiv gestutzt, sodass diese heutzutage eine recht kugelige Form aufzuweisen hat, sondern auch das hölzerne Fachwerkgerüst erneuert, welches den Tanzboden trägt.