Usedomer Heringswochen

Hering

Hering


Bis vor einigen Jahren konnte man noch mit Fug und Recht behaupten, dass der Hering der beliebteste Speisefisch der Deutschen ist, dann aber wurden die von der Europäischen Union vorgegebenen Fangquoten gesenkt, so dass der Hering von seiner Spitzenposition verdrängt wurde. Ihr übriges taten die Discounter, die inzwischen die Hälfte des deutschen Fischmarktes erobert haben, denn als sie vermehrt Fisch und Fischprodukte in ihr Sortiment aufgenommen hatten, wurde der Alaska-Seelachs die unangefochtene Nummer Eins in Deutschland. Den Alaska-Seelachs, der eigentlich kein Lachs, sondern ein Dorsch ist, findet man hauptsächlich als Schlemmerfilet oder Fischstäbchen in den Tiefkühltruhen wieder. Der Hering kann sich zumindest damit trösten, deutlich wandlungsfähiger zu sein, denn in Form von Brathering, Rollmops, Matjes, Bismarckhering, Bückling, Heringssalat oder in einer Fischkonserve, diese bevorzugt mit Tomatensoße, kann er selbst im Supermarktregal die verschiedensten Geschmäcker der Kunden befriedigen.

Anzeige

Dass der Hering auch in der Küche äußerst wandlungsfähig ist, beweisen seit einigen Jahren die Küchenchefs entlang der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns immer dann im Frühjahr, wenn dem Hering gleich mehrere kulinarische Veranstaltungen gewidmet werden. Die Küchenchefs der Insel Usedom waren mit dabei die Vorreiter in Mecklenburg-Vorpommern, denn die Geschichte der Usedomer Heringswochen lässt sich bis ins Jahr 1997 zurückverfolgen. Die Heringsfischerei ist aber deutlich länger auf der Insel etabliert, ein Zeugnis der vergangenen Zeiten stellen die Anfang des 19. Jahrhunderts errichteten Salzhütten dar, welche man im Ostseebad Koserow bewundern kann. Zu dieser Zeit litten die hiesigen Fischer und ihre Familien große Not, so dass der preußische Staat ihnen ein besseres Einkommen ermöglichte, indem sie die frischgefangenen Fische an Ort und Stelle mit steuerfreiem Salz haltbar machen konnten. Nebenbei verbesserte man damit natürlich auch die Versorgung des Hinterlandes mit Fisch.

Anzeige

Reich wurden die Fischer mit ihrer Arbeit aber nie, das von der Insel Usedom stammende Märchen vom Fischer und seiner Frau spricht eine deutliche Sprache, reich wurden nur die Händler, genauer gesagt die hanseatischen Kaufleute, welche ihren Reichtum mit Backsteinen ein Denkmal setzen konnten. Der Hering selbst hatte jahrhundertelang kein allzu gutes Image, galt er doch als Speise der armen Leute. In diesem Zusammenhang wird immer wieder gern der Reichskanzler Otto von Bismarck zitiert, welcher der Meinung war, dass man den Hering mehr schätzen würde, wenn er genauso teuer wie Kaviar wäre. Wirklich teuer ist der Hering trotz der niedrigeren Fangquoten zwar immer noch nicht, was ihn auf den Speisekarten der meisten Restaurants den Status eines preiswerten Fischgerichts verhilft. Wahrscheinlich dürfte es sich hierbei um den klassischen Brathering mit Bratkartoffeln und Salat handeln, der von den Gästen am häufigsten geordert wird.

Da es aber Usedomer Heringswochen und nicht Usedomer Bratheringswochen heißt, haben sich die Küchenchefs der teilnehmenden Restaurants die Messlatte deutlich höher gehängt, denn mit dem Goldenen Hering ist es eine öffentlichkeitswirksame Auszeichnung, mit welcher man sich und sein Restaurant gerne schmückt. Um dem vom Usedomer Köche-Klub verliehenen Preis gewinnen zu können, muss man aber mehr als nur frische Fische in einer Pfanne zu braten, denn dafür benötigt man schon etwas mehr an Kreativität und Kochkunst. Während die Köche bei den Vorspeisen und Hauptgerichten eher wenig Probleme haben dürften, sich kulinarisch auszutoben, sieht es bei den Desserts schon deutlich anders aus, denn diese sind die sogenannte Königsdisziplin bei Heringsgerichten. Zumindest bei der Usedomer Heringsgala, mit dem die kulinarischen Wochen auf der Insel Usedom eingeleitet werden, können sich die Köche vor dieser Herausforderung nicht drücken, denn in wirklich jedem Gericht des mehrgängigen Menüs ist der Hering eine Zutat. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass es nur um die besten Köche der Insel sind, welche an dem Abend um das leibliche Wohl der Gäste sorgen.

Beginnen die Usedomer Heringswochen schon mit Spitzengastronomie, so muss das Ende doch etwas bodenständiger sein. In diesem Fall ist das Ende das Koserower Heringsfest, bei dem es deutlich maritimer zugeht. Das fängt schon damit an, dass das kleine aber feine Volksfest traditionell mit dem Heringspulen eröffnet wird, und endet mit einem Unterhaltungsprogramm, bei dem natürlich die klassischen Seemannslieder und Shantys nicht fehlen dürfen. Wer keinen Hering mögen sollte, ist hier aber fehl am Platze, denn passend zum Motto der Veranstaltung, besteht beim Koserower Heringsfest das Angebot an Speisen nur aus rustikaleren Heringsgerichten. Anders sieht es natürlich während der kulinarischen Wochen aus, wenn die jeweiligen Küchenchefs den Gästen ihre Kreativität beweisen müssen. Der wohl beliebteste Klassiker, der Brathering mit Bratkartoffeln, darf natürlich auf keiner Speisekarte fehlen, aber ansonsten bildet nur der Genuss die Grenze des für die Gäste Zumutbaren. Beim Studieren der Speisekarten kann man schon die Kreativität des jeweiligen Küchenchefs ablesen. Wem die Auswahl an Restaurants zu groß ist, sollte sich vielleicht für einen der letzten Preisträger des Goldenen Herings entscheiden.

Internet

www.usedom.de

Termin

siehe unter kulinarische Veranstaltungen