Usedomer Winterbadespektakel Ahlbeck

Usedomer Winterbadespektakel

Usedomer Winterbadespektakel


Die schwierige Frage, wer am Ende des Usedomer Winterbadespektakels stärker durchgefroren ist, das ausharrende Publikum oder die aktiven Eisbader, beantwortet letztendlich immer das Wetter, denn wenn Mitte April knackige Minusgrade herrschen sollten, macht sich das stundenlange Stehen am Absperrzaun ebenso bemerkbar, wie ein Bad in den eiskalten Fluten der winterlichen Ostsee. Man kann sich zwar dick anziehen, wer aber einen guten Platz am Zaun ergattern möchte, muss sich rechtzeitig vor Ort einfinden und kann diesen dann nicht mehr verlassen, so dass die fehlende Bewegung ihr Übriges dazu beträgt, dass man die Kälte in den Knochen spürt. Besonders begehrt sind die Plätze direkt am Podest, da auf diesem die Vorstellung der teilnehmenden Eisbader vollzogen wird, die sich nach ihrer Vorstellung wieder ins beheizte Zelt begeben und dort auf ihren großen Auftritt, sprich auf das das gemeinsame Bad in der Ostsee warten.

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Eisbadeevents gibt es in Mecklenburg-Vorpommern zwar einige, das Usedomer Winterbadespektakel hebt sich aber aus mehreren Gründen von der Masse ab. So schafft es die schon seit dem Jahre 1995 organisierte Veranstaltung regelmäßig, die größten Anzahl von teilnehmenden Eisbadern vermelden zu können, denn aufgrund der unmittelbaren Nähe zu Polen reisen auch viele polnische Eisbadevereine mit ihren Mitgliedern ins Ostseebad Ahlbeck. Auch der Teil mit der für die Eisbader üblichen Verkleidung ist in Ahlbeck anders gelöst, denn während sich anderswo die Eisbader mit irgendwelchen Kostümen verkleiden, steht das Usedomer Winterbadespektakel in jedem Jahr unter einem anderen Motto, was natürlich die Kreativität der Leute befruchtet, die natürlich ihre publikumswirksamen Auftritte mit den auffälligsten Kostümen bestreiten wollen, denn so gesehen bildet das Bad in der winterlichen Ostsee nur das Ende ihrer Präsentation.

Und für eine richtige Präsentation braucht man natürlich einen Laufsteg. So kommt es dazu, dass sich das Usedomer Winterbadespektakel für gut anderthalb Stunden zu einer Bademodenschau der etwas anderen Art verwandelt, bei der die Teilnehmer des Eisbadeevents sich und jeweiligen ihre Kostümkreationen vorstellen. Und diese anderthalb Stunden benötigt man auch um alle Kostüme zu präsentieren, welche beim Publikum mehr oder weniger Begeisterung hervorrufen, bei der Jury aber für gewöhnlich für ein großes Kopfzerbrechen sorgen, da diese nun vor der Aufgabe steht, aus den vorgestellten Kostümen die kreativsten Schöpfungen auszuwählen. Diese Aufgabe dürfte alles andere als einfach sein, denn schließlich sind in jedem Jahr mehr als zweihundert Eisbader, die beim Usedomer Winterbadespektakel mitmachen und natürlich auch auf einen der ausgelobten Pokale spekulieren, die in den unterschiedlichsten Kategorien vergeben werden.

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Ehrlicherweise muss man aber auch sagen, dass in einigen Kategorien mehr Glück als Kreativität erforderlich ist, denn beispielsweise bekommt der jüngste und der älteste Eisbader einen Pokal, aber auch derjenige Eisbader mit der weitesten Anreise. Diese Pokale dienen dann doch mehr um zu zeigen, wie sehr einige Leute dazu bereit sind, auf die Insel Usedom zu fahren um dann dort im eisigen Wasser der Ostsee zu baden. Die Schwierigkeit der Aufgabe die kreativsten Kostümierungen zu bestimmen relativiert sich übrigens aus noch etwas, da es neben der nach dem Geschlecht gruppierten Einzelwertungen auch eine Gruppenwertung gibt. Nach dem kühlen Bade können sich daher die kreativste Frau, der kreativste Mann und das kreativste Team über einen der ausgelobten Pokale freuen. Um aber einen der Pokale in den Händen halten zu können, muss die eigene Kreativität schon deutlich über dem Durchschnitt liegen, denn das Usedomer Winterbadespektakel ist quasi die Königsdisziplin für Eisbaderoutfits in Mecklenburg-Vorpommern.

Bevor die zahlreichen Eisbader ihren großen Auftritt haben, dient der spätere Laufsteg schon als Bühne für einen Teil des Unterhaltungsprogramms, welches anderthalb Stunden vor der offiziellen Eröffnung beginnt. Wer dann bis zur Übergabe der Pokale seinen Platz nicht verlassen haben sollte, hat dann gut vier Stunden vor Ort verbracht und sich einen wärmenden Glühwein redlich verdient. Die große Anzahl an Eisbadern ist übrigens auch der Tatsache geschuldet, dass das Usedomer Winterbadespektakel terminlich nicht mit anderen Eisbadeevents in Konkurrenz tritt, denn viele der anderen Ostseebäder nutzen dafür den Neujahrstag und werben mit den ersten Badegästen des Jahres. Wenn dann das Ostseebad Boltenhagen zum Neujahrsbaden, das Ostseebad Karlshagen zum Neujahrsspektakel, das Ostseebad Kühlungsborn zum Neujahrsanbaden, das Ostseebad Prerow zum Anbaden und das Ostseebad Warnemünde zum Neujahrsschwimmen aufrufen, verteilt sich die Menge an potentiellen Eisbadern auf so viele Standorte, dass ein ähnlich großes Teilnehmerfeld gar nicht realisierbar wäre.

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So oder so bleibt das Eisbaden eine derjenigen Sportarten, welche wohl die wenigsten Leute selbst betreiben wollen, denn schließlich benötigt man mehr als nur etwas Überwindung, um sich der Kälte auszusetzen. Eisbaden ist prinzipiell gesundheitsfördernd, da sich die Widerstandskraft des Körpers dadurch deutlich verbessert. Man benötigt dafür aber ein langfristiges Training, welches für gewöhnlich im Herbst beginnt, um sich so Schritt für Schritt, oder besser gesagt Badegang für Badegang, gegen die winterlichen Temperaturen abhärten zu können. Daher bietet die Art und Weise, wie das Ergebnis der schon monatelang zuvor betriebenen Badegänge der Öffentlichkeit präsentiert wird, für die anwesenden Zuschauer einen hohen Unterhaltungswert. Als Zuschauer sollte man jedenfalls hoffen, dass der Winter recht milde ist. Nicht nur weil man dann selbst nicht so stark frieren muss, denn bei einer zugefrorenem Ostsee können für gewöhnlich die Eisbader aus Sicherheitsgründen nicht mehr ins Wasser gehen.

Termin

Mitte Februar

Internet

www.kaiserbaeder-auf-usedom.de