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Ostseebad Warnemünde

Leuchtturm Warnemünde

Leuchtturm Warnemünde


Heutzutage erinnert nicht mehr viel an die Zeit, in der Warnemünde quasi das Armenhaus der Hansestadt Rostock war. Erworben im Jahre 1323, sollte das an der Mündung der Warnow gelegene Fischerdorf den freien Zugang der Rostocker Kaufleute zur Ostsee sichern, mehr nicht. Eine Konkurrenz ließen die Rostocker aus ihrer Erwerbung nicht erwachsen, eine langjährige Auseinandersetzung um Schifffahrt und Fischereirechten, dem sogenannten Warnemünder Schifferstreit, wurde von Herzog Ulrich von Mecklenburg-Güstrow zugunsten der Rostocker Schiffergesellschaft entschieden, was dazu führte, dass die Warnemünder keine Schiffe mehr besitzen durften. Ihre Forderung, dass Warnemünde nur ein Fischerlager ist und auch bleiben soll, ließen sich die einflussreichen Rostocker Zünfte in Verordnungen festschreiben, die erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts nach und nach aufgehoben wurden.

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Da sich keine Handwerker in Warnemünde niederlassen konnten, blieb der Ort jahrhundertelang wirtschaftlich unbedeutend, jedenfalls solange bis auch hier das Badewesen einzog. Nachdem der Herzog Friedrich Franz I. von Mecklenburg-Schwerin mit Heiligendamm das erste deutsche Seebad begründete, dauerte es nicht allzu lange, bis auch am Strand von Warnemünde die ersten Leute ein Bad in der Ostsee nahmen. Im Juni 1812 war es der Forstinspektor Hermann Friedrich Becker, der sich in das kühle Nass stürzte, wovon noch heute eine Gedenktafel an der Vogtei zeugt. Diese ist das älteste Gebäude des heutigen Ostseebades und das einzige Zeugnis der mittelalterlichen Geschichte des Ortes. Warnemünde war zu dieser Zeit noch recht überschaubar. Mit der Vörreeg und der Achterreeg durchzogen nur zwei Straßen den am Ufer des Alten Stroms gelegenen Ort, der sich dank des stetig wachsenden Tourismus prächtig entwickeln sollte.

Ein Zeugnis dafür ist die neugotische Kirche von Warnemünde, welche einst als Ersatz für die baufällige Dorfkirche am Rand des Fischerdorfes errichtet wurde und sich nun inmitten des Ortes befindet. Von der Existenz des mittelalterlichen Kirchenbaus zeugen heute noch der spätgotische Flügelaltar und die Kanzel, die einen Platz in der neuen Kirche gefunden haben. Ein tieferen Einblick in die Geschichte des Ortes bietet das Heimatmuseum, welches in einem im Jahre 1767 erbauten Fischerhaus untergebracht wurde. Hier kann man erfahren wie die Warnemünder früher gelebt und gearbeitet haben und wie sich aus einem unbedeutenden Fischerdorf eines der größten deutschen Seebäder entwickelte. Es waren die Fischer und Seeleute, welche vom Aufschwung des Badewesens profitieren konnten, denn sie waren es welche den Badegästen Unterkünfte vermieteten. Mit den vor ihren Häusern aus Holz und Glas errichtete Veranden konnten sie das gravierende Platzproblem elegant lösen und dem heutigen Ostseebad einen eigenen Stempel aufdrücken.

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Sind es in anderen Ostseebädern wie Heringsdorf oder Binz die Gebäude der sogenannten Bäderarchitektur, die von der Pracht der Kaiserzeit zeugen, sind es in Warnemünde die dagegen sehr bescheiden wirkenden Fischerhäuser, die den Charme des Ostseebades ausmachen. Zumindest im Bereich des Alten Stroms, denn östlich vom alten Ortskern begann man in späteren Jahren auch Villen und größere Hotels zu errichten. Da sich aber auch die Seefahrt weiterentwickelte, erhielt Warnemünde im Jahre 1898 sein erstes Wahrzeichen, als der Leuchtturm fertiggestellt und in Betrieb genommen wurde. Wer die hundertfünfunddreißig Stufen der Wendeltreppe erklommen hat, bekommt einen schönen Rundumblick über die nähere Umgebung des Leuchtturms geboten. Auf der Promenade entlang des Alten Stroms, der seinen ursprünglichen Nutzen für den Hafen verloren hatte, nachdem im Jahre 1903 der Neue Strom eröffnet wurde, pulsiert das Leben des Ostseebades.

Kleine Cafés, Restaurants und Boutiquen reihen sich nebeneinander die Straße entlang, Fischbrötchenkutter und Ausflugsschiffe liegen entlang der Kaikante bis hin zur Bahnhofsbrücke, welche das historische Warnemünde mit dem Bahnhof verbindet. Nicht weit von diesem entfernt befindet sich das Warnemünde Cruise Center, welches Warnemünde zum größten Kreuzfahrthafen Deutschlands macht. Das im Jahr 2005 offiziell eröffnete Terminal ist eher winzig im Vergleich zu den Kreuzfahrtschiffen, welche fast jeden Tag in Warnemünde anlegen, und manchmal doch eher den Eindruck eines Hochhauses bei den Betrachtern hinterlassen. Wer diesen Ozeanriesen etwas näher kommen möchte, kann dies bei einer Hafenrundfahrt machen. Ein wirkliches Hochhaus sieht man, wenn man den Blick in westliche Richtung lenkt, denn hier steht das im Jahre 1971 eröffnete Hotel Neptun, mit der die DDR dereinst nicht nur Devisen einnehmen, sondern auf elegante Art und Weise auch ausländische Besucher aushorchen wollte.

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Eine Besonderheit des Hotelgebäudes ist die Tatsache, dass alle der gut dreihundertfünfzig Hotelzimmer einen Meerblick haben. Während das Hotel Neptun wie ein Klotz in der Landschaft wirkt, gibt es mit dem Teepott ein weiteres Bauwerk aus der Zeit, welches sich in das Ortsbild von Warnemünde eingefügt hat und zusammen mit dem Leuchtturm ein Ensemble bildet. Auch hier war es der Rüganer Bauingenieur Ulrich Müther, der sich für die Konstruktion des Hyparschalendaches verantwortlich zeigte und damit für Warnemünde ein neues Wahrzeichen schuf. Der Teepott wurde im Jahre 1968 an dem Platz errichtet, an dem zuvor ein kreisrunder Teepavillon stand, der das Opfer einer Brandstiftung wurde. Dieser wurde im Volksmund als Teepott betitelt, ein Name der für den Nachfolgerbau übernommen wurde, schließlich sollte auch in diesem wieder ein Café einziehen. Dass man in diesem die geschwungene Deckenkonstruktion nicht mehr in der ursprünglichen Form bewundern kann, ist einer Sanierung geschuldet, durch die das Gebäude mit dem Einbau von Zwischenwänden räumlich unterteilt wurde.

Mit dem Aufblühen des Badetourismus wurde auch in Warnemünde der Wunsch nach einem repräsentativen Kurhaus größer, da aber die Mühlen der Bürokratie langsam mahlen, dauerte es recht lange bis der Bau Realität wurde. Aber auch der Erste Weltkrieg sollte die Bauarbeiten für einige Jahre verzögern, so dass das Kurhaus erst im Mai des Jahres 1928 offiziell eröffnet werden konnte. Südlich vom Kurhaus befindet sich nicht nur der Kurgarten mit seiner Konzertmuschel, denn hinter diesem schließt sich direkt der Kurpark an, der eine grüne Oase inmitten des Ostseebades darstellt. Während man hier noch Ruhe finden kann, spielt sich das Leben am Strand ab, welcher im Bereich der Westmole gut hundertfünfzig Meter breit sein soll. In Richtung Westen nimmt die Breite des Strandes dann aber deutlich ab. In welchem Bereich des Strandes sich eine gewisse Elfriede von Maltzahn aufhalten wollte, ist nicht überliefert, dafür ihr Wunsch nach einer windgeschützten Sitzgelegenheit, da diese stark an Rheuma litt.

Der Empfänger ihrer Worte war der Rostocker Korbmacher Wilhelm Bartelmann, der ihren Wunsch erfüllte und im Jahre 1882 den Strandkorb erfand. Seine Erfindung sollte sich als Verkaufsschlager herausstellen, durch den übrigens auch andere seiner Familienmitglieder profitieren konnten, denn seine Frau Elisabeth eröffnete am Strand von Warnemünde den weltweit ersten Strandkorbverleih. Wer das Ostseebad Warnemünde in Richtung Westen verlässt kann die Ostseeküste in seiner natürlichen Ausprägung erleben, denn an den belebten Sandstrand schließt sich das Naturschutzgebiet Stoltera an, welches mit eine Steilküste von bis zu zwanzig Metern Höhe aufwarten kann. Dieses ist durch einen Küstenwanderweg erlebbar, der in Richtung des Ostseebades Dierhagen führt. Bei einer Wanderung kann man die Dimensionen unseres Universums erfahren, denn mit dem Leuchtturm als Sonne und Ausgangspunkt des astronomischen Pfades, findet man am Wegesrand die relativen Entfernungen der Planeten von diesem.

Interessanter dürfte aber die Natur des Naturschutzgebietes sein, die von Buchen und Eichen dominiert wird, besonders im Herbst, wenn deren Blätter bunt gefärbt sind. Wer anschließend zurück durch den Ort wandert, wird auf eine Mühlenstraße stoßen, die nach der Holländer-Galeriewindmühle benannt ist, welche im Jahre 1867 errichtet wurde. Damals stand die Windmühle noch auf einer grünen Wiese, weitab des Fischerdorfes, heutzutage befindet sich die denkmalgeschützte Bauwerk inmitten von Häusern und beherbergt unter ihren Flügeln ein Restaurant. Eine Künstlerkolonie sollte Warnemünde zwar nie beherbergen, mit dem norwegischen Expressionisten Edvard Munch, der mit seinem Schrei weltberühmt wurde, lebte und arbeitete ein bekannter Maler vor Ort. Dieser wohnte seinerzeit im Fischerhaus Am Strom 53, welches heutzutage als Edvard-Munch-Haus eine kleine Galerie und ein Künstlerhaus mit Ateliers beherbergt.

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Während sich für die Kunst eher wenige Leute interessieren, ist es bei den Veranstaltungshöhepunkten des Ostseebades ein Vielfaches. Das Jahr beginnt traditionell am 1. Januar mit dem Warnemünder Turmleuchten, welches zuvor als Leuchtturm in Flammen aus den Millenniumsfeierlichkeiten hervorging. Inzwischen lockt dieses Ereignis mit seinen aufwendigen Lichtinstallationen, Lasershows, Feuerwerken und Musik tausende Besucher am ersten Tag des neuen Jahres ins Ostseebad. Ähnlich kalt dürfte es beim Warnemünder Wintervergnügen sein, welches für gewöhnlich Ende Januar veranstaltet wird. An dem Wochenende verwandeln sich der winterliche Strand und die Promenade des Ostseebades in eine Vergnügungsmeile mit verschiedenen Aktivitäten. So feiern unter anderem die Rostocker Seehunde ihren Eisbaderfasching. Die Saison selbst wird Anfang Mai mit dem Warnemünder Stromerwachen eröffnet.

Den unangefochtenen Höhepunkt des Jahres stellt die Hanse Sail dar, zu der Jahr für Jahr eine Millionen Besucher nach Rostock und Warnemünde kommt, um hier die bis zu zweihundert historischen Segelschiffe in Aktion zu sehen. Im Gegensatz zur Warnemünder Woche, dem zweitgrößten maritimen Event in Warnemünde, besteht bei der Hanse Sail die Möglichkeit auf vielen der Segelschiffe mitfahren zu können. Mit dem Anfang September gefeierten Stromfest läutet das Ostseebad Warnemünde die Saison aus. Bis dahin erwartet die Warnemünder und ihre Gäste ein erlebnisreiches Jahr beispielsweise mit den Rostock Port Partys, bei denen mehrmals im Jahr auslaufende Kreuzfahrtschiffe mit Livemusik und einem Feuerwerk über der Warnow verabschiedet werden. Da das Ostseebad Warnemünde ein Stadtteil von Rostock ist, hat man es dank der S-Bahn-Linie nicht wirklich weit bis zum Meer beziehungsweise in die Innenstadt. Das Einzige, womit das Ostseebad Warnemünde nicht dienen kann, ist eine Seebrücke

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