Wasserschloss Mellenthin

Wasserschloss Mellenthin

Wasserschloss Mellenthin


In Mellenthin, mitten Zentrum der Insel Usedom, sollte die Familie von Neuenkirchen ihre neue Heimat finden. Seit dem Jahre 1336 ist ihr Besitz der Güter Mellenthin und Gothen belegt, wobei sie sich wie alle adligen Grundbesitzer der Region einen Turmhügel errichteten. Noch heutzutage bezeugen die Reste ihres ursprünglichen Wohngebäudes von den bescheidenen Anfängen des Mellenthiner Gutes, an denen unachtsame Wanderer leicht vorbeilaufen werden. Allzu auffällig ist der übriggebliebene Hügel nicht, den man südöstlich des heutigen Wasserschlosses vorfindet. Allzu groß dürfte die Turmhügelburg nicht ausgefallen sein, in der die neuen Gutsherren eine doch recht beengte Unterkunft vorgefunden haben. Angenehm war das Leben im Turm zwar nicht wirklich, dafür bot dieser in den Anfangstagen der deutschen Ostbesiedlung ausreichend Schutz vor plündernden Raubrittern oder unliebsamen Nachbarn. Ein auf einem künstlichen Hügel errichteter Turm, der mit einem Wassergraben umgeben wurde, war für die adeligen Gutsherren schnell und kostengünstig zu errichten. Da viele dieser Burgen nur einfache Holztürme waren, blieb meist nur die Hügel erhalten, welche, in den später angelegten Gutsparks integriert, von der einstigen Existenz zeugen.

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Im 16. Jahrhundert begannen die Gutsbesitzer damit ihre bescheidenen Wohntürme zu verlassen und sich komfortablere Gutshäuser zu bauen. Die Familie von Neunkirchen war keine Ausnahme, wie das in den Jahren von 1575 bis 1580 errichtete Wasserschloss belegt, welches Rüdiger von Nienkerken in Auftrag gab. Als Rat von Herzog Ernst Ludwig von Pommern-Wolgast, der wegen seiner regen Bautätigkeit in die Geschichtsbücher eingehen sollte, hatte er wie viele seiner Vorfahren, die Positionen als Vögte innehatten, an Macht und Einfluss gewonnen, weshalb er ein angemessenere Residenz für sich und seine Familie benötigte. Zu dieser Zeit weilte der italienische Baumeister Antonio Wilhelmi in Pommern und gestaltete das Stettiner Schloss um. Unter anderem wegen dieser Tatsache vermutet man in ihm den Architekten des Mellenthiner Schlosses, was durchaus möglich wäre, denn beispielsweise soll sich auch der Erbauer des Stockholmer Schlosses Nicodemus Tessin der Jüngere für das Schloss Griebenow verantwortlich zeigen.

Sein Sohn Christoph von Neuenkirchen verstarb 1641 kinderlos so dass das Mellenthiner Schloss an die schwedische Krone fiel, die in Gestalt von Christina dieses als Lehen an Johan Axelsson Oxenstierna, welcher einst im schwedischen Namen an den Friedensverhandlungen teilnahm und später für den Aufbau der schwedischen Verwaltung in der neuen Provinz Pommern verantwortlich war. Dieser heiratete im Jahre 1648 die schwedische Gräfin Margareta Brahe bevor er im Dezember des Jahres 1657 in der zu Schweden gehörenden Stadt Wismar verstarb. Im Mai des Jahres 1661 heiratete sie den in schwedischen diensten stehenden Oberst Friedrich von Homburg. Da dieser dreißig Jahre jünger war und sie nicht gerade arm, dürfte es sich nicht unbedingt um eine Liebesheirat gehandelt haben. Der später als Landgraf Friedrich II. von Hessen-Homburg in die Geschichte eingehende Witwer, Margarete verstarb acht Jahre nach ihrer Hochzeit, verkaufte sein pommersches Erbe, so dass der schwedische General Burchard Müller von der Lühne in den Besitz des Schlosses kam.

Das Gut Mellenthin war nicht das einzige Gut welches die Familie in Vorpommern besaß, bekanntlich gehörte das am Greifswalder Bodden gelegene Schloss Ludwigsburg auch zu ihrem Besitz, welches sie aber in der Mitte des 18. Jahrhunderts wie auch ihre Besitzungen auf der Insel Usedom dank ihres Konkurses verloren. Im Jahre 1747 erwarb es erwarb es der wohlhabende Gutspächter Bleichert Peter Meyenn bei einer Auktion und ließ umfangreiche bauliche Änderungen an seinem neuen Besitz vornehmen. Sein Sohn Peter Ernst Meyenn der als Kriegsrat in preußischen Diensten stand, sollte ein paar Jahre später in den Adelsstand erhoben werden. Ein Adelstitel zeugt nicht von wirtschaftlichem Verstand, so dass das Gut Mellenthin Anfang des 19. Jahrhunderts in Konkurs ging und versteigert wurde. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges besaß die Familie Wittchow dieses, bevor sie durch die Bodenreform enteignet wurden. das von der Gemeinde Mellenthin genutzte Schloss verfiel mit den Jahren und bot nach der Wende einen äußerst maroden Anblick.

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Die Rettung für das baufällige Wasserschloss Mellenthin sollte durch den Gastronomen Jan Fidora erfolgen, der es zusammen mit seiner Familie im Jahre 2001 erwarb und seitdem Stück für Stück sanierte. Heutzutage findet man neben einem Schlosshotel und einem Restaurant auch eine Brauerei in den historischen Gemäuern, die ihren Gästen viel zu erzählen haben. Anhand der unterschiedlichen Baustile erkennt man dass die beiden Seitenflügel der Schlossanlage erst später hinzugefügt wurden. In diesen befanden sich unter anderem eine kleinen Kapelle und der Marstall. Das über ein Kreuzgratgewölbe verfügende rundbogige Eingangsportal dürfte zu der jüngeren Bausubstanz gehören, welche das Gebäude aufzuweisen hat. Dieses wurde wie die einst im Garten befindliche Freitreppe Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet, blieb im Gegensatz zu dieser aber bis heute erhalten. Erhalten, aber heutzutage an einer anderen Stelle befindlich, blieb der aus dem Jahre 1613 stammende Renaissancekamin, welcher die Gäste des Schlosshotels in den von einer Säule getragenen Kreuzgratgewölben gekrönte Eingangshalle begrüßt.

Um seinem Namen gerecht werden zu können, wurde das Wasserschloss Mellenthin auf einer künstlichen Insel errichtet, die ein zu zwanzig Meter breiter Wassergraben umgibt und die nur über eine Brücke zu erreichen ist. Bei seinen Aufenthalten auf der Insel Usedom war auch Mellenthin eines der Ziele Lyonel Feiningers, der hier nicht nur die Kirche des Dorfes auf seinen Bildern verewigte, sondern auch die alten Gemäuer des Schlosses, das aber nicht das älteste Bauwerk des Ortes darstellt, denn etwa anderthalb Kilometer nordwestlich von Mellenthin befindet sich im Naturschutzgebiet Mellenthiner Os die auch noch heutzutage beeindruckenden Überreste einer slawischen Ringburg.