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Ostseebad Zingst

Pramort

Pramort


Hier is mine Heimat, hier bün ick to Hus. kann man auf dem Grabkreuz der vorpommerschen Heimatdichterin Martha Müller-Grählert lesen, die ihre letzte Ruhestätte auf dem kleinen Friedhof von Zingst gefunden hat. Im fernen Berlin verfasste sie mit Mine Heimat ein Gedicht über ihre Heimat am Meer, welches ihr zwar viel Ehre einbringen sollte, aber kein finanzielles Glück. Meereswellen, Ginster und Möwen, schon vor dem geistigen Auge entsteht ein Bild von dem maritimen Landstrich, in dem sie einst aufgewuchs und nun schmerzlich vermisste. Bei zu wenig Phantasie muss man sich eigentlich nur an den Strand von Zingst begeben, denn die besagten Ostseewellen ziehen noch heute an den Strand, den Martha Müller-Grählert in ihrem Gedicht beschrieb. Die Geschichte des Liedes ist bekannt, denn das von Simon Krannig im fernen Zürich vertonte Gedicht, wurde von Friedrich Fischer-Friesenhausen kopiert, der die Ostsee durch die Nordsee ersetzte und das fremde Werk als seines ausgab.

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Im Gegensatz zu anderen Regionen der deutschen Ostseeküste wurde der Tourismus relativ spät als Einkommensquelle von den Bewohnern entdeckt, die bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts als Seeleute ihren Lebensunterhalt verdienten. Ihre Arbeitgeber waren die Reeder der Stadt Barth, die sich dank ihrer zahlreichen Schiffe nicht vor anderen Seestädten verstecken mussten. Zu diesem Zeitpunkt war Zingst noch eine Insel, getrennt vom Prerowstrom, durch den die Stadt Barth eine direkte Verbindung zur Ostsee hatte. Noch heute zeugen die Überreste der mittelalterlichen Hertesburg von der einstigen Zollstelle, mit der die Landesherren den Handel kontrollieren konnten. Die Insel selbst war recht dünn besiedelt, da das Land recht karg ist und so die im Besitz der Stadt Stralsund befindlichen Sundischen Wiesen nur als Weideland dienen konnte. Heutzutage zeugt nur noch der Name Pramort vom einstigen Dorf, von dem man aus mittels einer Pram an das gegenüberliegende Festland kommen konnte.

Erst das Sturmhochwasser der Nacht vom 12. auf den 13. November 1872 sollte Zingst, wie übrigens auch die anderen Ortschaften der heutigen Halbinsel in Fokus der Öffentlichkeit bringen. Durch das Sturmhochwasser versandete der Prerowstrom, der im Jahre 1874 zugeschüttet wurde, so dass die Insel Zingst zu der Halbinsel wurde, die man heute kennt. Durch den Untergang der Segelschifffahrt benötigten die Zingster eine neue Einkommensquelle, so dass sie damit anfingen, Zimmer an Fremde zu vermieten. Im Jahre 1881 errichtete man am Strand ein Herrenbad und ein Damenbad, ein Warmbad folgte im Jahre 1898. Durch die im Jahre 1911 eröffnete Bahnstrecke Barth-Zingst-Prerow mit der imposanten Meiningenbrücke war die Halbinsel nun bequem mit dem Zug zu erreichen, was sich in wachsenden Urlauberzahlen bemerkbar machte. Die beiden Kaltbäder wurden im Jahre 1925 abgerissen, da sich im Laufe der Jahre die Art und Weise des öffentlichen Bäderwesens verändert hatte.

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Zingst konnte sich aufgrund seiner späten Entwicklung zum Badeort einen relativ dörflichen Charakter bewahren. Die größeren Hotels an der Strandpromenade sind erst entstanden, nachdem die den Ort dominierenden Einrichtungen des FDGB im Jahre 1991 die geschlossen wurden. Nun setzte eine rege Bautätigkeit im Ort ein, bei der nicht nur das alte Kurhaus durch einen Nachfolgerbau ersetze, sondern auch eine Seebrücke errichtete, die seit ihrer Fertigstellung im Jahre 1993 zweifelsfrei das touristische Zentrum des Ortes darstellt. Zweihundertsiebzig Meter reicht sie ins Meer, die man ruhig bewältigen sollte, denn vom Brückenkopf aus hat man den besten Blick über den Strand, der ein paar Kilometer weiter östlich aus Naturschutzgründen für den Besucherverkehr gesperrt ist. Bei klarer Sicht kann man etwas weiter nordöstlich sogar die Insel Hiddensee mit ihrem markanten Leuchtturm erkennen, welche man während der Urlaubssaison auch mit einem Fahrgastschiff von Zingst aus erreichen kann.

In westlicher Richtung kann man die Seebrücke des Ostseebades Prerow erblicken, welches nur wenige Kilometer von Zingst entfernt liegt. Man hat die Möglichkeit die Strecke am Strand zurückzulegen oder auf Rad- und Wanderweg, der die Verlängerung der Strandpromenade ist, die sich in Zingst auf der Deichkrone befindet. Die Freilichtbühne des Ortes braucht man auch nicht lange zu suchen, denn diese befindet sich gleich neben dem Kurhaus an der Seebrücke. Etwas abseits von der Strandstraße, welche die Einkaufsmeile des Ortes darstellt, befindet sich mit dem Martha-Müller-Grählert-Park mitten im Ort eine grüne Oase der Ruhe, in der man aber auch einen kleinen Kinderspielplatz vorfindet. Von hier aus ist es nicht mehr allzu weit bis zur Peter-Pauls-Kirche, auf deren Friedhof das Grab von Martha Müller-Grählert zu finden ist. Mit Friedrich August Stüler hat die mit gelben Backsteinen errichtete Peter-Pauls-Kirche denjenigen Architekten vorzuweisen, der seinerzeit auch für die Vollendung des Schweriner Schlosses verantwortlich war.

Bis zum Zusammenschluss der Dörfer Hanshagen, Pahlen, und Rothem zur Ortschaft Zingst, der im Jahre 1823 erfolgte, mussten die Bewohner den beschwerlichen Weg nach Prerow unternehmen, um an den Sonntagen den Gottesdienst in der dortigen Seemannskirche besuchen zu können. Für den durch die Segelschifffahrt florierenden Ort war ein eigener Kirchenbau notwendig geworden, den man in den Jahren von 1860 bis 1862 errichtete. Aufgrund nicht ausreichender finanzieller Mittel entschied man sich für einen turmlosen Bau mit einem einfachen Glockenstuhl aus Holz. Wie auch das äußere Erscheinungsbild mit den beiden neogotischen Staffelgiebeln, die sich in ihrer Formensprache an historischen Vorbildern orientiert, biete auch das Kircheninnere mit seinem Gestühl einen entsprechend neogotischen Anblick, wobei der von Stüler entworfene Altar nicht mehr in seiner ursprünglichen Form existiert. Heute bietet die Zingster Peter-Pauls-Kirche einen passenden Rahmen für Konzerte mit klassischer Musik.

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Begibt man sich entlang des Kirchwegs und der Hafenstraße in Richtung Süden gelang man zwangsläufig in den Hafen, von dem aus die Ausflugsschiffe unter anderem zur Insel Hiddensee und zur Hansestadt Stralsund fahren. Während ein Ausflug zur Insel Hiddensee bei schönem Wetter angesagt ist, kann man die Fahrt nach Stralsund auch als willkommene Schlechtwetteralternative betrachten, denn dank Ozeaneum und Meeresmuseum hat die alte Hansestadt gleich mehrere Museen zu bieten, welche bei Regenwetter die meisten Besucher begrüßen können. Aber auch ein Bummel durch die Stadt mit ihren zahlreichen historischen Häusern lohnt sich. Am Zingster Hafen findet man aber auch mehrere Restaurants, in denen man sich stärken kann, zum Beispiel für einen Ausflug entlang der Sundischen Wiesen zum Pramort, welchen man am besten mit dem Fahrrad bewerkstelligen sollte, denn allzu nah ist die östliche Spitze von Zingst nicht gelegen.

Hierfür muss man sich, falls man sein eigenes Fahrrad nicht mit in den Urlaub mitgebracht haben sollte, eines bei den zahlreichen Fahrradverleihern besorgen. Landschaftlich reizvoller, aber mehrere Kilometer länger, ist die südliche Route entlang der Boddenküste, die beim Informationszentrum des Nationalparks auf die nördliche Route trifft. Von hier aus führt ein Plattenweg in Richtung Osten. Während der Blick auf die unter Naturschutz stehenden Gebiete nördlich des Weges durch Baumbewuchs nicht einsehbar ist, bieten die südlich des Weges gelegenen Wiesen einen freien Blick auf die dahinterliegende Boddenlandschaft. Nach etwa siebeneinhalb Kilometern muss man das Fahrrad abstellen und das letzte Stück des Weges zu Fuß absolvieren. Nach anderthalb Kilometern Fußweg erreicht man die Dünenlandschaft über die hölzerne Stege zur Hohen Düne mit ihrer Aussichtsplattform führe, von der aus man die nähere Umgebung überblicken kann. Am Pramort selbst befindet sich eine hölzerne Schutzhütte, von der aus man im Herbst die Kraniche beobachten kann.

Für einen Tagesausflug bietet sich auch der nordwestlich von Prerow gelegene Darßer Ort an. Ab Prerow führt der Weg durch den unter Naturschutz stehenden Dünenwald, an dessen Ende der gleichnamige Leuchtturm und das in den ehemaligen Wohngebäuden der Leuchtturmwärterfamilien eingerichtete Natureum wahre Besuchermagneten sind. Wer den Weg bis zum Darßer Ort nicht zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen möchte, kann dies übrigens auch mit einem der Pferdefuhrwerke bewerkstelligen, die von Prerow hierher fahren. In dem als Außenstelle des Deutschen Meeresmuseum Stralsund eingerichteten Natureum erfährt man vieles über die Flora und Fauna der vorpommerschen Boddenlandschaft, während der Leuchtturm mit seiner Aussichtsplattform einen atemberaubenden Blick über die Landschaft bietet. Im Gegensatz zum Pramort gibt es am Darßer Ort wenigstens ein gastronomisches Angebot. Da das Restaurant aber zum Natureum gehört, ist es aber den Besuchern der Ausstellung vorbehalten. Man sollte nicht vergessen an den naturbelassenen Strand zu gehen, der von sogenannten Windflüchtern umsäumt wird.

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Aber auch Zingst hat seinen Gästen mit dem Museumshof eine interessante Ausstellung zu bieten, in der die Geschichte des Ortes präsentiert wird. Hier bildet ein ehemaliges Kapitänshaus das Zentrum des Heimatmuseums, in dem man etwas über das Leben der früheren Seeleute und die Entwicklung des Badeortes erfahren kann. Das Museum besitzt auch eine kleine Galerie mit Werken von Malern, die in der Region gewirkt haben, wie beispielsweise Elisabeth Büchsel, Louis Douzette, Franz Pflugradt und Max Hünten, dem das Zingster Zentrum für Fotografie gewidmet wurde. Bei Kindern dürfte das Experimentarium deutlich mehr Interesse hervorbringen, denn hier können sie Experimente durchführen und sich so auf spielerische Art und Weise mit der Physik beschäftigen, sowie bei den angebotenen Workshops lernen, wie man mit den verschiedenen Werkzeugen umgeht. Da an jedem Wochentag ein anderer Workshop stattfindet, hat man gleich für mehrere Regentage eine Beschäftigungsmöglichkeit für die Kleinen.

Mit dem Lichtertanz der Elemente einer an der Seebrücke präsentierten Laser-Licht-Show wird in Zingst traditionell die Urlaubssaison eröffnet, die dann einige kulturelle Höhepunkte zu bieten hat. Mit den Internationalen Zingster Klaviertagen bietet das Ostseebad seinen Gästen zu Ostern ein viertägiges Musikfestival mit klassischer Musik, während durch die alljährlich zu Pfingsten veranstalteten Jazz- & Bluestage der Museumshof mit zahlreichen Musikfreunden bevölkert ist. Der jährliche Höhepunkt im Zingster Veranstaltungskalender ist aber das Hafenfest mit der Zeesbootregatta, das traditionell Mitte Juni gefeiert wird. Mitte August bitten dann über hundert Kunsthandwerker entlang der Strandstraße zu einem Besuch der Zingster Kunstmagistrale, einem der größten Kunsthandwerkermärkte der Region. Mit dem Zingster WinterZauber verabschiedet sich das größte Ostseebad der Halbinsel ins neue Jahr, in dem natürlich auch die fotografischen Events wie der Fotofrühling Zingst, das Umweltfotofestival horizonte zingst oder der Aktive Fotoherbst Zingst nicht fehlen dürfen. Für Naturfreunde dürfte aber eine abendliche Kranichbeobachtung der wahre Höhepunkt des Jahres sein.

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