Brunnen der Lebensfreude Rostock

Brunnen der Lebensfreude Rostock

Brunnen der Lebensfreude Rostock


Der Volksmund hat zwar meistens Recht bei seinen Aussagen, weshalb aber dieser dem Brunnen der Lebensfreude einen Namen verpasst hat, der fernab jeglicher Realität ist, dürfte zumindest für Kunstfreunde schwer verständlich sein, stellt die oft als Pornobrunnen betitelte Brunnenanlage doch das wohl bekannteste Kunstwerk der beiden in Rostock beheimateten Bildhauer Jo Jastram und Reinhard Dietrich dar. Die Hansestadt Rostock bezeichnet sich gerne als die brunnenreichste Stadt Mecklenburg-Vorpommerns, was bei einer Anzahl von mehr als vierzig Exemplaren wohl schwer zu übertreffen ist. Diese Brunnen findet man überall in der Stadt, aber nur einer hat es wirklich geschafft, mit Rostock identifiziert zu werden. Mit seinem Brunnen mit dem Titel Sieben stolze Schwestern küsst das eine Meer hat Reinhard Dietrich für seine Heimatstadt Rostock einen weiteren Brunnen geschaffen, an die Bekanntheit oder besser gesagt der Beliebtheit des Brunnens der Lebensfreude kann es die in unmittelbarer Nähe des Kröpeliner Tores befindliche Anlage schwerlich aufnehmen.

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Dafür hat sich der Brunnen im Herzen der Stadt zu sehr in die Herzen der Kinder eingegraben, welche an heißen Sommertagen gerne die gebotene Gelegenheit nutzen, um hier im kühlen Nass zu spielen, welches die zahlreichen Wasserspiele des Brunnens spenden. Auch der auf dem Neuen Markt befindliche Möwenbrunnen stellt keine ernsthafte Konkurrenz für den auf dem einstigen Hopfenmarkt befindlichen Brunnen dar, die Lebensfreude, welche die Kinder beim Spielen erleben können, ist am gleichnamigen Brunnen am größten. Als Aufwertung des Umfelds war diese konzipiert worden, als man begann, die Rostocker Altstadt nach dem Vorbild von Greifswald mit historisierenden Plattenbauten umzugestalten, wovon auch die Nordseite des heute als Universitätsplatz bekannten Marktplatzes der Rostocker Altstadt betroffen war. Fand man hier lange Zeit einen unansehnlichen Bau vor, der nach den Zerstörungen des zweiten Weltkrieges errichtet wurde, sollte das im Jahre 1986 fertiggestellte Fünfgiebelhaus einen schöneren Anblick bieten. Das man im Zusammenhang mit der Altstadtsanierung auch den Platz davor nach dem damaligen Geschmack gestaltete, war verständlich.

Im Gegensatz zu vielen anderen Kunstwerken im öffentlichen Raum hat Brunnen der Lebensfreude aber keine wirkliche politische Aussage, einzig der Zeitgeschmack, der auch eine freizügigere Figürlichkeit zuließ, zeugt heutzutage noch von der Zeit des realexistierenden Sozialismus. Während diese Freizügigkeit für gelernte DDR-Bürger kein Problem darstellte, war doch die Freikörperkultur bei vielen Bürgern beliebt, sollten die aus westlichen Bundesländern Zugegezogenen befremdlich auf das Zeugnis ostdeutscher Bildhauerkunst reagieren, den Namen Pornobrunnen hat er aber wahrlich nicht verdient. Einige Skulpturen des Brunnens zeigen zwar unbekleidete Personen beiderlei Geschlechts mit einer doch recht großen Nähe zueinander, dem Namen entsprechende Handlungen aber nicht. Was aber die zahlreichen Figuren zeigen, ist die Lebensfreude, welche die miteinander herumtollenden Menschen, Wildschweine und Möwen zusammen erleben. Von dieser Lebensfreude lassen sich die herumtollenden Kinder gerne anstecken, welche zwischen den sprudelnden Fontänen spielen, während ihre Eltern Schatten suchen und ihrem vor Lebensfreude strahlenden Nachwuchs dabei beobachten.