Insel Hiddensee

Leuchtturm Dornbusch

Leuchtturm Dornbusch


Die kleine und beschauliche Insel Hiddensee, welche sich westlich von der Insel Rügen befindet, ist offiziell der sonnenreichste Ort in ganz Deutschland. Aufgrund der geographischen Lage und der relativ kleinen Größe dieser Insel, über der sich keine neuen Wolken bilden können, ist das Wetter auf Hiddensee sehr viel sonniger als auf dem an sich sonnenverwöhnten vorpommerschen Festland und der Insel Rügen.

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Sötes Länneken, was süßes Ländchen bedeutet, ist die liebevolle Bezeichnung der Einheimischen für ihre beschauliche Insel. Der Name der Insel Hiddensee ist eine mit der Zeit abgewandelte Form des ursprünglichen Namens Hedinsey, was übersetzt in etwa soviel wie die Insel des Hedin bedeutet. Die früheste Erwähnung der Insel findet man schon in der Edda, ansonsten war es um Hiddensee immer relativ ruhig bestellt. Im Mittelalter wurde im Norden der Insel ein Kloster des Zisterzienserordens gegründet, welches Hiddensee vom Fürsten Witzlaw II von Rügen als Geschenk bekam. Nach der Säkularisierung des Klosters während der Reformation wurde die Insel ein herzogliches Amt umgewandelt. Ende des 18. Jahrhunderts wurde auf Hiddensee Tonerde abgebaut, welche man in der Stralsunder Fayencenmanufaktur verarbeitete. Im Jahre 1864 zerbrach die Insel bei einer Sturmflut in zwei Teile. Dieses konnte aber durch umfangreiche Baumaßnahmen wieder rückgängig gemacht werden. Der berühmten Hiddenseer Goldschmuck, welchen man im Kulturhistorischen Museum in Stralsund bewundern kann, wurde im Jahre 1872 nach einer weiteren großen Sturmflut gefunden. Auch heutzutage ist Hiddensee von der Zerstörung durch die Kräfte des Meeres bedroht, was man nur durch einen aufwendigen Küstenschutz an den bedrohten Stellen verhindern kann.

Der Tourismus kam erst relativ spät nach Hiddensee. Im Gegensatz zu den mondänen Seebädern auf Rügen oder Usedom bot diese Insel nichts außer viel Natur und Ruhe. Diese ursprünglichen Nachteile wandelten sich aber in einen unschätzbaren Vorteil, denn seit Anfang des 20. Jahrhunderts zog sie dadurch unzählige Künstler an, welche sich durch die Beschaulichkeit des kleinen Eilands inspiriert fühlten und so Hiddensee den Ruf einer Künstlerinsel einbrachten. Aber auch heutzutage spürt man noch etwas von der Atmosphäre damaliger Zeiten. Nicht unbedingt in der Hochsaison, dann nämlich tummeln sich recht viele Tagesausflügler auf den Wanderwegen der Insel herum. Man sollte die absolute Ruhe eher während der kühleren Jahreszeiten suchen. Aber auch so geht es auf Hiddensee deutlich entspannter als in anderen Urlaubsregionen zu. Allein schon durch den fehlenden Autoverkehr gibt es deutlich wenig Hektik im Verkehr.

Hiddensee erreicht man mit den Fährschiffen und den Wassertaxis der Weißen Flotte. Die Wassertaxis sind zwar deutlich schneller als die Fährschiffe, dafür aber auch etwas teurer was die Kosten pro Person betrifft. Sie verkehren zudem nicht zu festen Abfahrtzeiten, wie sie die größeren Fährschiffe haben, sondern fahren immer nur nach dem jeweiligen Bedarf. Es gibt vier Abfahrthäfen, von wo aus man nach Hiddensee fahren kann. Auf Rügen gibt es mit Schaprode und Wieck gleich zwei Häfen, hinzu kommen noch das Seebad Zingst und die Hansestadt Stralsund. Die kürzeste Fahrtzeit hat man auf der Strecke von Schaprode nach Vitte. Urlauber der Insel Rügen ohne eigenen PKW haben die Möglichkeit mit einem Kombiticket die Busse des RVV nach Schaprode und die Fähren der Weißen Flotte im Rahmen eines Tagesausfluges zu nutzen. Die benötigten Fährtickets für Fahrten an den Wochenenden während der Hauptsaison sollte man sich am besten im vornherein auf der Homepage der Fährgesellschaft kaufen, denn bei sehr schönen Wetter steigt der Besucherverkehr nach Hiddensee stark an und die Plätze auf den Fährschiffen sind limitiert.

Auf Hiddensee gibt es keinen individuellen Autoverkehr. Man bewegt sich dort hauptsächlich zu Fuß, mit dem Fahrrad oder Pferdekutschen fort. Die dafür notwendigen Rad- und Wanderwege sind sehr gut ausgebaut und ausgeschildert. Möchte man Hiddensee bei einem Tagesausflug mit dem Fahrrad erkunden, sollte man am besten auf die örtlichen Fahrradverleiher zurückgreifen. Die fälligen Mietgebühren für diese Fahrräder sind sogar etwas günstiger als der Transport des eigenen Fahrrades auf den Fährschiffen. Zudem ist diese Handhabung bei der An- und Abreise deutlich stressfreier, da die dafür vorhandenen Stellflächen auf den Schiffen doch recht beengt sind. In der Hauptsaison empfiehlt sich eine Reservierung, um so sicherzustellen, dass man nicht leer ausgeht. Die verschiedenen Fahrradverleiher haben sich in der Nähe der Häfen angesiedelt, so dass man nicht lange nach ihnen suchen muss.

Sanddornbüsche findet man überall auf der Insel Hiddensee und die Produkte aus Sanddorn gehören unangefochten zu den beliebtesten Mitbringseln. Der Sanddorn ist übrigens sehr gesund, er hat einen sehr hohen Anteil an Vitamin C, ist dafür aber auch recht säuerlich im Geschmack. Ob es beispielsweise nun Säfte, Liköre oder Pralinen sind, man findet in den Souvenirläden der Insel eine relativ große Auswahl verschiedenster Artikel aus dieser Beere. Jedes der vielen kleinen gemütlichen Cafés auf Hiddensee hat sein eigenes Rezept für seinen eigenen Sanddornkuchen. Und jedes behauptet von sich den besten Kuchen der Insel zu haben.

Die Nachfrage nach den Zimmern in den Hotels und Pensionen der Insel ist deutlich größer als das überhaupt verfügbare Angebot. Die Zimmerkapazität wird aber aufgrund baulicher Vorschriften und dem Naturschutz nicht weiter vergrößert werden können. Die meisten Unterkünfte auf Hiddensee werden schon im Vorjahr gebucht, so dass man sich frühzeitig um eine Unterkunft bemühen sollte, wenn man in der Hauptsaison für ein paar Tage die Insel besuchen möchte.

Der Badestrand auf Hiddensee befindet sich auf der westlichen Seite der Insel zwischen den Orten Vitte und Kloster. Die Freunde der Freikörperkultur werden auf Hiddensee auf ihre Kosten kommen, denn auf Hiddensee sind große Strandabschnitte als textilfreie Bereiche gekennzeichnet.

Auf Hiddensee gibt es zwei Leuchttürme, von denen das im Norden gelegene Leuchtfeuer Dornbusch der wohl bekannteste Leuchtturm Deutschlands sein dürfte, denn schließlich dient er jeden Tag als Kulisse für den Wetterbericht der ARD. Der deutlich kleinere Süderleuchtturm, welcher sich auf dem Gellen befindet, ist nur zwölf Meter hoch. Das einzig übrig gebliebene Gebäude des ehemaligen Klosterkomplexes ist die sogenannte Inselkirche, welche man in Kloster finden kann. In diesem Ort gibt es auch ein kleines Heimatmuseum, welches eine Ausstellung über das Leben auf der Insel zeigt, in welcher man auch eine Replik des Hiddenseer Goldschmucks bewundern kann. Im Gerhardt-Hauptmann-Haus befindet sich nicht nur ein Museum, es werden dort auch kulturelle Veranstaltungen durchgeführt. Kunstinteressierten Besuchern steht auch die Galerie in der bekannten Blaue Scheune in Vitte an jeweils zwei Wochentagen für eine Besichtigung offen.

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Die Insel Hiddensee ist ein Bestandteil des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft und hat zwei Schutzzonen, welche nicht betreten werden dürfen. Im Nordosten der Insel ist es der Alte und der Neue Bessin, im Süden der Gellen. Diese beiden Gebiete sind sogenannte Sandhaken, welche langsam durch die Anlagerung von Sedimenten aus der Ostsee entstehen. Der Gellen ist etwa 5 Kilometer lang und einer der größten Rastplätze für Kraniche in Deutschland, welche man von der vorbeifahrenden Fähre aus sehen kann.

Südlich von Vitte befindet sich das Naturschutzgebiet Dünenheide, welche die letzte große Küstenheide in Deutschland ist. Dank einiger landschaftspflegerischer Eingriffe konnte die drohende Bewaldung des Gebietes gestoppt und der typische Charakter der Landschaft erhalten werden. Im Westteil der Heide findet man aufgrund des hier häufig vorkommenden Westwindes bis zu fünf Meter hohe Dünen. Je weiter man sich Richtung Osten begibt, wird das Gelände der Heide immer flacher und geht dann langsam in ein Küstenüberflutungsmoor über.

Im Norden der Insel findet man das Naturschutzgebiet Dornbusch. Die hier ursprünglich wachsenden Eichen wurden unter General Wallenstein abgebrannt und erst im 19. Jahrhundert wurde das Gebiet mit Kiefern wieder aufgeforstet. Die höchsten Erhebungen des Dornbuschs sind der Swantiberg mit 65 Metern und der Bakenberg, auf dem sich der Leuchtturm befindet, welcher eine Höhe von 72,3 Metern vorweisen kann. Die Steilküste der sogenannten Hucke wurde in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts mit einem bis zu drei Meter hohen Wall versehen, welcher die an dieser Stelle stark voranschreitende Küstenerosion erfolgreich unterbinden konnte. Im nördlichen Teil der Insel gibt es einen solchen Wall nicht, so dass man dort gut sehen kann, wie das Meer mit seiner Kraft Material von der Steilküste abträgt um es dann am Bessin wieder abzulagern.

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Wenn man die Natur der Insel Hiddensee bei einem Tagesausflug erkunden möchte, gibt es mehrere Möglichkeiten, dieses zu bewerkstelligen. Um den Ausflug stressfrei erleben zu können, sollte man die erste Fähre nehmen und dann mit der letzen Fähre zurückfahren. Man kann sich auf Hiddensee zwar auch mit einem Fahrrad wunderbar fortbewegen, was aber dann auch den Nachteil in sich trägt, dass man nicht überall problemlos hingelangen kann.

Optimaler ist es daher die Insel zu Fuß zu erkunden. Eine Wanderung auf Hiddensee sollte man am Besten von Neuendorf aus bewerkstelligen. Von dort aus geht man in Richtung Norden, wobei man einen großen Teil der Strecke nach Vitte durch die Heide zurücklegen sollte, denn wenn die Heide blüht hat man nicht nur einen schönen Anblick, sondern es duftet auch verführerisch nach Honig. Aber auch die dort vorherrschende Stille muss man nicht mit vielen Urlaubern teilen, denn diese fahren meistens von Neuendorf aus mit dem Rad weiter.

In Vitte angekommen hat man die Wahl zwischen den Wegen auf den Deichen der Salzwiesen oder dem Wanderweg oberhalb des Badestandes auf der Westseite der Insel, um nach Kloster zu gelangen. Ab dort wird die Wanderung etwas anstrengender, denn die Wege werden etwas bergiger.

Vom Gipfel des Swantiberges hat man bei klarem Wetter einen wunderschönen Überblick über den gesamten südlichen Teil der Insel. Der Weg bis zum Leuchtturm Dornbusch ist von hier aus nicht mehr allzu weit. Von der Aussichtsplattform auf dem Leuchtturm Dornbusch hat man einen guten Rundumblick über die Insel Hiddensee. Den Rückweg nach Kloster geht man nun am besten auf den Wanderwegen oberhalb der Steilküste, von denen man wenigstens auch die Ostsee sehen kann. Den Weg könnte man auch am Strand entlang zurücklegen, nur benötigt man dafür zum einen deutlich mehr Zeit, denn der Untergrund ist recht steinig, zum anderen sieht man aufgrund des zum Schutz der Steilküste errichteten Steinwalles nicht mehr das Meer, sondern hört es nur im Hintergrund rauschen.

In Kloster angekommen kann man sich im Hafen ein frisches Fischbrötchen gönnen, bevor man die Fähre für die Heimfahrt besteigt. Bei einem Zustieg im Hafen von Kloster hat man während der Hauptsaison noch eine gute Chance einen Platz auf den Sonnendecks der Fähren zu bekommen. Da Kloster der erste Hafen bei der Rückfahrt ist, sind die Fähren hier noch relativ leer. Voller werden sie erst in den Häfen von Vitte und Neuendorf. Sollte man erst in Neuendorf zuzusteigen, kann es öfter einmal passieren, dass man an Tagen mit hohem Besucheraufkommen, nur noch Stehplätze abbekommt.