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Anklamer Tor Usedom

Anklamer Tor Usedom

Anklamer Tor Usedom


Wie sehr man als einst bedeutender Ort gesellschaftlich absteigen kann beweist unter anderem die Geschichte der kleinen beschaulichen Stadt Usedom. Als im Jahre 1128 Bischof Otto von Bamberg auf dem heutigen Schlossberg den Pommernherzog Wartislaw I. zum Christentum bekehrte, befand sich auf diesem Berg noch eine Burg von der aus er sein Land regierte. In den Jahren von 1165 bis 1175 sollte Usedom auch Sitz des Bischof von Pommern werden, welcher in dem in unmittelbarer Nähe der Burg gegründeten Kloster Grobe residierte. Das Lübische Stadtrecht wurde Usedom aber erst im Dezember des Jahres 1298 verliehen, zu dieser Zeit hatten die Pommernherzöge aber schon ihre Hauptresidenz in die Stadt Wolgast verlegt. Einige Jahre nach der Stadtgründung wurde zudem das Kloster Grobe ins Inselinnere nach Pudagla umgesiedelt und die Stadt Usedom politisch immer unwichtiger. Auch die über der Stadt thronende Burg wurde von den Pommernherzögen nur noch als ein Witwensitz genutzt. Auf der Anfang des 17. Jahrhunderts entstandenen Lubinschen Karte findet man auf dem Schlossberg schon keine Gebäude mehr vor.

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Was man auf der besagten Lubinschen Karte aber gut erkennen kann, ist die mittelalterliche Stadtbefestigung mit ihren drei Stadttoren. Im Osten der Stadt erkennt man das recht einfach ausgeführte Peenetor, dem auf der Karte gut sichtbar ein kleineres Außentor vorgelagert war, durch das man seinerzeit zum Hafen gelangen konnte. Demgegenüber fiel das im Norden der Stadt gelegene Swinetor deutlich imposanter aus. Von seiner Größe her war es wohl mit dem Anklamer Tor vergleichbar. Im Gegensatz zum Anklamer Tor wurden das Swinetor und das Peenetor in der Mitte des 19. Jahrhunderts abgerissen, was das um das Jahr 1450 errichtete Anklamer Tor nicht nur zum steinernen Zeugnis der einstigen Stadtbefestigung, sondern auch zum ältesten Bauwerk der Stadt Usedom macht. Übrigens auch zum ältesten Gefängnis der Stadt, denn wie auch viele andere Stadttore in Mecklenburg-Vorpommern wurde das Anklamer Tor, nachdem es keine Schutzfunktion mehr innehatte, als Stadtgefängnis genutzt.

Wer sich die im Anklamer Tor befindliche Heimatstube anschaut, kann viele interessante Details im Mauerwerk ablesen, welche noch gut erhalten geblieben sind. Was leider nicht erhalten blieb, ist das feldseitige Vortor, welches die Existenz einer Nische erklärt, in welcher sich einst ein Fallgatter befand. Steht man heute vor dem Tor und betrachtet sich die Architektur etwas genauer, kann man die über mehrere Geschosse reichende Nische gut erkennen. Leider sind die aufwendig gestalteten mittelalterlichen Giebel des Tores nicht mehr vorhanden, welche man auf historischen Abbildungen noch gut erkennen kann. Heutzutage krönt das Stadttor ein einfaches Walmdach, welches die einstige Höhe des Tores nur noch erahnen lässt. Trotz all dieser Umbauten beziehungsweise Abbrüche besitzt das Bauwerk noch zahlreiche schmückende Elemente, die hauptsächlich in spitzbogigen Zierblendenreihen zu suchen sind. Bei genauerer Betrachtung entdeckt man feldseitig auch mehrere Schießscharten, durch welche die Verteidiger der Stadt einst ihre Waffen abfeuern konnten.