Wolgast

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Wolgast nennt sich das Tor zur Insel Usedom. Diese Stadt muss man zwangsläufig passieren, wenn man die nördliche Route wählt, um auf die Insel Usedom zu kommen. Von der einstigen Bedeutung, welche diese ehemalige Residenzstadt im Mittelalter einmal hatte, kann man heutzutage nicht mehr viel erahnen, da die Stadt Wolgast seit dem Aussterben der pommerschen Herzöge nie wieder die Bedeutung erlangen konnte, welche sie zu dieser Zeit einmal innehatte.

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Die Existenz von Wolgast wurde recht früh erwähnt. Hier befand sich ein Tempel des Gottes Jarovitt, der im Jahre 1128 durch den Bischof Otto von Bamberg während seiner zweiten Missionsreise zerstört wurde. Herzog Bogislaw IV. Von Pommern erteilte Wolgast im Jahre 1282 das lübische Stadtrecht. Da das Herzogtum Pommern während seiner Geschichte des öfteren einer Teilung unterlag, wählten die Herzöge des westlichen Landesteiles die Stadt Wolgast als ihre Residenz aus und erbauten sich auf der der Stadt Wolgast vorgelagerten Insel ein imposanten Schloss im Stil der Renaissance. Nach dem dreißigjährigen Krieg wurde Wolgast ein Teil von Schwedisch-Pommern und das Schloss diente eine Zeit lang als Residenz des Gouveneur, die Stadt Wolgast verlor aber stetig an politischer Bedeutung. Aufgrund der kampflosen Übergabe der Stadt an die Rote Armee blieb die Substand an alten Gebäuden bestehen, sie litten aber während der Zeit der DDR, in welcher die Bausubstanz aufgrund von Verwahrlosung stark litt. In den letzten Jahren wurden viele Häuser saniert und Die historische Altstadt von Wolgast hinterlässt wieder einen besseren Eindruck auf ihre Besucher.

Vom Schloss der Herzöge von Pommern-Wolgast, welche in Wolgast ihre Residenz hatten, ist nicht viel mehr geblieben als der Name der Insel, welche der Stadt vorgelagert ist. Auf der Schlossinsel stand das imposante Schloss, welches zu den wichtigsten Bauten der Renaissance in Deutschland zählte. Im Jahre 1675 wurde das Schloss bei dem Krieg zwischen Schweden und Brandenburg nach einem Treffer im Pulverturm schwer beschädigt. Ein weiterer Einschnitt war der Nordische Krieg, bei dem die russischen Truppen die Stadt Wolgast schwer verwüsteten. Das Schloss Wolgast wurde danach als Steinbruch genutzt und nach und nach abgetragen. An der Stelle wo das Schloss stand wurden unter anderem einige Speicher errichtet, welche man dort heute noch immer vorfinden kann. Bei einer Besichtigung der Schlossinsel wird einem erst bewusst, welche Dimensionen das einstige Schloss der pommerschen Herzöge gehabt haben muss.

Aufgrund der Zerstörungen der Altstadt im Nordischen Krieg findet man nicht viele Gebäude aus dem Mittelalter mehr vor. Das älteste Gebäude in der Altstadt ist die Petrikirche, welche im Jahre 1350 fertiggestellt wurde. Aufgrund häufiger Zerstörungen durch Kriege und Naturgewalten findet man nicht nur gotische, sondern auch barocke Elemente in diesem Bau. Im Inneren der Kirche findet man noch eine Gruft, welche sieben Särge der pommerschen Herzogsfamilie beinhaltet. Bei einem Brand wurde der zerstörte barocke Turmhelm nur durch ein flaches Dach ersetzt und ist nicht in der ursprünglichen Form wieder errichtet worden. Außerhalb der historischen Altstadt von Wolgast findet man mehrere kleine Kirchen. Die St. Jürgen-Kapelle diente im Mittelalter als Hospital, später auch als Pesthaus und Armenkirche. Eine weitere und bekanntere Kapelle ist die Gertrudenkapelle, welche um das Jahr 1420 durch den Herzog Wartislaw IX. von Pommern als Hospitalkapelle errichtet wurde. Dieser pilgerte zu Lebzeiten nach Jerusalem und ließ sich in seiner Heimatstadt diesen Nachbau des Heiligen Grabes errichten.

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Ein Bauwerk, welches man bei der Überfahrt zur Insel Usedom passiert ist die Brücke über die Peene, welche man aufgrund der blauen Farbe im Volksmund das Blaue Wunder nennt. Zu bestimmten Zeiten ist dieses Wunder aber eher ein Grund für eine Verkehrsstau, weshalb man wenn man aus Richtung Süden kommen zum östlichen Teil der Insel Usedom möchte, besser den Bundesstraße 110 über die Hansestadt Anklam und die Stadt Usedom wählen sollte. Da wie erwähnt die Altstadt von Wolgast beim Nordischen Krieg fast vollständig zerstört wurde, sind danach die meisten Gebäude in der Altstadt im Stil des Barock errichtet worden. Ein schönes Beispiel dieser Architektur ist das Rathaus, welches im Jahre 1724 fertiggestellt wurde. Heute findet man in diesem schönen Gebäude nicht nur das örtliche Standesamt, sondern auch die Tourismusinformation.

Die Stadt Wolgast besaß einmal drei Mühlen. Von diesen ist nur noch die Windmühle auf dem Paschenberg erhalten geblieben. Diese Mühle wurde im Jahre 1856 errichtet und nach einem Brand im Jahre 1871 wieder errichtet. Heute steht sie ohne Flügel da und dient nicht mehr ihrem ursprünglichen Zweck. Sollte man in Wolgast seinen Hunger und Durst stillen wollen, gibt es dafür mehrere Gegenden in der Altstadt, in welchen sich einige Restaurants und Gaststätten angesiedelt haben. Zum einen ist es das Gebiet um und auf dem historischen Markt, sowie am Hafen der Stadt, wo man auf und gegenüber der Schlossinsel einige Lokalitäten finden kann.

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Der bekannteste Sohn der Stadt Wolgast ist der Maler Philipp Otto Runge, welcher neben dem aus Greifswald stammenden Caspar David Friedrich zu den bedeutendsten Malern der deutschen Romantik zählt. Bekannt geworden ist er neben seinen Gemälden, von denen viele leider beim Brand im Glastpalast von München zerstört wurden, auch durch seine Farbenlehre mit einer dreidimensionalen Farbkugel und durch sein in vorpommerschen Platt verfasstes Märchen Vom Fischer und seiner Frau, welches durch die Märchensammlung der Gebrüder Grimm bekannt wurde. In seinem Geburtshaus, welches sich in der Nähe des Stadthafens befindet, wurde ein kleines Museum eingerichtet, welches die Besucher über sein Werk und Leben informiert. In dem ältesten noch erhaltenen Speicher, welche aufgrund seines Aussehens auch als Kaffeemühle bezeichnet wird, findet man eine Ausstellung über die Geschichte der Stadt Wolgast und dem leider nicht mehr existierenden Schloss der pommerschen Herzöge. Freunde der modernen Kunst finden vor den Toren der Stadt Wolgast den Skulpturenpark Katzow vor, auf dessen achtzehn Hektar großen Ausstellungsfläche zahlreiche Skulpturen von Künstlern aus der Region und dem Ausland ausgestellt werden.

Mit dem Auto erreicht man Wolgast über die Bundesstraße 111. Die Stadt Wolgast ist auch mit der Bahn zu erreichen. Wenn man aus Richtung Berlin oder Stralsund kommt, muss man beim Bahnhof Züssow aussteigen und dann in einen Zug der Usedomer Bäderbahn (UBB) steigen, welcher dann in Richtung Swinemünde fährt. Für Urlauber auf der Insel Usedom sind die Verbindungen der Usedomer Bäderbahn auch sehr interessant, da man mit diesen Zügen den kompletten Nordteil der Insel sehr abgedeckt hat, welche während der Saison am Tage jede halbe Stunde von Wolgast nach Swinemünde pendeln. Sollte man also einmal einen Tag mit etwas regnerischem Wetter haben, kann man diese Züge nutzen, um bequem nach Wolgast zu fahren und sich dann die Museen und Sehenswürdigkeiten der Stadt anzuschauen.