Hans-Fallada-Museum Carwitz

Hans-Fallada-Museum Carwitz

Hans-Fallada-Museum Carwitz


In Carwitz wollte er seinen inneren Frieden finden und dem wachsenden poltischen Druck entgehen, dem er seit der Machtergreifung der Nationalsozialisten ausgesetzt war. Hier in dem von vier Seen und tiefen Wäldern umgebenen Dörfchen fand er das Fleckchen Erde, das für ihn der Rückzugsort werden sollte, welchen er sich dank des Erfolgs seines Romans Kleiner Mann, was nun? finanziell leisten konnte. Am Dorfrand, direkt am Ufer des Carwitzer See gelegen, befand sich eine alte Büdnerei, die er nun nach seinen Vorstellungen umbauen ließ und mit einer Veranda versah, von der aus man einen traumhaften Blick auf den See und den davor befindlichen Garten hat. Er selbst beschrieb Carwitz als einen der schönsten, stillsten Erdenflecken, der für ihn der ideale Ort zum Schreiben war. Um die Stille, die ihm die Natur bot zu erhalten, stellte Rudolf Ditzen alias Hans Fallada die eine oder andere Regel auf, wie man sich im Haus und im Garten zu verhalten hat, um ja so wenig Lärm wie möglich zu erzeugen, der ihm, dem vom Schreiben besessenen Autor von seiner kreativen Arbeit abhalten könnte.

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Vierzehn Romane und zahlreiche Erzählungen entstanden während seiner Zeit in Carvitz, wie viel Kaffee, den er Tag für Tag literweise getrunken haben soll, und Zigaretten er dafür brauchte, kann man nur erahnen. Ein Aschenbecher, der neben seiner Schreibmaschine seinen Platz gefunden hat, erinnert ebenso wie eine Kaffeekanne, an den einstigen Hausherren, dessen Arbeitszimmer auf die Besucher so wirkt, als ob er sich in den Garten begeben hätte, um dort für seine Kinder der fürsorgliche Vater zu sein, der ihnen seine Geschichten aus der Murkelei widmete, und um die Schönheiten der Natur zu genießen, mit der der abseits gelegen und auch heutzutage von großen Touristenmassen verschont gebliebene Ort gesegnet ist. Der Garten des Hauses mit der Sitzecke am Seeufer, an denen Fallada das eine oder andere Mahl mit der Familie eingenommen hat, das Bienenhaus, in dem er selber Honig schleuderte, um die zumeist klamme Haushaltskasse etwas aufzubessern, und die zahlreichen Obstbäume und Blumen vermitteln einen Eindruck an die Zeit als das Haus in Carwitz die Quelle seiner kreativen Kraft war.

Zu den hier entstandenen Werken zählen unter anderem seine Romane Wer einmal aus dem Blechnapf frißt, Wolf unter Wölfen, Der eiserne Gustav und Ein Mann will hinauf. da viele seiner Werke autobiographische Züge tragen Romane wie Der Trinker oder Der Alpdruck, in dem er seine Zeit als Bürgermeister von Feldberg verarbeitet hat, sind mehr als offensichtlich von eigenen Erlebnissen geprägt. So bietet das Museum mit seinen Räumen, die im Stil der 30er Jahre eingerichtet wurden, einen Einblick in die Welt Falladas, welche sich mit zahlreichen Fotografien und Dokumenten erkunden lässt. Nachdem man bei einem Rundgang das einstige Arbeitszimmer des Autors, welches sein großer dunkler Schreibtisch dominiert, hinter sich gelassen hat, betritt man das Reich der Familie, in dem zumindest während er seiner schriftstellerischen Arbeit nachging, so wenig Lärm wie möglich ertönen durfte. Der Blickfang der Küche ist die Kochmaschine, die nach alten Fotografien wieder rekonstruiert wurde. Schmuckstück des Hauses ist zweifelsfrei die Veranda mit ihren in rot gehaltenen Bücherregalen, in der Fallada viele glückliche Stunden im Kreise seiner Familie verbracht hat.

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So glücklich die Carwitzer Jahre für ihn waren, sein Abschied von hier sollte sich tragisch entwickeln. Im Streit mit seiner geschiedenen Frau Anna, die ihren treulosen Mann wegen Ehebruchs vor die Tür setzte, er hatte mit seiner Haushälterin ein Verhältnis, nahm er ein Gewehr, welches er in Richtung seiner Frau abfeuerte. Er traf sie zwar nicht, erhielt aber eine Anklage wegen versuchten Totschlags und fand sich aber in der Heil- und Pflegeanstalt der Landesanstalt Neustrelitz-Strelitz wieder, wo er unter anderem an seinem Roman Der Trinker arbeitete, in der er sein Drogenproblem thematisierte. Carvitz verließ er dann für immer, und zog nach Berlin, wo er kurz nach der Fertigstellung seines Romans Der Trinker verstarb. Das Haus sollte ein paar Jahre in den Besitz des Kinderbuchverlag Berlin gelangen, an den es Anna Ditzen im Jahre 1965 veräußerte. Dieser gelangte nach der Wende in den Besitz der Treuhand, der das Anwesen veräußern wollte. Dank der Initiative des Freundeskreis Hans Fallada konnte die Gemeinde das Wohnhaus Falladas erwerben und darin ein Literaturmuseum eröffnen, welches an das Werk des Autors erinnert, mit dessen Charakteren sich die kleinen Leute identifizieren konnten.

Adresse Zum Bohnenwerder 2 – 17258 Feldberger Seenlandschaft
Internet www.fallada.de
Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag 10:00 – 17:00 Uhr (von April bis Oktober) und 13:00 – 16:00 Uhr (von November bis März)