Schloss Mirow

Schloss Mirow

Schloss Mirow


Adolf Friedrich II von Mecklenburg-Strelitz, der durch den Hamburger Erbvergleich ein kleines und relativ unbedeutendes Teilherzogtum begründete, hinterließ mit Christine Emilie Antonie eine junge Witwe, für die nun ein angemessener Witwensitz gefunden werden musste. Thronfolger war Adolf Friedrich III, sein ältester Sohn aus seiner ersten Ehe mit Marie von Mecklenburg-Güstrow, der in Strelitz, der neuen Hauptstadt des Herzogtums residierte. Die Wahl fiel auf die kleine Ortschaft Mirow, wo sich eine ehemalige Komturei befand, die im Jahre 1648 säkularisiert wurde und in den Besitz der mecklenburgischen Herzöge gelangte. Ein Ort des Friedens sollte nun dieses Fleckchen Erde nun auch für die junge Witwe werden, wie er es ab dem Jahre 1226 für die Zisterziensermönche war, die von Heinrich Borwin II. mit einer Landschenkung bedacht wurden, am Ufer des Mirower Sees ihre Komturei errichteten. Schon vor der eigentlichen Inbesitznahme durch die Herzöge begann man damit, die Anlage zu erweitern und mit einem Wall und einen Graben zu befestigen. Aus dieser Zeit stammt das im Jahre 1588 errichtete Torhaus, durch das man auch heutzutage noch auf die Insel gelangt, wobei die einstige Zugbrücke durch einen massiven Brückenbau ersetzt wurde.

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Da das kleine Herzogtum ein Grabgelege brauchte, erweiterte man die in der Kirche bestehende Gruft der Ordensherren und nutzte diese bis zum Ende der Herrschaft für die Bestattungen der herzoglichen Familie, bis auf den letzten regierenden Großherzog Adolf Friedrich VI., der wegen seines Selbstmords, seine letzte Ruhestätte auf der Liebesinsel finden sollte. Aufgrund der Wahl Mirows als Grabgelege dürfte wohl auch der Ort des Witwensitzes gewählt worden sein. Man nimmt an, dass der neue Schlossbau an der Stelle errichtet wurde, an der sich einst das Ordenshaus befunden hat. Hierfür wurde der Baumeister Johann Caspar Borchmann beauftragt, der einen zweigeschossigen verputzten Fachwerkbau errichtete, der äußerlich in Rot gehalten war. Davon, wie prachtvoll dieses Schloss ausgesehen haben muss, kann man sich im barocken Festsaal überzeugen, für deren kunstvolle Stuckaturen des italienischen Stuckateurs Giovanni Battista Clerici, der seine Spuren in zahlreichen Schlössern hinterlassen hat. Der Festsaal dürfte wohl derjenige Raum im Mirower Schloss sein, dem man bei einem Rundgang die meiste Aufmerksamkeit zuteilwerden lassen dürfte, schon allein die detailverliebt gearbeiteten Putten lassen die Augen auf sich richten.

Unter der Obhut seiner Mutter wuchs Adolf Friedrichs jüngster Sohn Karl auf, dessen Kinder wiederum für den Glanz des Hauses Mecklenburg-Strelitz sorgen sollten. Er und sein Hof in Mirow haben nicht unbedingt einen allzu hochherrschaftlichen Eindruck gemacht, denn bekanntlich bezeichnete Friedrich der Große die Mirower spöttisch als Mirokesen beschrieb so den Eindruck, der sich ihm bei seinen Besuchen in Mirow aufdrängte. Da er als Kronprinz im Schloss Rheinsberg residierte, weilte er des Öfteren hier und sah den Kinderreichtum des Mirower Zweiges persönlich, den er als Karnickelstall betitelte. Von den insgesamt zehn Kindern, die Elisabeth Albertine zur Welt brachte, überlebten sechs, von denen Sophie Charlotte als Königin von Großbritannien in die Geschichte eingehen sollte. Ihre Kinder wurden aber nicht im Mirower Schloss geboren, sondern im Unteren Schloss, das man für Karl und seine Familie errichtete. Das heute als 3-Königinnen-Palais bezeichnete Gebäude ist das einstige Kavalierhaus, welches Elisabeth Albertine in Auftrag gab, nachdem ihr Mann Karl verstorben ist und ihr Sohn Adolf Friedrich IV. den Thron seines ebenfalls verstorbenen Onkels bestieg.

Elisabeth Albertine von Mecklenburg-Strelitz ließ nicht nur das Kavalierhaus errichten, welches in den Jahren 1756 bis 1758 entstand, sondern begann auch das frühere Schloss im Stil des Rokoko umzubauen, nachdem die Wirtschaftsräume ihren Platz im gegenüberliegenden Kavalierhaus gefunden hatten. Hierbei kam ihr der Siebenjährige Krieg gelegen, denn während des Krieges hatte das Königreich Preußen kein Geld für den Bau von Schlossbauten, sodass ihr die nun arbeitslosen Künstler in ihre Dienste nehmen konnte, die das Innere des Schlosses im Stil des friderizianischen Rokoko umgestalteten. Nach ihrem Tod im Jahre 1761 wurde die Mirower Schlossinsel nicht weiter genutzt. Ihr ältester Sohn Herzog Adolf Friedrich IV., der als Dörchläuchting in Fritz Reuters Werk Einzug in die Literaturgeschichte gehalten hat, orientierte sich Richtung Norden, wo er in Neubrandenburg nicht nur seine Sommerresidenz errichten ließ, sondern auch das Schauspielhaus begründete, welches als der älteste Theaterbau Mecklenburg-Vorpommerns gilt. Da er wegen seiner Bauvorhaben unter ständigen Finanzproblemen litt, fehlte auch für die Residenz in Mirow das Geld, sodass deren Inneneinrichtung ihren Platz in anderen Schlössern fand, während es langsam verfiel.

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Im Jahre 1861 begann man damit das marode Schloss zu sanieren und als Ahnengalerie zu nutzen, die Sarkophage der auf den Bildern dargestellten verstorbenen Familienmitglieder befanden sich in der benachbarten Schlosskirche. Während des Zweiten Weltkrieges zog die Luftwaffe ein, was zumindest eine bessere Nutzung darstellte, als die nach dem Krieg, als die Räumlichkeiten des Schlosses als Kornspeicher dienen mussten. Nach einer Sanierung der Bausubstanz im Jahre 1949 beschloss, man ein Altersheim im Schloss unterzubringen, welches hier gut zwei Jahrzehnte lang zu finden war. Der darauf folgende Leerstand war nicht gut für die Bausubstanz an sich, schützte diese aber vor Veränderungen, sodass das Gebäude zwar einen schlechten baulichen Zustand aufwies, als man im Jahre 2005 mit der Sanierung begann, fand aber viele Details vor, welche von der einstigen Pracht des herzoglichen Schlosses zeugte. Pfingsten 2014 nutzten mehr als dreitausend Besucher die Gelegenheit, das nun wieder zugängliche Schloss zu besuchen, dessen Sanierung mehrere Jahre in Anspruch genommen hat.

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Die prächtigsten Zimmer befinden sich im südlichen Teil des Schlosses, welches sich Elisabeth Albertine zu ihrem Apartment hat umgestalten lassen. Zu diesem gelangt man durch den großen Gartensaal und betritt das in rot gehaltene Audienzzimmer, hinter dem sich die Privatgemächer anschließen, wo man auch ein Schlafzimmer mit einer Bettnische bewundern kann. Aufwendig sind hier die Wandverkleidungen und Stuckaturen gearbeitet, die sich erhalten haben. Für das Kuriositätenkabinett hatte das Geld bei der Eröffnung nicht gereicht, die vorgefundenen Spuren der einstigen Dekorationen lassen aber einen Eindruck zu, wie der Rauch in früheren Zeiten auf die Betrachter gewirkt haben muss. Das Obergeschoss kann die Besucher mit handbemalten Tapeten faszinieren, die im Stil des Rokoko gestalten wurden. Man sieht in vielen Räumen Muster mit floralen Motiven, aber auch Landschaftsmalereien mit einer Parklandschaft, in der sich Liebespaare zum Schäferstündchen treffen. Interessant ist auch die Gestaltung des sogenannten Gewitterzimmers, dessen Malereien ein aufkommendes Gewitter darstellen.

Adresse Schlossinsel – 17252 Mirow
Internet www.schlossmirow.de
Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen 10:00 bis 17:00 Uhr (April bis Juni und September bis Oktober) und Montag bis Sonntag 10:00 bis 18:00 Uhr (Juli bis August) und Führungen auf Anfrage (November bis März)