Störtebeker Festspiele Ralswiek

Störtebeker-Festspiele

Störtebeker-Festspiele


Von der einstigen Macht und dem Reichtum der Hanse zeugen heutzutage noch große Backsteinkirchen und prächtige Bürgerhäuser in den Hansestädten, von ihren einstigen Widersachern den Likedelern eigentlich nur noch die Sage von Klaus Störtebeker. Dass die Geschichte der Freibeuter, welche mit ihrem räuberischen Treiben den Handel in der Ostsee zeitweise zum Erliegen brachten, noch immer in den Köpfen der Menschen zu finden ist, dürfte auch den Störtebeker Festspielen zuzuschreiben sein, die ihr Publikum auf eine Reise in die Zeit der Hanse nehmen und an den Abenteuern des berühmten Piraten teilhaben lassen. Über dessen wahre Identität kann indes nur spekuliert werden, denn die Schriftquellen aus dieser Zeit sind recht dünn gesät. Die berühmte Sage spricht von einem verarmten Edelmann, der zum Freibeuter wurde und aufgrund seiner Trinkfestigkeit fortan Störtebeker gerufen wurde.

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Für diese Auslegung der Geschichte wird ein gewisser Klaus von Alkun ins Feld geführt, Spross eines pommerschen Adelsgeschlechtes, welches seinen Stammsitz auf einer Burg unweit der Stadt Barth hatte. Interessanterweise führten die Alkuns einen Trinkbecher in ihrem Wappenschild. Die Rüganer wiederum verorten seinen Geburtsort auf ihrer Insel, auf der er auch seinen legendären Schatz versteckt haben soll. Einige wollen in ihm einen gewissen Nikolaus Störtebeker erkannt haben, der im Jahre 1380 nach einer Schlägerei aus der Hansestadt Wismar verwiesen wurde, andere den Danziger Kapitän Johann Stortebeker, der zusammen mit anderen Vitalienbrüder im Jahre 1400 vom Herzog Albrecht von Holland angeworben wurde, um die Schiffe der Hanse zu überfallen. Im Jahre 1413 nahm auch König Heinrich V. von England von seinen Diensten im Kampf gegen die Hanse Gebrauch. Wer auch immer Klaus Störtebeker gewesen ist, für das Aufkommen der Vitalienbrüder ist Herzog Albrecht II. von Mecklenburg verantwortlich, der mit der Ausstellung von Kaperbriefen seine militärische Schwäche im Kampf um die dänische Königskrone verringern wollte.

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Im Jahre 1361 überfiel der dänische König Waldemar IV. die Insel Gotland, plünderte die Hansestadt Visby und entzog der Hanse ihre Privilegien. Diese setzte sich militärisch durch und erzwang in dem im Jahre 1370 geschlossenen Stralsunder Frieden ein Mitspracherecht bei der Wahl des dänischen Königs. Schon fünf Jahre später nutzte die Hanse ihr Recht, um den Sohn von Waldemars jüngerer Tochter Margarete zum dänischen König auszurufen. Waldemars ältere Tochter Ingeborg war wiederum mit Albrechts ältestem Sohn, dem späteren Herzog Heinrich III. verheiratet, so dass sich Albrecht II. um das Erbe seines Enkels gebracht sah und wiederum auf die Hilfe der Freibeuter setzte, die dank der ausgestellten Kaperbriefe rechtlich gesehen keine Piraten sondern Soldaten waren. Waren es anfangs noch ausschließlich dänische Schiffe, welche die Vitalienbrüder kaperten, sollten die vollbeladenen Koggen der Hanse eine deutlich fettere Beute für sie darstellen. Hierfür erhielten sie von der dänischen Regentin Margarete die notwendigen Kaperbriefe, mit denen sie den Handel der Hanse stören sollten.

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Was sie zunächst auch wie angedacht taten, bevor diese Art der Kriegsführung außer Kontrolle geriet und die Vitalienbrüder nun alle Schiffe überfielen, die ihnen vor den Bug kamen. Sie machten die Insel Gotland zu ihrem Stützpunkt, bevor sie im Jahre 1398 von dort durch eine Strafexpedition des Deutschen Orden vertrieben wurden und nach Ostfriesland flohen, so dass es nun hauptsächlich die Hansestädte Hamburg und Bremen waren, die unter der Piraterie litten. Im April des Jahres 1401 wird Klaus Störtebeker und seine Mannschaft von den Hamburgern gefangengenommen und später auf dem Grasbrook vor den Toren Hamburgs hingerichtet. Hier erzählt die Legende von einem Wunsch des Verurteilten, das Leben derjenigen Männer zu verschonen an denen er kopflos vorüber gehen kann. An elf seiner zweiundsiebzig Kameraden schritt er vorbei, bevor ihm der Henker ein Bein stellte. Betrachtet man die Legende einmal völlig emotionslos, erweisen sich einige Details dann doch als völlig übertrieben, was für die Figur des Klaus Störtebeker als Hauptperson einer Theaterinszenierung aber nicht als schädlich erweist.

Die heutigen Störtebeker-Festspiele haben mit den zu DDR-Zeiten veranstalteten Rügenfestspielen eine Vorgängerveranstaltung, der man noch heute den Standort der Ralswiecker Naturbühne verdankt. Hier führte man in den Jahren von 1959 bis 1961 beziehungsweise 1980 bis 1981 Kurt Barthels dramatische Ballade Klaus Störtebeker auf. Eine abenteuerliche Geschichte, die wahrscheinlich auch ausschlaggebend für die spätere Nutzung der idllisch gelegenen Bühne war, denn ab dem Jahre 1993 sollte sie nur noch die Heimat für den legendären Piraten bilden. Der Unterschied zu den einstigen Aufführung, in der sein gesamtes Leben erzählt wurde, besann man sich darauf, die Neugier des Publikums zu erhalten und seine abenteuerlichen Geschichten in mehreren Episoden zu erzählen. Wobei die erzählten Geschichten dann doch der Fantasie des Autors entspringen, die wie die besagte Legende historische Tatsachen verklärt, aber Klaus Störtebeker zum einzig wahren Helden der von Adel und Kirche unterdrückten Bevölkerung des späten Mittelalters macht.

Wohl mehr als die abenteuerlichen Geschichten aus der Feder von Intendant Peter Hick ist der ungeheure Materialaufwand für den Erfolg der Störtebeker Festspiele verantwortlich, denn um die riesige Bühne am Ufer des Großen Jasmunder Bodens mit Leben zu erfüllen, benötigt man neben den gut zwanzig Schauspielern mehr als hundert Statisten, zahlreiche Pferde, mehrere Schiffe und ein großes Feuerwerk am Ende jeder Aufführung. Und dieser Erfolg gibt den Machern der Störtebeker Festspiele recht, die sich pro Vorstellung über mehr als viereinhalbtausend zufriedene Besucher freuen können. Mindestens dreihundertfünfzigtausend Leute finden jedes Jahr den Weg zur Naturbühne Ralswiek, was die Störtebeker Festspiele an die Spitze aller deutschen Open-Air-Theateraufführungen katapultiert. Auch im Vergleich zur Konkurrenz in Mecklenburg-Vorpommern brauchen sich die Ralswieker absolut nicht zu verstecken, denn diese kommt nur auf ähnlich hohe Besucherzahlen, wenn sie ihre sämtlichen Besucher zusammenaddiert.

Internet www.stoertebeker.de