Ivenacker Eichen

Ivenacker Eichen

Ivenacker Eichen


Schon die Puhdys sangen in einem ihrer bekanntesten Lieder davon, dass sie so alt wie ein Baum werden wollen. Aber anscheinend waren sie vor dem Texten ihres Hits noch nicht im Wald von Ivenack gewesen, denn dann hätten sie es sich vielleicht doch noch anders überlegt. Oder auch nicht, falls ihre Altersvorsorge dementsprechend hoch ausfallen würde. So oder so muss man sich in dieser Angelegenheit die Frage stellen: Wie alt können Bäume werden? Diese Frage kann man bei einem Besuch im Forst von Ivenack beantworten, denn dort findet man mit der sogenannten Ringeiche, die wohl älteste der noch lebenden Eichen Deutschlands. Man liest in vielen Veröffentlichungen immer die Aussage, dass die Ivenacker Eichen tausend Jahre alt sein sollen, aber nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen muss die Aussage über das Alter der Eichen in das Reich der Legenden verwiesen werden, denn bei einer Untersuchung der Bäume wurde das potentielle Alter der Ringeiche auf maximal neunhundert Jahren festgelegt. Andere Wissenschaftler meinen wiederum,dass diese Eiche höchstens achthundert achthundert Jahre alt ist, also deutlich weit entfernt von den angeblichen tausend Jahren, mit denen diese Eichen gerne in Verbindung gebracht werden. Aber trotz allem ist die Ringeiche im Forst von Ivenack mit ihren acht- bis neunhundert Jahren Alter der älteste lebende Baum in Deutschland.

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In jeder Legende steckt oft ein Fünkchen Wahrheit und daher gibt es über die Ivenacker Eichen einige Sagen und Legenden, welche mit ihrem wahren Alter in Verbindung gebracht werden können. Im Örtchen Ivenack wurde im Jahre 1252 ein Zisterzienserinnenkloster gegründet, an dessen Stelle man heutzutage das imposante Schloss von Ivenack finden kann. Eine Legende, welche die Entstehung der Ivenacker Eichen behandelt, spricht von sieben Nonnen, welche das Klosterleben hinter sich lassen wollten und bei ihrer Flucht die Hilfe des Teufels in Anspruch genommen haben. Dieser versprach, sie bei ihrer Flucht aus dem Kloster zu helfen, wenn sie dabei eine einzige Bedingung einhielten. Sie sollten sich auf der Flucht in das benachbarte Stavenhagen nicht ein einziges Mal umdrehen, erst wenn sie dort angekommen sind, wäre die Fluchthilfe beendet gewesen. Da der Teufel aber recht hinterhältig war, und hinter den Rücken der fliehenden Nonnen eine angsterregende Geräuschkulisse veranstaltete, konnten es sich die Nonnen nicht verkneifen und drehten sich nacheinander aus Neugierde herum, wobei sie auf der Stelle am Ort des Geschehens in Eichen verwandelt wurden, wo sie noch heutzutage zu finden sind. Wenn man von einem Alter der Eichen von fünfhundert bis achthundert Jahren ausgeht, dann würde die Entstehung der Sage in die Zeit der der Existenz Klosters fallen.

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Über die riesige Ringeiche gibt es auch eine eigene Sage. In dieser steckte eine gegen ihren Willen ins Kloster gebrachte Nonne ihren Verlobungsring über eine kleine Eiche, welcher sich im Laufe der Zeit mit der Wachsenden Eiche verbunden haben soll. Die sogenannte Ringeiche ist übrigens die älteste der noch lebenden Eichen im Wald von Ivenack und mit ihren gewaltigen Ausmaßen auch das imposanteste Exemplar. In früheren Zeiten gab es des öfteren Bilder von Leuten die in einer Gruppe von zwölf Personen versucht haben den Baum zu umfassen. Heutzutage sind solche Bilder aufgrund der geltenden Sicherheitsbestimmungen nicht mehr möglich, da potentiell herab fallende Äste so schwer sein könnten, dass sie mit ihrem Gewicht einen darunter stehenden Menschen erschlagen könnten. Daher sollte man aufgrund des alten Baumbestandes bei starken Stürmen nicht unbedingt diesen Wald besuchen. Die Maße der Ringeiche sind übrigens imposant, denn der Durchmesser des Baumes beträgt weit über drei Meter, der Umfang sogar fast elf Meter. Mit diesen Ausmaßen ist sie auch offiziell als die stärkste europäische Eiche anerkannt worden.

Dass die Ivenacker Eichen ein so hohes Alter erreichen konnten liegt an der seit dem Mittelalter durchgängigen Nutzung des Waldes als Hutewald. Ein Hutewalt ist ein Wald, in welchem man das Vieh trieb, damit dieses sich von den darin wachsenden Pflanzen ernähren konnte. Dabei fraßen die Kühe nicht nur Gräser, sondern bissen auch nachwachsende Bäume weg. Dadurch hatten die schon existierenden Eichen keine natürlichen Feinde, welches ihnen Licht und Nährstoffe streitig machten, und konnten sich so ausbreiten und ihr hohes Alter erreichen. Anfang des 18. Jahrhunderts errichte man im Wald von Ivenack ein Tiergehege und siedelte Damwild an. Das Damwild übernahm nun die Aufgaben, welche vorher den verschiedenen Haustieren zugefallen war. Auch heutzutage kann man im Tiergehege Damwild finden. Insgesamt leben heutzutage um die achtzig Tiere im Ivenacker Wald, welche man bei einem Besuch beobachten kann. Die beste Gelegenheit dazu bietet sich zur täglichen Fütterungszeit.

Bei einer Wanderung durch den Wald wird man im westlichen Teil des Waldes einen Berg finden, auf welchen sich zwei Gedenksteine befinden. Der eine Stein besitz eine Inschift in französischer Sprache, der zweite eine in Latein. Beide Steine sind aber ein Ausdruck der Liebe Hellmuth Burchhart Hartwig Freiherr von Maltzahn Graf von Plessen, der mit der bürgerlichen Anna Elisabeth Gilo eine zu seiner Zeit nicht standesgemäße Liebschaft hatte. Da sie mit zweiundzwanzig Jahren schon früh verstarb, hatte er ihr mit dem sogenannten Lischengrab ein Denkmal errichten lassen, dass ihn und die Nachwelt immer an seine unglückliche Liebe erinnern sollte.

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Einige Informationen über die Flora und Fauna des Waldes sowie der Geschichte der Ivenacker Eichen findet man in dem kleinen Pavillon im Süden des Tiergeheges. Gleich in der Nähe befindet sich nicht nur die Fütterungsstelle des Damwildes, sondern auch ein kleines Café, in welchem man sich bei seinem Besuch stärken kann. Die Spezialtät des Hauses ist die Fritz-Reuter-Torte, die aus der Grammentiner Bäckerei stammt, welche inzwischen mit ihrem Ivenacker Baumkuchen eine überregionale Bekanntheit erlangt hat.

Am einfachsten ist es natürlich, wenn man mit dem Auto anreist. Im Westen befindet sich in der Nähe von Stavenhagen ein Parkplatz. Von hier muss man etwa anderthalb Kilometer zu Fuß laufen, bis man zu den alten Eichen gelangt. Einen etwas kürzeren Weg hat man, wenn in Ivenack parkt und von dort aus die fünfhundert Meter zum Eingang zu Fuß zurücklegt. Von hier aus ist es nicht mehr ganz so weit bis man die ersten Baumriesen zu Gesicht bekommt. Sollte man mit der Bahn anreisen, empfiehlt es sich im Rahmen eines Besuches der Ivenacker Eiche vorher auch das interessante Fritz Reuter-Museum in Stavenhagen zu besuchen, welches sich am Marktplatz von der Stadt befindet. Von hier aus führt ein direkter Weg über die Ivenacker Straße und den Stadtholzweg zum westlichen Eingang des Tiergeheges.