Wismarer Heringstage

Wismarer Heringstage

Wismarer Heringstage


Wenn man sich die Geschichte der drei großen imposanten Backsteinkirchen der Hansestadt Wismar einmal anschaut, findet man keine allzu offensichtlichen Hinweise, wie diese einst finanziert werden konnten. Dass ein Teil der für den Bau notwendigen Gelder durch die zahlreichen Brauereien erwirtschaftet wurden, von denen über zweihundert in der Blütezeit der Hanse existierten, ist bekannt, dass aber der größte Gewinn mit einem Speisefisch erwirtschaftet wurde, der alljährlich in die Gewässer der Ostsee schwimmt, um hier zu laichen, vergisst man aber allzu oft. Schon zu Beginn der Hanse sollte der Atlantische Hering zu einem der wichtigsten Handelsgüter werden. Er war dank der guten Fischgründe in den Gewässern der Ostsee einfach zu fangen, durch der Konservierung mittels Salz lange haltbar zu machen und dank der langen Fastenzeiten herrschte eine hohe Nachfrage. Die in Holzfässern gefüllten Salzheringe wurden bis nach Süddeutschlang gebracht, wo sie den Kaufleuten gutes Geld einbrachten.

Anzeige

Zu den Gründen des Untergangs der Hanse dürften daher auch die im 16. Jahrhundert kleiner werdenden Heringsschwärme zählen, die ihren Weg in die Ostsee fanden. Nun verdienten holländische Händler sich mit den in der Nordsee gefangenen Fischen eine goldene Nase. Den deutschen Hansestädten blieben nur die mit Backsteinen errichteten Monumente ihrer einstigen Macht. Die Nikolaikirche besitzt beispielsweise das nach der Lübecker Marienkirche höchste Gewölbe einer während der Backsteingotik errichteten Kirche in Deutschland, eine Leistung, die ohne den durch den Handel mit Heringen erworbenen Wohlstand nicht möglich gewesen wäre. Auch die zahlreichen historischen Bürgerhäuser aus der Hansezeit, wovon der am Marktplatz befindliche Alte Schwede das bekannteste sein dürfte, legen auch heute noch ein Zeugnis davon ab, wie wohlhabend die Heringe die einstigen Hauseigentümer gemacht haben. Zahlreiche Kriege brachten Tod und Zerstörung über das Gebiet des heutigen Mecklenburg-Vorpommerns, was aber blieb sind die backsteinernen Erinnerungen an die Zeit der Hanse.

Dass der Hering dereinst eine derartig große wirtschaftliche Bedeutung für die Hansestadt Wismar besaß, vergaß man aber über die Jahrhunderte. Der Hering wird heute auch noch gefangen und konsumiert, eine wirkliche Anerkennung bekam der beliebte Speisefisch in Wismar aber erst nachdem der Hanseatische Köcheclub Wismarbucht die Wismarer Heringstage ins Leben gerufen haben. Seitdem wird für zwei Wochen im März der kulinarische Schwerpunkt zahlreicher Restaurants auf die Zubereitung von Heringen gelegt. Mit einem Umzug mit Heringskarren der vom Alten Hafen zum Marktplatz führt, werden die alljährlichen Wismarer Heringstage zünftig eingeläutet. Hier auf dem größten Marktplatz Norddeutschlands zieht an diesem Tag der Duft von gebratenen Heringen in die Nasen der anwesenden Besucherinnen und Besucher, die von einem maritimen Kulturprogramm begleitet, die frischgebratenen Heringe probieren können.

Anzeige

Wie vielfältig man die Heringe zubereiten kann, zeigen die Küchenchefs der teilnehmenden Restaurants, indem sie ihrer Kreativität bei der Zubereitung des Speisefisches freien Lauf lassen, und ihre Gäste Jahr für Jahr mit den unterschiedlichsten Gerichten überraschen. Auf Bratheringe, Matjes oder Rollmöpse muss man während dieser Zeit aber nicht verzichten, die klassischen Variationen bleiben ein Grundbestandteil der jeweiligen Speisekarten. Wenn dann zwei Wochen später der maritime Fischmarkt am Alten Hafen die Wismarer Heringstage offiziell beendet, dürfte die Tatsache, dass auch der Ostseehering für den einstigen Reichtum der Hansestädte verantwortlich war, vieleicht etwas stärker in das Bewusstsein der Menschen angekommen sein, denn das sogenannte Silber des Meeres war schon zu Zeiten der Hanse Gold wert.

Internet

www.heringstage-wismar.de

Termin

siehe unter kulinarische Veranstaltungen