Müritz-Saga Waren (Müritz)

Müritz-Saga Waren (Müritz)

Müritz-Saga Waren (Müritz)


Zu den dunkelsten Kapiteln der Geschichte Mecklenburg-Vorpommerns gehört die Zeit des Dreißigjährigen Krieges durch den die gesamte Region stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Nicht nur, dass die marodierenden Heere die auf ihrem Wege liegenden Dörfer und Städte ausplünderten, so tat auch die Pest ihr übriges, um die Zahl der notleidenden Einwohner des Landstriches weiter zu dezimieren. Auch die am Nordufer der Müritz gelegene Stadt Waren sollte mehrfach ein Opfer der Kriegshandlungen werden. Nachdem die kaiserlichen Truppen die Armeen der protestantischen Fürsten besiegt hatten, gründete sich die aus Dänemark, England und den Niederlanden bestehende Haager Allianz, welche den Protestantismus in Norddeutschland sichern sollte. Unter der Führung von Christian IV. von Dänemark setzte sich die Armee in Richtung Süden in Bewegung währenddessen sich ein böhmischer Adeliger seinen Platz in den Geschichtsbüchern sichern sollte. Dieser hieß Albrecht von Wallenstein und verfügte dank einer Heirat mit einer reichen Witwe über ein beträchtliches Vermögen.

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Dieses ermöglichte ihm ein eigenes Heer aufzustellen, um für den Kaiser in den Krieg zu ziehen. Im Jahre 1627 besetzt er auf seinem Feldzug nach Mecklenburg die Stadt Waren und lässt die Bevölkerung mit dem Krieg in Berührung kommen. In den Jahren von 1628 bis 1631 regierte er als Herzog Albrecht VIII. zu Mecklenburg das Land, welches er vom Kaiser als Lehen bekommen hatte, der damit seine Kriegsschulden bezahlen wollte, und residierte im Güstrower Schloss. Während der späteren Kriegshandlungen sollten noch mehrfach Armeen die Stadt ausplündern und brandschatzen, bis dann auch noch in den Jahren 1637 und 1638 der Schwarze Tod in die Stadt kommt. Was der Krieg nicht zerstört hatte, vernichten mehrere Stadtbrände, von der mittelalterlichen Stadt zeugen nur noch die beiden Pfarrkirchen, die Fachwerkhäuser, welche den Charme des heutigen Luftkurortes ausmachen, stammen allesamt aus der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg.

Auf der Suche nach einem passenden Thema für ein alljährliches Open-Air-Theater besann sich Intendat und Regisseur Nils Düwell auf die Geschichte der Region und beschloss die Zuschauer mit auf eine Zeitreise zu nehmen, für deren Route der Autor Wolf Rüdiger Kuhl verantwortlich ist. Im Gegensatz zu den Geschichten der Störtebeker-Festspiele auf der Insel Rügen, die zumindest grob auf der Legende des legendären Piratenkapitäns beruhen, braucht man sich bei der Müritz-Saga um die Detailtreue der historischen Tatsachen nicht allzu viele Gedanken machen, denn die auf der Freilichtbühne auf dem Warener Mühlenberg erzählten Geschichten sind reine Fiktion. Wer beispielsweise das Gut Warentin, den Ort der Handlung, auf einer Karte suchen möchte, wird diesen darauf nicht finden können, denn in Mecklenburg-Vorpommern gibt es keinen Ort mit dem Namen Warentin. Entsprechend sind auch der Gutsherr Wolf von Warentin und seine Frau Clara fiktive Persönlichkeiten, die zwar nicht historisch belegt sind, dafür aber mit ihrer Familie stellvertretend für die einstigen Opfer die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges durchleben müssen.

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Wer Müritz-Saga besuchen möchte, muss nicht unbedingt die Inszenierungen der letzten Jahre gesehen haben, denn die hier erzählten Geschichten bauen zwar in den Grundzügen aufeinander auf, sind dann doch in sich geschlossen. Da sie zudem nicht chronologisch erzählt werden, begann die Müritz-Saga im Jahre 2006 mit der Inszenierung von Zeit der Hoffnung, in welcher es die Protagonisten in die ersten Tage nach dem Ende des Krieges verschlagen hat. Im Zentrum des Geschehens steht Freifrau Clara von Warentin die trotz der widrigen Umstände das Gut am laufen hält. Ihr Mann Wolf von Warentin zog in den Krieg, in dem er sich, zwar als Held gefeiert, letztendlich doch vor den siegreichen Truppen Wallensteins verstecken musste. In mehreren Folgen lässt ihn der Autor der Stücke in seiner Heimat zurückkehren, wo er als geheimnisvoller maskierter Rächer schützend seine Hand über seine Familie hält. Aber auch andere düstere Episoden aus der Landesgeschichte Mecklenburgs beleuchtete die Müritz-Saga, so im Jahre 2007 in Unter dem Hexenhammer die Zeit der Hexenverfolgung, über welche man sich übrigens in der Alten Burg in Penzlin ein gutes Bild machen kann.

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Für die Zeit der Müritz-Saga verwandelt sich die Freilichtbühne auf dem Mühlenberg in das fiktive Gut Warentin, welche fußläufig gut erreichbar ist. Vom Bahnhof der Stadt beziehungsweise dem Neuen Marktplatz ist es etwa eine ein Kilometer lange Stecke, die man zurücklegen muss. Am Neuen Marktplatz befindet sich das Haus des Gastes, in dem man die notwendigen Eintrittskarten für die Vorstellungen erwerben kann. Die auf dem Mühlenberg befindliche Freilichtbühne hat tausendzweihundert Sitzplätze vorzuweisen, die in drei Preiskategorien unterteilt sind. Wer etwas Geld bei den Tickets sparen möchte, sollte den Nachweis für die Kurtaxe beim Kauf dabei haben. Auch mit den Tickets mehrerer regionaler Anbieter von Schiffsausflügen und Buslinien, wie beispielsweise dem Müritz-Nationalpark-Ticket, kann man einen Rabatt bekommen. Im direkten Vergleich mit den anderen Open-Air-Theatern in Mecklenburg-Vorpommern gehört die Müritz-Saga zu den familienfreundlicheren Veranstaltern, denn dank einer sonntäglichen Nachmittagsvorstellung können in waren (Müritz) auch die jüngeren Theaterbesucher auf ihre Kosten kommen.

Internet www.mueritz-saga.de