Marktplatz Wismar

Marktplatz Wismar

Marktplatz Wismar


Schnell gedieh die durch den mecklenburgischen Fürsten Heinrich Borwin I. gegründeten Siedlung, welche im Jahre 1229 das lübische Stadtrecht erhalten sollte. Schon zehn Jahre darauf waren die beiden ursprünglichen Siedlungskerne um die Marien- und Nikolaikirche zu einer Siedlung zusammengewachsen, die um das Jahr 1250 um die Neustadt erweitert wurde, die sich um die Georgenkirche entwickelte. Als man im Jahre 1276 mit dem Bau einer steinernen Stadtmauer begann, welche das gesamte Stadtgebiet umschloss, besaß die historische Altstadt von Wismar schon seine Straßenzüge, welche sich seitdem nicht verändert haben. Im Zentrum der vielen Straßen und Gassen befand sich mit dem Marktplatz das wirtschaftliche Herzstück einer jeden Hansestadt. Wismar, das schon im Jahre 1259, also recht kurz nach seiner Gründung, mit Städten wie Lübeck, Kiel, Stralsund und Rostock den sogenannten Wendischen Städtebund begründeten, aus dem sich die spätere Städtehanse entwickeln sollte, florierte aufgrund seiner günstigen Lage an der Ostseeküste und gönnte sich einen Marktplatz der solche Dimensionen aufzuweisen hatte, welche in ganz Norddeutschland einmalig bleiben sollten.

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Die Marktplätze anderer Hansestädte hatten zum Großteil auch beachtliche Größen erreicht, mit einer Fläche von zehntausend Quadratmetern, was übrigens einem ganzen Hektar entspricht, sollte der Wismarer Marktplatz aber der Größte bleiben. Die Größe des Platzes ist auch ein Zeichen früherer Größe, denn der zuvor auf der namensgebenden Burg Mecklenburg residierende Fürst Johann I. von Mecklenburg sollte im Jahre 1257 seine Residenz nach Wismar verlegen, welche sie bis zum Jahr 1358 blieb. Somit war Wismar in seinen frühen Jahren die wirtschaftlich und politisch wichtigste Stadt Mecklenburgs, was sich auch in der regen Bautätigkeit niederschlug, die auch das Bild des Marktplatzes architektonisch prägen sollte. Ein bauliches Beispiel ist das gotische Giebelhaus, welches unter dem Namen Alter Schwede Bekanntheit erlangte. Das um das Jahr 1380 errichtete Gebäude bietet einen Eindruck wie die den Marktplatz umfassenden Giebelhäuser diesen geprägt haben könnten, da viele der anderen Giebelhäuser in späteren Jahrhunderten baulichen Veränderungen unterzogen wurden.

Keine Ausnahme bildet das Rathaus von Wismar, welches eine klassizistische Formgebung aufzuweisen hat. Von dem ursprünglichen Bau, der eine prächtige Schaufassade zu bieten hatte, blieb nur das Kellergewölbe erhalten. Den Blickfang des Marktplatzes bildet aber ein Bauwerk, welches einst für die Wasserversorgung der Wismarer Bürger zuständig war. Die im Stil der niederländischen Renaissance gestaltete Wasserkunst befindet sich in der südöstlichen Ecke des Platzes und gilt als das bekannteste Wahrzeichen der Stadt Wismar. Für den eigentlichen Zweck des Handelns wird der Wismarer Marktplatz heutzutage nur noch selten genutzt, wenn man von den regelmäßigen Frischemärkten einmal absieht. Dank seiner Größe bietet der Platz ausreichend Fläche für Großveranstaltungen wie beispielsweise dem Schwedenfest oder dem alljährlichen Weihnachtsmarkt. Einzig ein Detail stört die Idylle des Platzes, an dessen Außenseiten die ansässigen Gastronomen während wärmeren Jahreszeiten Tische und Stühle aufstellen. Die Nutzung des Marktes als Parkplatz nimmt ihm doch etwas von seinem Charme.