Röbel/Müritz

Röbel/Müritz

Röbel/Müritz


Die gut tausendsechshundert Meter lange Stadtmauer mit ihren drei Toren schützte nicht nur die von Heinrich Borwin II. gegründete Stadt am Ufer der Müritz vor ungebetenen Besuchern, sondern trennte auch die von deutschen Siedlern begründeten Neustadt von der ursprünglichen slawischen Altstadt. Heutzutage zeugen noch am Mönchteich einige Reste der Stadtmauer von der etwas speziellen Geschichte der mecklenburgischen Kleinstadt, denn die drei Stadttore, von denen einzig allein das Mühlentor dank eines Straßennamens noch heutzutage von seiner einstigen Existenz zeugen kann, wurden schon im Jahre 1847 abgerissen. Bei der deutschen Ostkolonisation wurden in vielen Fällen die Siedlungen der deutschen Kolonisten neben schon bestehenden slawischen Siedlungen gegründet, die später zusammenwuchsen und die Keimzellen für spätere Städte legten. So auch im Falle der Stadt Röbel, deren Name slawischen Ursprungs ist.

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Hier am Ufer der Müritz, geschützt durch den See und die umliegenden Sümpfe errichteten die Morizaner eine Burg und einen Tempel, zu deren Füssen eine Siedlung entstand. Nachdem im Jahre 1226 Heinrich Borwin II. Röbel das Stadtrecht verliehen hatte, hätte die Geschichte der Stadt ähnlich wie die von anderen Städten verlaufen können, wäre da nicht die Grenze zwischen den beiden Bistümern Havelberg und Schwerin gewesen, welche direkt durch den Ort verlief. Während das größte Gebiet des heutigen Mecklenburg durch das Bistum Schwerin christianisiert wurde, war es das Bistum Havelberg welches seinen Einfluss an die Müritz ausdehnen konnte. Die Grenze zwischen Mecklenburg und Brandenburg verschob sich in späteren Jahren in Richtung Süden, die Grenze zwischen den Bistümern blieb und sollte in späteren Jahrhunderten ihren Anteil an der für Mecklenburg recht einzigartigen Spaltung der Stadt haben.

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Zunächst konnten sich die beiden Stadtteile ungestört entwickeln. So errichtete man die Marienkirche auf dem einstigen Tempelberg, während sich die Herren auf dem Burgberg niederließen. Aufgrund der grenznahen Lage entwickelte sich ein Streit zwischen den beiden Bistümern, der im Jahre 1252 durch Papst Innozenz IV. geschlichtet werden musste und die Teilung der Stadt zementierte. Diese hatte im Jahre 1226 durch Heinrich Borwin II. das Stadtrecht mündlich erhalten, welches im Jahre 1261 durch seinen Sohn und Nachfolger Nikolaus I. noch einmal schriftlich bestätigt wurde. In dieser Urkunde wurden die Grenzen der Stadt festgelegt, die ihren Platz im havelbergischen Teil finden sollte. Hier entstand nun das neue Stadtzentrum mit Marktplatz, Rathaus und der Nicolaikirche, welches mit einer Mauer umgeben wurde. Außen vor blieben die Bewohner der Altstadt, die seitdem wie Bürger zweiter Klasse behandelt wurden, denn über viele städtische Privilegien konnten nur die Bewohner der Neustadt verfügen.

So entwickelten sich beide Stadtteile recht unterschiedlich, denn während die Neustädter Handwerker und Händler waren, verdienten sich die Altstädter ihren Lebensunterhalt mit Fischerei und Landwirtschaft. Mit der Gründung des Klosters im Jahre 1273, welches aber nur ein paar Jahre später nach Malchow verlegt wird, erhält dieses um Röbel gelegene Ländereien übertragen. Mitte des 14. Jahrhunderts erlebt Röbel seine Blütezeit. Neben Güstrow etabliert sich Röbel als Residenzstadt der Fürsten von Werle, so dass nicht nur das Schloss ausgebaut wird, sondern auch die einfachen Wälle mit Palisaden weichen einer steinernen Stadtbefestigung. Da die Landesherren meist knapp bei Kasse waren, konnten die Röbeler von dieser Situation profitieren, was durch die rege Bautätigkeit in der Stadt sichtbar wurde, die nun mit ihren beiden Kirchtürmen schon von weitem zu sehen war.

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Mit dem Abriss des Schlosses, Röbel war nach dem Übergang zu Mecklenburg keine Residenzstadt mehr, verlor die Stadt an Bedeutung und ein potentielles Wahrzeichen, zumindest fast, denn seit dem Jahre 1480 thront auf dem einstigen Burgberg eine Windmühle, deren Nachfolgerin auch heutzutage eines der markanten Wahrzeichen der Stadt darstellt. Nach und nach werden die Streitigkeiten zwischen den Bewohnern der Altstadt und der Neustadt aktenkundig, so wie der im Jahre 1506 ausgetragene Streit um die Belieferung des Röbeler Marktes mit dem Fisch der altstädtischen Fischer, welche ihren Fang lieber auf anderen Märkten zu weit besseren Preisen verkaufen wollten. Ein paar Jahrzehnte begann man sich dann gegenseitig zu verklagen, ein wahrer Prozessmarathon der fast dreihundert Jahre andauern sollte. Mehrere große Stadtbrände und der Dreißigjährige Krieg gingen an Röbel nicht spurlos vorbei, unter anderen verlor die Stadt ihre beiden Hospitäler, später auch das Kloster, in welches nach dem Umzug des Nonnenklosters nach Malchow von Dominikanermönchen bewohnt war.

Durch den großen Stadtbrand von 1724 verlor die Stadt wieder viel von ihrer Bausubstanz, durch den anschließenden Wiederaufbau erhielt die Stadt ihr heutiges Erscheinungsbild mit den zahlreichen Fachwerkhäusern. Durch den Bau der Elde-Müritz-Havel-Wasserstraße, die im Jahre 1837 eröffnet wurde, erhielt die Stadt eine Grundlage für den heutigen Tourismus, denn viele Touristen erreichen Röbel über die Müritz. Hier bietet der Hafen und die Müritzpromenade einen schönen Startpunkt für die Entdeckungstor durch die Stadt, welche man mittels Schiffsverbindungen von Waren (Müritz) aus erreichen kann. Hier bieten die beiden Kirchtürme der Stadt ein wunderbares Schauspiel, denn wenn die Marienkirche die dahinter befindliche Nikolaikirche verdeckt, hat man den richtigen Kurs um in den Hafen gelangen zu können. Von hier aus ist es nicht mehr allzu weit bis zur Marienkirche, die mit ihrem achtundfünfzig Meter hohen Turm ihren Besuchern eine wunderbare Gelegenheit bietet, einen Blick über die Stadt und die benachbarte Müritz genießen zu können.

Die Kirche musste aufgrund von Baufälligkeit in Mitte des 19. Jahrhunderts aufwendig saniert werden und erhielt dadurch ihre neugotische Formensprache im Inneren und am neuerrichteten Kirchturm. Auf dem Weg in Richtung Marktplatz kommt man zwangsläufig am Haus des Gastes vorbei, dessen Besuch sich durchaus lohnt, denn in den Räumlichkeiten befindet sich ein liebevoll gestaltetes Heimatmuseum, in dem man einige interessante Details aus der Stadtgeschichte erfahren kann. Die Nicolaikirche hat trotz einiger neogotischer Umgestaltungen noch vieles von ihrer mittelalterlichen Bausubstanz erhalten können. Ein Blickfang stellt das aus dem Jahre 1519 stammende Chorgestühl des ehemaligen Dominikanerklosters dar, welches aber nicht vollständig erhalten geblieben ist, sowie der aus ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts stammende Taufstein.

Schon auf dem Weg hierher dürfte der auf dem Mühlenberg stehende Galerieholänder die Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben, denn schon von weitem strahlen die Flügel der Windmühle, in der heutzutage eine Galerie untergebracht ist, in der hauptsächlich aus der Region stammende Künstler ihre Werke ausstellen. Auch von hier kann man über die Dächer der Stadt schauen, der Blick vom Kirchturm dürfte aber deutlich mehr Natur und Wasser zu bieten haben. Nicht weit vom Mühlenberg entfernt befinden sich die Reste der Stadtmauer, welche dereinst Röbel zu einer geteilten Stadt gemacht hat. Mehrere hundert Jahre hatte sie Bestand, demgegenüber hatte die Berliner Mauer nur einen Bruchteil dieser Zeit existiert. Auf der anderen Seite der Altstadt findet man eine weitere bauliche Besonderheit, denn die im Jahre 1831 mit einem rechteckigen Grundriss ausgeführte Fachwerksynagoge gehört zu den wenigen noch erhaltengebliebenen Exemplaren in ganz Mecklenburg-Vorpommern. Da diese zwischenzeitlich aber als Werkstatt und Garage genutzt wurde, wodurch das leerstehende Gebäude erhalten blieb, fehlt die einstige Inneneinrichtung.

Auf dem Weg zum Hafen fällt der aus dem Jahre 1912 stammende Wasserturm auf, der sich nördlich von diesem befindet. Zumindest mit diesem Bauwerk, welches der jüdische Architekt Albert Gottheiner errichtete, bewiesen die Röbeler einmal wieder, dass in Mecklenburg nicht alles fünfzig Jahre später passieren muss, denn der Wasserturm von Röbel war der erste in Norddeutschland realisierte Stahlbetonbau. Da dieser recht schmal ausgefallen ist, dient er nur als Landmarke für die neben ihm errichteten Ferienwohnungen, welche man dank seiner Höhe wohl nicht übersehen könnte. Für die größte Attraktion des Ortes dürfte es bei einem Schiffsausflug etwas knapp mit der Zeit werden, denn mit der Müritz-Therme hat die Stadt Röbel seinen Gästen ein beliebtes Sport- und Spaßbad mit Saunalandschaft zu bieten, in dem man doch etwas mehr Zeit verbringen könnte.

Sollte man bei einer Radtour Röbel besuchen, lohnt sich ein Abstecher in das etwa drei Kilometer entfernt gelegene Bollewick, wo die größte Feldsteinscheune Deutschlands als Besuchermagnet etabliert hat. Mehrmals im Jahr finden in dieser größere Märkte statt, zu denen tausende Besucher strömen. Aber auch Röbel hat mit seinem alljährlich im Juli veranstalteten Müritzfest ein größeres Volksfest zu bieten, bei dem sich der Hafen in eine maritime Bummelmeile verwandelt, während der Marktplatz wieder seiner ursprünglichen Aufgabe gerecht wird und zahlreichen Kunsthandwerkern und Händlern an diesem Wochenende einen Platz für ihre Angebote bietet. Wann man auch in Röbel zu Gast sein ist, man sollte sich ruhig einmal die Zeit nehmen, die mit zahlreichen farbenfroh gestrichenen Fachwerkhäusern gesäumten Straßenzüge der am Ufer der Müritz gelegenen Kleinstadt zu erkunden, welche im Jahre 2002 sogar einen Preis bei einem bundesweiten Städtebauwettbewerb für die gelungene Sanierung ihres Altstadtkerns erhielt.

Dadurch zählt die beschauliche Kleinstadt zu den touristischen Zentren in der Mecklenburgischen Seenplatte, welche im Gegensatz zu Waren (Müritz) aber mehr auf solche Angebote setzt, welche sich an Touristen richten, die in ihrem Urlaub eher Ruhe und Entspannung suchen. Dementsprechend dürfte das Wochenende an dem das Röbeler Seefest ausgerichtet wird, eine große Ausnahme darstellen, denn für gewöhnlich wird die Stadt von nicht so großen Menschenmassen bevölkert. Ansonsten bilden der Hafen und die Müritzpromenade die Orte, an dem sich das Leben in Röbel abspielen. Hier landen die Schiffe mit den Tagesausflüglern an, hier rasten die Radfahrer auf ihrer Tour entlang der Müritz und auch hier kann man den in den Gewässern der Mecklenburgischen Seenplatte gefangenen und frisch zubereiteten Fisch munden lassen.