Atelier Otto Niemeyer-Holstein

Atelier Otto Niemeyer-Holstein

Atelier Otto Niemeyer-Holstein

Einen Geheimtipp für Liebhaber zeitgenössischer Kunst findet man an der schmalsten Stelle der Insel Usedom. Dass dieses Kunstmuseum überhaupt existiert, ist der Tatsache geschuldet, dass der Maler Otto Niemeyer-Holstein in seinem Testament verfügte, dass sein Atelier so erhalten werden soll, wie er es verlassen hat. Heutzutage können die Besucher das Atelier Otto Niemeyer-Holstein wirklich so vorfinden, als ob er sich gerade auf zum Strand von Koserow gemacht hätte, um dort neue Motive für seine Bilder zu finden. In seinem Atelier steht eine Staffel mit einem unvollendeten Werk, davor eine Farbpalette mit Pinseln, viel persönlicher kann man so ein Museum wohl nicht mehr gestalten.

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Otto Niemeyer-Holstein kam eher durch einen Zufall zur Malerei. Nachdem er im ersten Weltkrieg an der Front verletzt wurde, kam er in ein Lazarett in der Schweiz, wo er einige Künstler kennen lernte und so sein Interesse für die Malerei entdeckte. Im schweizerischen Ascona gründete er mit anderen Malern die Künstlergruppe Der Große Bär, deren Mitglieder die Liebe zur Landschaft gemeinsam hatten. Diese Liebe zur Natur blieb ihm bis zu seinem Tode erhalten, denn seine Lieblingsmotive fand er auf der Insel Usedom und seinem Garten, den er im Laufe der Jahre liebevoll gestaltet hatte. Bei einem Aufenthalt auf der Insel Usedom verliebte er sich in die Landschaft und beschloss hier zu wirken. Er kaufte sich im Jahre 1933 ein kleines Grundstück in der Nähe von Koserow und bei einer Auktion einen ausgemusterten Packwagen der Berliner S-Bahn. Diesen Eisenbahnwagen schaffte er mit großem Aufwand auf sein Anwesen und nutzte ihn während seiner Aufenthalte im Sommer als Atelier und Wohnstätte. Das er im Jahre 1939 seinen Lebensmittelpunkt ganz auf die Insel Usedom verlegte, hatte mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten zu tun, denn Otto Niemeyer-Holsteins zweite Ehefrau hatte jüdische Wurzeln, so dass er sie hier besser vor den Verfolgungen schützen konnte.

Hier lebten sie unter bescheidenen Verhältnissen, anfangs nur im Eisenbahnwagen, im Laufe der Jahre in den Anbauten, welche nach und nach um diesen Wagen errichtet wurden. Die Besonderheit an diesem Anwesen ist nämlich die Tatsache, dass je nachdem wann wieder ausreichend Geld vorhanden war, Otto Niemeyer-Holstein das Haus Stück für Stück erweiterte. Bei einer Besichtigung des Ateliers, welche man bei einem Aufenthalt im Ostseebad Koserow unbedingt machen sollte, kann man bei der Führung durch das Anwesen so einiges Interessantes aus der Baugeschichte erfahren. Den Kern des Hauses bildet der ursprüngliche Eisenbahnwagen, den man im Ensemble noch gut erkennen kann. Je nachdem welche Funktion der jeweilige Raum hatte, besitzt jeder Teil des Hauses eine eigene Persönlichkeit. Eindrucksvoll ist die sogenannte Gute Stube, hier hat er die Wände mit original Delfter Kacheln gefliest, welche er seinerzeit von seinen Eltern erbte. An der Decke des Zimmers findet man eine Malerei mit den zwölf Sternzeichen, welche ihm einst einige seiner befreundeten Maler als Überraschung dort anbrachten.

Überall im Haus und im Garten des Anwesens findet man zahlreiche Kunstwerke, welche befreundete Künstler ihm entweder geschenkt oder gegen seine Bilder eingetauscht haben. Durch den Tausch seiner Bilder gegen Skulpturen oder andere Bilder befreundeter Künstler, findet man auf dem Anwesen zahlreiche Werke bedeutender Bildhauer wie beispielsweise Waldemar Grzimek oder Jo Jastram, oder Gemälde anderer zeitgenössischer Maler wie Otto Manigk oder Gerhard Wegehaupt. Die meisten der von ihm gesammelten Plastiken findet man aber in seinem Garten, den Otto Niemeyer-Holstein im Laufe der Jahre mit viel Liebe gestaltet hatte. Überall findet man Kunstwerke vor, welche sich mit der Natur verbinden und so eine Einheit bilden. Ganz wie es das von ihm verfasste Testament verlangt, wurde auch der Garten in seinem ursprünglichen Zustand erhalten. Wenn man heutzutage durch diesen Garten geht, dann kann man ihn so bewundern, wie ihn Otto Niemeyer-Holstein als Gesamtkunstwerk im Laufe der Jahre konzipiert hatte.

Das einzige Gebäude, welches noch nicht zu seinen Lebzeiten existierte, ist die Neue Galerie, die im Jahre 2000 neben dem ursprünglichen Atelier errichtet wurde. Hier werden neben den zahlreichen Bildern von Otto-Niemeyer-Holstein auch die Bilder präsentiert, die befreundete Maler für ihn geschaffen haben sowie Werke von Mitgliedern des Usedomer Künstlerkreises. Ganz im Sinne Niemeyer-Holsteins werden die Räumlichkeiten der Neuen Galerie auch für Lesungen und Konzerte genutzt.

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Das Atelier Otto Niemeyer-Holstein ist relativ gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar, obwohl es sich zwischen zwei Seebädern befindet. Der am dichtesten gelegene Bahnhof ist der im Seebad Zempin. Von hier aus sind es etwa anderthalb Kilometer bis zum Museum. Vom Bahnhof des Ostseebades Koserow ist der Weg etwa doppelt so weit. Für Autos gibt es direkt beim Museum keinen eigenen Parkplatz. Daher sollte man es beim Forsthaus Damerow parken. Dieses ist etwa einen halber Kilometer vom Gedenkatelier entfernt.

Adresse: Lüttenort – 17459 Ostseebad Koserow
Homepage: www.atelier-otto-niemeyer-holstein.de
Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag von 10:00 – 18:00 Uhr (von Mitte April bis Mitte Oktober) und Mittwoch, Donnerstag, Samstag und Sonntag von 10:00 – 16:00 Uhr (von Ende Oktober 2011 bis Anfang April)

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