Insel Vilm

Insel Vilm

Insel Vilm


Ein idyllisches kleines Eiland, welches man als richtiger Naturfreund besucht haben sollte, ist die Insel Vilm, welche sich im Greifswalder Bodden südlich der Insel Rügen befindet. Besucht man das kleine Örtchen Lauterbach, welches übrigens zur Stadt Putbus gehört, hat man von dort aus einen tollen Ausblick auf die Insel. Schwieriger ist es heutzutage aber schon auf die Insel zu gelangen, denn Vilm liegt in einem Naturschutzgebiet und kann nur bei einer geführten Tour besichtigt werden.

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Vor ungefähr etwa dreitausend Jahren trennte sich die heutige Insel Vilm von Rügen ab. Zahlreiche Funde aus der Steinzeit weisen auf eine frühe Besiedlung der Insel hin, welche für die späteren slawischen Siedler ein heiliger Ort war. Während des Mittelalters war diese Insel nur von ein paar Einsiedlern besiedelt und diente als Alterssitz der Fürstinnen von Putbus. Bekannt wurde Vilm durch die zahlreichen Malern der Romantik, welche die naturbelassene Insel besichten und dort zahlreiche Motive vorfanden, welche sie in ihren Bildern verewigten. Viele Motive der Gemälde des großen deutschen Romantikers Caspar David Friedrich stammen ursprünglich von Vilm. Viele Bäume, welche man auf den Bildern der Künstler sehen kann, stehen heute immer noch dort. Im Jahre 1527 war der letzte große Holzeinschlag, seitdem konnte sich die Natur wieder fast ungestört ausbreiten. Der Baumbestand der Insel konnte durch geschickte Verhandlungen vor dem Abholzen während der napoleonischen Fremdherrschaft gerettet werden, so dass die ältesten Eichen, welche man bei dem Rundgang sehen kann, weit über sechshundert Jahre alt sind.

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Aber nicht nur während der Zeit der Romantik waren die alten knorrigen Eichen ein beliebtes Motiv, die Insel Vilm entwickelte sich seit der Eröffnung der ersten Ostseebäder zu einem beliebten Ausflugsziel der Besucher von Rügen. Die Belastung der Natur durch die über tausend Besucher, welche jeden Tag Vilm erkundeten, wurde so groß, dass die Insel im Jahre 1936 unter Naturschutz gestellt wurde. Als Walter Ulbricht bei einem Aufenthalt die Insel besuchte, verliebte er sich in das idyllische Eiland und ließ es für die Öffentlichkeit sperren. Seit dem Jahre 1959 diente die Insel Vilm als das Urlaubdomizil für den Ministerrat der DDR. Die Abschottung der Insel war sehr gut, denn außer einigen Gerüchten drang nichts nach draußen durch. Selbst im Winter, als niemand auf der Insel war, wurde Vilm durch eine speziell abgestellte Sicherheitstruppe schwer bewacht, so dass auch wirklich niemand Unbefugtes diese Insel betreten konnte.

Die dreißig Jahre totale Abschottung bewirkten etwas, was man sonst nicht so hätte erreichen können, nämlich eine vollständige Erholung der Natur, welche sich aufgrund der geringen Anzahl an Besuchern völlig ungestört ausbreiten konnte. Als nach der Wende die Insel gegen Devisen verkauft werden sollte, retteten die heftigen Proteste aus der Bevölkerung die Insel vor dem Verkauf. Eine der letzten Amtshandlungen der Regierung der DDR war es, die Insel Vilm zu einem Biosphärenreservat zu erklären, um so sicherzustellen, dass die Insel in Zukunft nicht verkauft werden konnte. Aufgrund dieses Beschlusses gibt es eine Beschränkung für den Zutritt auf die Insel. Heutzutage befindet sich in der ehemaligen Feriensiedlung eine Außenstelle des Bundesministeriums für Umwelt, in welcher nicht nur Foschungsarbeiten durchgeführt werden, sondern auch Tagungen zum Thema Umweltschutz stattfinden .

Als gewöhnlicher Tourist hat man nur zwei Möglichkeiten die Insel Vilm zu besuchen. Die erste Möglichkeit wäre es mit einem der vielen Fährschiffe einmal um die Insel herunterzufahren, was man aber nicht wirklich als einen Besuch bezeichnen kann. Die zweite Möglichkeit ist etwas komplizierter, da es eine strenge Zugangsbeschränkung gibt. Pro Jahr gibt es maximal dreihundert Führungen mit je maximal dreißig Besuchern, was unter dem Strich höchstens 9000 Besucher pro Jahr sind, die bei eine solche Führung mitmachen können. Sollte man bei seinem Urlaub auf Rügen die Insel Vilm besuchen wollen, sollte man sich daher frühzeitig um die Karten kümmern, da es eine sehr hohe Nachfrage danach gibt.

Der Rundgang beginnt mit einer Einschiffung im Hafen von Lauterbach. Die Fahrt zur Insel dauert etwa eine Viertelstunde. Der Hafen der Insel sieht auf den ersten Blick nicht einladend aus, er erinnert noch sehr stark an die Mangelwirtschaft in der DDR. Bei einem Rundgang ist es wichtig, dass man sich an die Vorschriften hält, die auf der Insel herrschen. Da aufgrund des Naturschutzes keine Eingriffe in die Natur vorgenommen werden, ist es äußerst wichtig sich nur auf den vorgeschriebenen Pfaden zu bewegen. Die alten und windschiefen Bäume sind zum Teil recht morsch, so dass bei stärkerem Wind einige Äste herunterfallen könnten, die Kanten der Steilküsten, welche nicht gesichert werden, könnten abbrechen.

Das erste Ziel bei einem Rundgang ist die ehemalige Feriensiedlung. Wer jetzt irgendwelche luxuriösen Villen erwartet hat, der wird doch ziemlich enttäuscht sein, wenn man die Häuser sieht, welche einen recht bescheidenen Eindruck machen und eine typische Optik vorweisen, welche auch gewöhnliche Feriensiedlungen in der DDR hatten. Die Besonderheit dieses Urlaubsortes wäre wohl hauptsächlich in der strengen Abgeschiedenheit von der Öffentlichkeit zu suchen, welche die Insel während dieser Zeit vorzuweisen hatte. Die Siedlung kann man vom Wasser aus nicht sehen, da sie von den Bäumen verdeckt sind. Das liegt nämlich daran dass Walter Ulbricht bei der Planung der Feriensiedlung eine direkte Sichtachse in Richtung Rügen verboten hatte.

Bei dem folgenden Rundgang auf der Insel besichtigt man nur den nördlichen Teil, denn der Süden von Vilm ist eine absolute Sperrzone. Nach dem Verlassen der Siedlung führt der Weg durch urwüchsige Natur. Ein wunderschönes Motiv, welches den Besuchern der Insel gleich zu Beginn des Rundganges geboten wird, ist eine einsamen Bucht mit einem weißen Strand. Dieses Motiv kann man auch in der Gemäldegalerie des Pommerschen Landesmuseums in Greifswald wiederfinden. Auf der Südseite der Insel Vilm findet man eine recht hohe Steilküste vor. Vom höchsten Punkt der Insel hat man bei guten Wetterverhältnissen einen sehr gute Aussicht über den Bodden, der bis zu den Kirchtürmen der Hansestadt Greifswald reicht, welche man von weitem gut erkennen kann, genauso die beiden Ostseeinseln Usedom und Wollin.

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Im Westen der Insel Vilm, welcher eine flache Küste vorzuweisen hat, findet man viele Sandbänke vor, auf denen sich große Vogelkolonien niedergelassen haben. Der Abschluss des Rundganges führt durch einen urwüchsigen Wald, in dem man auch die ältesten Eichen der Insel vorfinden kann. Es sind dieselben Bäume, welche schon die Maler der Romantik auf ihren Bildern festgehalten haben. In ein paar Jahren wird man keine Eichen mehr auf der Insel finden können, da die meisten Exemplare schon sehr alt sind. Ihre Ableger haben zudem keine Chance gegenüber anderen Baumsorten, welche sonst noch auf der Insel wachsen, da diese ihnen das notwendige Licht streitig machen. Skuril sehen auch die vielen Windflüchter aus, welche man auf diesem Teil der Insel vorfindet. Als Windflüchter bezeichnet man Bäume, welche ihren Wuchs der vorherrschenden Windrichtung angepasst haben, also quasi seitlich wachsen.

Die Besonderheit der kleinen Insel Vilm ist die einzigartige Rauheit der Natur, mit der sie sich hier ihren Besuchern präsentieren kann. Man findet auf der Insel viele Naturschauspiele, welche man woanders aufgrund der forstwirtschaftlichen Nutzung der Wälder nicht mehr sehen kann. So sind die abgestorbenen Bäume nicht unbedingt nur totes Holz, sie bilden hier auch die Grundlage für neues Leben. Baumkronen, welche bei einem Sturm abgebrochen wurden, treiben wieder Wurzeln aus, und hohle Eichen besitzen trotz ihres eigentlichen Todes immer noch eine grünen Krone. Interessant ist auch die Tasache, dass man auf der kleinen Insel Vilm eine deutlich größere Anzahl verschiedenster Pflanzen und Tieren finden kann, als auf der benachbarten Insel Rügen, welche deutlich größer ist.

Die vielen tollen Fotomotive, welche man bei seinem Rundgang finden kann, und die Abgeschiedenheit der Insel von den großen Touristenströmen, machen die Insel Vilm zu einem perfekten Ausflugsziel für Naturfreunde. Aber wie schon gesagt, wer sich diese kleine Insel bei seinem Urlaub auf Rügen anschauen möchte, muss sich frühzeitig um die dafür notwendigen Karten kümmern.