Altes Lager Menzlin

Altes Lager Menzlin

Altes Lager Menzlin


In Mecklenburg-Vorpommern findet man zahlreiche Grabanlagen aus der Steinzeit und der Zeit der slawischen Besiedlung des Gebietes. Eine in Deutschland einmalige Anlage gibt es nördlich der Hansestadt Anklam, wo sich südlich des Dorfes Menzlin, in unmittelbarer Nähe zur Peene, eine Nekropole aus der Wikingerzeit befindet.

Anzeige

Die Wikinger reisten zu ihrer Zeit mit ihren Schiffen auf vielen europäischen Flüssen weit ins Hinterland hinein, dabei waren gewaltsame Raubzüge und Plünderungen fremder Siedlungen an der Tagesordnung. Die Wikinger waren trotz ihrer kriegerischen Handlungen aber auch sehr erfolgreiche Händler, welche den Handel zu dieser Zeit kontrollierten. Für ihre Handelsaktivitäten gründeten sie auf dem Gebiet von Mecklenburg-Vorpommern mehrere Seehandelsplätze, von denen Ralswieck auf der Insel Rügen der wohl bekannteste sein dürfte. Da die Wikinger aber nicht nur die Ostsee befuhren, sondern auch die größeren Flüsse, gründeten sie am Ufer der Peene einen weiteren bedeutsamen Handelsplatz. Welchen genauen Namen dieser Handelsplatz der Wikinger seinerzeit besaß, konnte bisher aber nicht festgestellt werden.

Während der Wikingerzeit besiedelten slawische Stämme das Gebiet, in welchem sich dieser Handelsplatz befand. Der Handelsplatz der Wikinger und ihre benachbarte Grabanlage wurden eher durch Zufälle gefunden. Da man Anfang des 20. Jahrhunderts einige kleinere Oberflächenfunde machte, beschloss man das Gebiet genauer zu untersuchen. In den Jahren von 1965 bis 1969 fand auf dem Gelände eine großangelegte Grabung statt, bei welchem man viele wertvolle Funde machte. Das Gelände der ehemaligen Wikingersiedlung erstreckte sich auf einer über achtzehn Hektar großen Fläche. Das benachbarte Gräberfeld wiederum besaß eine Fläche von etwa drei Hektar. Bei den damaligen Ausgrabungen fand man acht Schiffsetzungen, sowie elf Steinkreise, den Platz an welchem die Verbrennungen der Toten durchgeführt wurden und dreiunddreißig Brandgräber.

Eine Besonderheit war die Tatsache, dass es sich bei der Bevölkerung der Handelssiedlung nicht nur um Wikinger handelte, sondern auch um Slawen. Aufgrund der gefundenen Grabbeigaben, welche bei den Ausgrabungen wieder an das Tageslicht gelangten, gelangten die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass die Wikinger auch einheimische slawische Frauen geheiratet haben müssen. Die Grabbeigaben, welche unter anderem aus Tongefäßen des Feldberger Typs bestanden, einer damals in dieser Region verbreiteten slawischer Keramikform sowie skandinavische Schmuckstücke lassen diese Schlüsse jedenfalls zu. Man fand in den Gräbern auch zahlreichen Schmuck, welcher bei den Handelsaktivitäten in ferneren Ländern erworben wurde. Unter anderem befanden sich Exemplare aus dem persischen Raum darunter. Aufgrund der Ausstattung handelt es sich bei den Gräbern um reine Frauengräber.

Anzeige

Die Funde, welche man auf dem Gelände der einstigen Siedlung machte, stammten etwa aus der Zeit zwischen dem Anfang und der Mitte des 9. Jahrhunderts und lassen einige Rückschlüsse auf den damaligen Handel der Wikinger zu. Heutzutage findet man an der Oberfläche keinerlei Spuren, welche an die frühere Existenz einer großen und bedeutenden Siedlung der Wikinger an dieser Stelle hinweisen würden. Aufgrund der geografischen Lage der Siedlung, welche im Süden von der Peene begrenzt und von den drei anderen Seiten von Niederungen umgeben war, boten diese einen ausreichenden Schutz. Von hier aus hatte man auch einen guten Blick über das Peenetal, welcher noch immer besteht. Heutzutage hat man vom Alten Lager in Menzlin einen guten Blick, welcher weit über die Türme der beiden großen Kirchen von Anklam hinaus geht. Vor einigen Jahren fand man die Reste einer Brücke und eine über hundert Meter lange Steinstraße, welche von der Wikingersiedlung zu dem an der Peene gelegenen Hafen führte.

Eine Besonderheit der Wikingergräber ist die typische Steinsetzung in Form eines Schiffes. Da das Leben der Wikinger sehr stark durch ihre Schiffe geprägt wurde, ist es nicht verwunderlich, dass auch die Gestaltung ihrer Grabanlagen durch diese beeinflusst wurde. Die Steine, genutzt wurden dafür Findlinge aus der Umgebung, wurden in Form eines Schiffsrumpfes aufgestellt. Bei der Errichtung dieser Steinschiffe wurden auch unterschiedlich große Steine verwendet, wobei die kleineren Steine in der Mitte des Schiffes und die größeren am Bug und Heck aufgestellt wurden. Dabei kann man auch an der Größe der Steinschiffe erkennen, aus welcher Zeit diese stammen. Während der Bronzezeit wurden vergleichsweise riesige Schiffe errichtet, welche Längen von über vierzig Metern erreichten. Diese Exemplare findet man aber ausschließlich im skandinavischen Raum vor. Während der Wikingerzeit, welche etwa vom Anfang des 9. bis Mitte des 12. Jahrhunderts dauerte, errichteten die Angehörigen dieser Kultur deutlich kleinere Exemplare. Aus dieser Zeit stammen auch die Steinsetzungen vom Alten

Wenn man aus Richtung Westen kommt, dann muss man auf der Landesstraße 263 entlang, bis nach Menzlin. Aus den anderen Richtungen bietet sich die Bundesstraße 109 an, von welcher man in Ziethen auf die Landesstraße 263 in Richtung Gützkow abbiegen muss. Das Dorf Menzlin liegt südlich der Landesstraße, welche man dort verlassen muss. Der Weg zum Alten Lager, welcher durch den Ort führt, ist sehr gut ausgeschildert. An jeder Kreuzung, an welcher man abbiegen muss, steht ein Hinweisschild, welches den Besuchern den richtigen Weg weist. Das letzte Stück vom Weg besteht aus den typischen Betonplatten, mit welchen man zu DDR-Zeiten viele landwirtschaftliche Wege befestigte. Auf der linken Seite erblickt man den bewaldeten Berg auf welchem man die Wikingergräber findet. Man kann nicht bis direkt bis zum Alten Lager fahren, da das Gelände zu einem Flächennaturdenkmal erklärt wurde.

Anzeige

Etwa auf der Höhe des sogenannten Tannenberges befindet sich auf der linken Seite ein kleiner Parkplatz. Auf diesem befindet sich auch eine interessante Informationstafel, welche einige Informationen über die Geschichte des Alten Lagers und der hier auf dem Gelände gemachten Funde bietet. Um zu den Wikingergräbern zu gelangen muss man unterhalb des Berges entlang wandern. Diese befinden sich auf der Südseite des Berges und sind bequem über eine einfach gestaltete Treppe zu erreichen, welche man schon von weitem sehen kann. Wenn man oben angelangt ist, kann man schon die ersten Exemplare der Steinschiffe sehen. Die übrigen Wikingergräber sind auf dem näheren Gelände verstreut, wobei meiner Meinung nach das östlichste Steinschiff das schönste Exemplar ist.

Eine schöne Möglichkeit zum Alten Lager in Menzlin zu kommen ist die über das Wasser. Die Peene gehört zu den Flüssen in Mecklenburg-Vorpommern, welche bei den naturverbundenen Individualtouristen sehr beliebt sind, welche bei ihren Wasserwanderungen die Ruhe und die Schönheiten der Natur genießen wollen. Egal in welche Richtung man paddeln möchte, bietet sich ein Zwischenaufenthalt beim Alten Lager an. Ganz in der Nähe befindet sich übrigens eine Kanustation welche unter anderem auch Führungen durch die Anlage anbietet.