Nikolaikirche Stralsund

Nikolaikirche Stralsund

Nikolaikirche Stralsund


Bei einem Stadtrundgang durch die Altstadt von Stralsund sollte man eine Besichtigung dieser Kirche nicht vergessen. Die Nikolaikirche, welche sich gleich neben dem Rathaus von Stralsund befindet, welches mit seinem imposanten Ziergiebel eines der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Hansestadt ist. Die unmittelbare Nähe beider Gebäude ist kein Zufall, denn die Nikolaikirche war die offizielle Ratskirche. Ursprünglich wurde die Nikolaikirche als eine Hallenkirche mit einem Turm geplant. Um das Jahr 1270 herum änderte man diese aber und beschloss das schon begonnene Kirchegebäude zu einer Basilika umzubauen. Wie auch bei der Stralsunder Marienkirche diente auch bei diesem Umbau die architektonische Gestaltung der Lübecker Marienkirche als Inspiration für die mittelalterlichen Baumeister. Der schon errichtete Chor wurde abgerissen und durch einen neuen Chor ersetzt, welcher nun aus einem inneren Chor und einem Umgang bestand. In jede Wand des fünfseitigen Chorabschlusses wurde zudem noch eine Kapelle errichtet.

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Ursprünglich war bei dieser Kirche nur ein einziger Turm geplant, was aber im Jahre 1314 abgeändert wurde, da der Rat der Stadt Stralsund nun zwei Türme für ihre Ratskirche wollte. Die beiden Türme erhielten ein gotisches Spitzdach. Beim Stadtbrand im Jahre 1662 wurden die beiden Türme ein Opfer der Flammen. Ein paar Jahre später erhielt der Südturm eine barocke Turmhaube mit einer Wetterfahne. Die Höhe der Kirche verringerte sich durch die neue Spitze deutlich und beträgt nur noch 103 Meter. Aufgrund fehlender finanzieller Mittel bekam der Nordturm keine neue Turmhaube, sondern nur ein flaches Satteldach, welches er heutzutage immer noch besitzt. Sehenswert an der ßenfassade sind die Strebepfeiler der Nikolaikirche, welche im Gegensatz zur jüngeren Marienkirche in einer offenen Bauweise ausgeführt wurden und der sich auf der westlichen Seite befindliche Haupteingang. Das kunstvoll gestaltete Portal kann man in seiner vollen Pracht nur sehen, wenn man durch den sogenannten Buttergang die imposante Galerie des Stralsunder Rathauses verlässt. Den schönsten Blick auf die Kirche hat man meiner Meinung, wenn man vom Stadthafen aus auf die Altstadt von Stralsund schaut.

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Die Nikolaikirche ist als Ratskirche zwar etwas kleiner als die Marienkirche ausgefallen, dafür findet man im Inneren heutzutage viel mehr sehenswertes Inventar. Beim Stralsunder Bilderbrechen am 10. April des Jahres 1525 wurden die Kirchen in Stralsund geplündert und viele mittelalterliche Altäre und Bilder gestohlen. Ein Großteil der entwendeten Kunstwerke konnte aber wiederbeschafft werden, wurde aber auf Initiative des Rates im Hof des Katharinenklosters vergraben und damit doch noch vernichtet. Die ehemals gotische Gestaltung des Innenraum wich mit der Zeit einer im Stil des Barock. Die ehemals farbenprächtig ausgemalte Kirche bekam auch einen schlichten weiß Anstrich. Die ursprünglichen Malereien wurden in den Jahren von 1891 bis 1909 durch aufwändige Arbeiten wieder freigelegt. So kann man heute wieder über dem Hochaltar einen Orgelchor und im Mitteschiff einen Bläserchor bewundern, welche aus dem Jahre 1505 stammen. Sehenswert ist der zwölf Meter große Hochaltar aus Holz, welcher weit über hundert geschnitzte Figuren besitzt. Vom ursprünglichen Gestühl der Nikolaikirche, welches im Stil der Renaissance ausgeführt wurde, ist nicht mehr viel vorhanden.

Das Nowgorodfahrergestühl zeigt eine detaillierte Darstellung des damaligen Pelzhandels der hanseatischen Kaufleute in Russland. Viele der ursprünglich 57 Altäre haben die Wirren der Zeit nicht überstanden, so kann man heutzutage nur noch wenige Exemplare bewundern, welche zum Teil aber nicht mehr vollständig erhalten geblieben sind. Eines der ältesten Stücke des Inventars ist die aus Stein gefertigte Tauffünte, welche schon aus dem Jahr 1260 stammt. Nicolaus Lillienveld schuf im Jahre 1394 eine astronomische Uhr, die heute fast noch vollständig erhaltenen geblieben ist, welche als ältestes Exemplar im gesamten Ostseeraum gilt. Das Ziffernblatt der Uhr, welches alle Stunden des Tages anzeigen kann, ist gut vier Meter hoch. Das Uhrwerk steht aber schon seit ein paar Hundert Jahren still. Der letzte Tag an dem sie ihre Aufgabe erfüllt hatte, war der Tag des Stralsunder Bilderbrechens. Die Nikolaikirche besitzt drei Orgeln, von denen alle funktionstüchtig sind. Das älteste Exemplar ist die aus dem Jahre 1841 stammende Buchholz-Orgel, welche eines der größten noch erhaltenen Instrumente des Baumeisters ist.